Russland hat am 28. September 2026 die Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro AG unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Per Präsidialdekret übernimmt die Moskauer Managementgesellschaft Torg RUS die Kontrolle über das Russland-Geschäft, während die operative Führung vorerst bestehen bleibt. Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund massiver diplomatischer Spannungen zwischen Berlin und Moskau.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die russischen Vermögenswerte der Metro AG unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Laut einem am Montag veröffentlichten Präsidialerlass Nr. 689 werden 100 Prozent der Anteile an der Gesellschaft Metro Warehouse Noginsk
sowie 54,45 Prozent einer weiteren Tochtergesellschaft auf die Verwaltungsgesellschaft UK Torg Rus übertragen. Der Erlass trat mit seiner Veröffentlichung sofort in Kraft.
Kontrollverlust bei formalem Eigentum
Obwohl die Anteile zunächst im Eigentum der bisherigen Besitzer bleiben, verliert die Metro AG die faktische Macht über ihre russischen Operationen. Das Unternehmen bestätigte die Maßnahme auf seiner Website und stellte klar, dass die operative Kontrolle nun bei den russischen Behörden liegt.
Die für die Verwaltung zuständige Gesellschaft UK Torg Rus wurde erst am 8. September 2026 in Moskau gegründet. Auffällig ist dabei die personelle Besetzung: Als Geschäftsführer wurde Johannes Maria Tolay eingesetzt, der bereits seit April 2023 Chef von Metro Cash & Carry in Russland ist und zuvor als Generaldirektor bei Auchan tätig war.

Finanzielle Bedeutung des russischen Marktes
Für den Düsseldorfer Konzern ist der Verlust der Kontrolle schmerzhaft, da Russland eines der dynamischsten Segmente im Portfolio darstellt. Während viele westliche Firmen nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 das Land verließen, blieb Metro mit 91 Märkten präsent.
| Kennzahl | Wert / Detail |
|---|---|
| Umsatz (erste 9 Monate 2026) | 2,14 Milliarden Euro |
| Anteil am Gesamtumsatz | fast 8,7 Prozent |
| Barmittel (Stand 30. Juni 2026) | 152 Millionen Euro |
| Mitarbeiter in Russland | ca. 9.000 bis 10.000 |
Das Unternehmen begründete seinen Verbleib im Land 2023 mit der Verantwortung gegenüber den Angestellten und Kunden sowie dem Ziel der Werterhaltung für die Aktionäre.
„Wir tragen Verantwortung für unsere 10.000 Mitarbeiter vor Ort sowie für unsere Kunden, die von Metro Russland ihre Lebensmittel beziehen. Metro Russland ist zudem ein großes Geschäft mit Bedeutung für das Gesamtportfolio des Konzerns.“
Metro AG, via Tagesspiegel
Diplomatische Eskalation und Drohnenvorwürfe
Das Dekret nennt keine expliziten Gründe für den Zugriff auf Metro. Die Entscheidung fällt jedoch in eine Zeit, in der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland extrem belastet sind. Berlin wirft Moskau einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle vor, der als Logistikknoten für Militärhilfen an die Ukraine dient.
Als Reaktion ordnete Deutschland die Schließung eines russischen Konsulats in Bonn sowie des Kulturzentrums Russisches Haus
in Berlin an. Trotz dieser Spannungen trafen sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow am vergangenen Wochenende am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Lawrow erklärte im Anschluss, er habe dabei keine neuen Erkenntnisse gewonnen.
Systematische Verstaatlichung westlicher Firmen
Der Fall Metro ist Teil eines größeren Musters. Seit April 2023 nutzt Russland einen Mechanismus, um Vermögenswerte aus sogenannten unfreundlichen Staaten
unter externe Verwaltung zu stellen. Die EU wertet diese Schritte faktisch als Enteignung und Verstaatlichung ohne Entschädigung.

In den letzten Wochen wurden bereits weitere große Namen getroffen.
- Nestlé (Schweiz) und Auchan (Frankreich) Anfang September
- Lemana PRO (ehemals Leroy Merlin) und FM Logistic am 17. September 2026
- Uniper (Eon-Tochter) bereits im Jahr 2023
Kremlsprecher Dmitri Peskow rechtfertigte frühere ähnliche Entscheidungen damit, dass Militärhilfe aus diesen Ländern für Schläge gegen die zivil-wirtschaftliche Infrastruktur in Russland genutzt werde. Während die russische Metro-Tochter betont, dass der Betrieb normal weiterläuft, bleibt die rechtliche Handhabe für den deutschen Konzern begrenzt.
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