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Technik und Wissenschaft

Prix Goncourt streicht Roman von Thélyson Orélien wegen KI-Verdachts

Wegen des Verdachts auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist ein Roman des Autors Thélyson Orélien von der Auswahlliste für den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt gestrichen worden. Laut Mitteilung der Académie Goncourt vom Freitag kamen diverse Forscher und Medienmacher unabhängig voneinander zu der Einschätzung, dass der Roman C’était ça oder mourir allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt einer Künstlichen Intelligenz sei. Wie viel Künstliche Intelligenz verträgt die Literatur? Diese Frage sorgt in der Buchbranche zunehmend für Debatten. Die Anwartschaft des Buches auf den begehrten französischen Literaturpreis Prix Goncourt wurde infolge der KI-Verdächtigungen beendet.

Die Entscheidung diene dazu, „die Integrität des Prix Goncourt und die der Académie zu bewahren“, teilte die Institution mit. Ihre zentrale Aufgabe bestehe darin, Literatur von Frauen und Männern zu fördern und auszuzeichnen. Man wolle zudem „eine klare Botschaft“ senden und bekräftigen, dass man die Erstellung von Texten, die mithilfe von KI generiert wurden, „in keiner Weise billigt oder unterstützt“.”””

Anonymer Beitrag löst Debatte aus

Ins Rollen gebracht wurde die Debatte am Montag durch einen Beitrag des bis dahin kaum bekannten anonymen X-Kontos „Balance ton Claude“. Das Konto behauptete, der Roman sei „fast vollständig“ von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben worden. Zur Begründung wurde auf Analysen von Textauszügen mit der US-amerikanischen Software Pangram verwiesen. In den folgenden Tagen griffen mehrere Medien den Verdacht auf und führten eigene Untersuchungen durch.””

Die Académie Goncourt erklärte in Paris, mehrere Wissenschaftler und Journalisten seien bei Analysen zu dem Schluss gekommen, dass der Roman C’était ça oder mourir allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt eine KI sei. Neben dem KI-Verdacht verwies die Akademie auf Plagiatsvorwürfe aus Kanada wegen Texten, die vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht worden sein sollen.

Reaktionen und Gegenstimmen

Thélyson Orélien hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und von dem Versuch gesprochen, ihn „zum Schweigen zu bringen“. Er liebe kreatives Schaffen und Schreiben und habe keinen Grund, dafür eine Maschine zu benutzen, sagte er der französischen Zeitung „Liberation“. Der haitianisch-kanadische Schriftsteller weist die Vorwürfe zurück, und sein französischer Verlag stellt sich hinter ihn. Der Verlag Grasset, der C’était ça oder mourir in Frankreich vertreibt, bezeichnete die Anschuldigungen als auf grausame Weise verletzend. Zudem stellte er die Verlässlichkeit von KI-Detektoren infrage – mit dem Argument, diese seien vor allem mit englischen Texten trainiert worden.””

Prix Goncourt streicht Roman von Thélyson Orélien wegen KI-Verdachts
Foto: tagesspiegel.de

Lesereise gestoppt und großer Bucherfolg

Oréliens kanadischer Verlag Boréal kündigte an, alle Werbeaktionen für das Buch bis auf Weiteres einzustellen, um das Wohlergehen von Thélyson Orélien sicherzustellen, wie es hieß. Der Verlag rief außerdem dazu auf, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Man sehe sich derzeit außerstande, den KI-Verdacht zu entkräften oder zu bestätigen.

Prix Goncourt streicht Roman von Thélyson Orélien wegen KI-Verdachts
Foto: rheinpfalz.de

Der Roman war zunächst in die erste Auswahl von 16 Titeln für den Prix Goncourt aufgenommen worden. Der Preis wird am 4. November verliehen. Der Roman „C’était ça oder mourir“ (etwa: Das oder sterben) über Flucht, Migration und Überleben ist im französischen Buchhandel ein Erfolg. Das Werk wurde zunächst in Kanada und anschließend im August in Frankreich veröffentlicht. Oréliens Buch steht auch auf den Auswahllisten weiterer bedeutender französischer Literaturpreise, darunter des Prix Femina und des Prix Médicis.”

Le roman de Thélyson Orélien exclu du Goncourt pour plagiat et rédaction par IA
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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