Die Schweizer Landwirtschaft steht laut dem Chef des Agrarversicherers SH Group, Adrian Aebi, unter enormem Druck. Extreme Trockenheit, anhaltende Hitze und schwere Hagelzüge verursachen 2026 massive Ernteausfälle und bringen viele Betriebe an ihre finanziellen und psychischen Grenzen.
Die Schweizer Landwirtschaft steht im Jahr 2026 unter enormem Druck. Nach einem zu Beginn feuchten Frühjahr setzte im Juni eine unbarmherzige Hitzewelle ein, die laut dem Chef des Agrarversicherers SH Group (Schweizer Hagel), Adrian Aebi, einfach nicht mehr aufhörte. Die anhaltende Trockenheit führt bei vielen Betrieben zu tiefere Erträgen, grossem psychischen Druck und drastischem Mehraufwand.
Finanzielle Belastung für den Agrarversicherer SH Group und die Betriebe
Für die SH Group hat der Hitzesommer gravierende finanzielle Folgen. Adrian Aebi kündigte an, dass die Versicherungsgruppe in diesem Jahr einen riesigen finanziellen Verlust
einfahren wird. Gleichzeitig betont er, dass das Unternehmen langfristig kalkuliert und die Landwirtschaft im Jahr 2026 mit bis zu 170 Millionen Franken unterstützt.
Bis zu 30 Prozent Ertragsverlust bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben
Nicht alle Kulturen sind gleichermassen betroffen. Herbstgesäte Kulturen wie Raps und diverse Getreidearten hatten das Glück, ihre wichtigste Wachstungsphase bereits vor der grossen Hitze abgeschlossen zu haben und lieferten daher normale Erträge. Ganz anders sieht es bei den im Frühling gesäten und gepflanzten Pflanzen aus. Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais litten massiv unter dem Wassermangel und kamen laut Aebi nicht mehr richtig durch. Bei diesen Kulturen beliefen sich die Ertragseinbussen gebietsweise auf bis zu 30 Prozent.

Verheerende Hagelschäden und Perspektiven der Klimaerwärmung
Ein Hagelzug am 28. August richtete in der Landwirtschaft verheerende Schäden an; bei Produzenten von Freilandgemüse hatten die Pflanzen stellenweise keine Überlebenschancen. Die Versicherungswirtschaft rechnet branchenweit mit Hagelschäden von bis zu einer Milliarde Franken. Die Zürcher Gebäudeversicherung sprach in diesem Zusammenhang von einem nie da gewesenen Ereignis.

Mit Blick auf die Zukunft warnt der SH-Group-Chef davor, das Jahr 2026 als einmaligen Ausreisser zu betrachten. Zwar sei der Sommer extrem, doch reihe er sich in eine Serie warmer Jahre seit dem Jahrhundertsommer 2003 ein. Steuert die Welt weiter auf eine Erwärmung von drei Grad zu, könnten sich Sommer wie der diesjährige drastisch häufen und etwa jeder dritte Sommer entsprechend heiss ausfallen. Während Aebi fordert, dass Politik, Detailhandel und Konsumenten aufwachen und sich aktiv mit den Folgen der Klimaerwärmung auseinandersetzen müssen, kritisiert er gleichzeitig, dass die politischen Debatten im Rahmen der Agrarpolitik 2030 sich oft in Nebensächlichkeiten wie Kurswochen für Direktzahlungen verlieren.