Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie und die European Renal Association haben am 28. August 2026 die ersten gemeinsamen Leitlinien zur Behandlung von Herz- und Nierenerkrankungen veröffentlicht. Die neuen Richtlinien empfehlen ein routinemäßiges Nierenscreening für alle Patienten mit kardiovaskulären Diagnosen, um Folgeschäden frühzeitig zu erkennen.
Herz- und Nierenerkrankungen sind im medizinischen Alltag eng miteinander verknüpft. Um diesen Zustand zu ändern, erarbeiteten die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und die Europäische Renal Association (ERA) ein gemeinsames Regelwerk. Die am 28. August 2026 veröffentlichten und im European Heart Journal publizierten Empfehlungen zielen darauf ab, die Diagnostik grundlegend zu vernetzen.
Schätzungen zufolge leben allein in Europa rund 100 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Viele Betroffene spüren lange Zeit keinerlei Beschwerden, obwohl ihre Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Genau hier setzt die neue Initiative an.
Routinemäßige Nierentests für alle Herzpatienten
Die Leitlinie empfiehlt, jeden Menschen mit einer neu diagnostizierten Herz-Kreislauf-Erkrankung standardmäßig auf Nierenprobleme untersuchen zu lassen. Dazu zählen unter anderem Personen mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Schlaganfall. Das Screening stützt sich auf zwei verhältnismäßig einfache Untersuchungen: eine Blutprobe zur Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) sowie eine Urinanalyse zur Messung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses (uACR).
Das STAMP-Konzept und medikamentöse Ansätze
Zur strukturierten Umsetzung im klinischen Alltag hat das Expertengremium das Akronym STAMP entwickelt. Es steht für Screen (Screening), Triage (Risikoeinschätzung), Address CKD Risk (Behandlung des Nierenrisikos), Modify CVD management (Anpassung der Herztherapie) und Plan health services (Versorgungsplanung).
Steht die Diagnose fest, sollen gezielte Therapien das Voranschreiten der Nierenschwäche bremsen. Die Fachleute verweisen dabei auf den Nutzen bestimmter Wirkstoffgruppen.
Darüber hinaus verlangt die verminderte Filterleistung der Niere oft eine Anpassung der Dosierungen oder den Verzicht auf bestimmte Medikamente, die der Körper sonst nicht mehr richtig ausscheiden kann. Ohne diese Modifikationen drohen schwere Nebenwirkungen.
Interdisziplinäre Versorgung und Ausblick
Ein zentrales Anliegen der Autoren ist die bessere Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Nephrologen. Da Patienten oft primär in kardiologischer Behandlung sind, soll der engere Austausch die Diagnoseketten verkürzen und die Behandlungsqualität steigern.

Zusätzlich sieht das Konzept vor, Patienten und deren Familien aktiv in den Entscheidungsprozess einzubinden. Eine begleitende Patientenversion der Leitlinie soll dazu beitragen, Betroffenen das nötige Wissen für gemeinsame Beratungen mit dem Behandlungsteam zu vermitteln.
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