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Technik und Wissenschaft

Schwarzhandel Mit Mumien Blüht Auf Facebook Und eBay Auf

Ein aktueller Forschungsüberblick von 128 Online-Inseraten auf Plattformen wie Facebook und eBay zeigt einen Handel mit mumifizierten menschlichen und tierischen Überresten. Experten warnen vor gravierenden Gesundheitsrisiken durch Schimmelsporen und giftige Einbalsamierungsstoffe sowie vor ethischen Bedenken bei unklaren Fundherkünften.

Die Faszination für das Alte Ägypten und historische Bestattungskulturen treibt einen besorgniserregenden Online-Handel an. Wie eine Auswertung von 128 Beiträgen im International Journal of Cultural Property zeigt, werden mumifizierte menschliche Körperteile und Tierkörper über Plattformen wie Facebook, Instagram, Marktplaats.nl sowie über Online-Auktionshäuser angeboten. Die untersuchten Inserate, die im Zeitraum zwischen 2015 und 2025 erfasst wurden, verdeutlichen, dass Überreste, die sonst in Museen oder Grabstätten lagern, zunehmend in privaten Händen landen.

Köpfe, Gliedmaßen und US-Verteiler im Fokus der Untersuchung

Unter den dokumentierten Fundstücken dominierten isolierte Körperteile wie Hände und Füße, gefolgt von ganzen mumifizierten Köpfen. Mehr als die Hälfte aller analysierten Beiträge betraf Köpfe in irgendeiner Form, darunter Teilköpfe, Schädel mit anhaftendem Weichgewebe sowie sogenannte Schrumpfköpfe. Lediglich ein einziger vollständiger Körpertauchte in der gesamten Stichprobe auf. Neben menschlichen Überresten fanden die Forschenden auch sechs mumifizierte Tiere, darunter eine Katze, einen Falken, einen Ibis, einen Fisch und einen Primatenschädel.

Bei den Verkäufern, sofern sie ihren Standort preisgaben, stammte die Mehrheit aus den Vereinigten Staaten, mit regionalen Schwerpunkten in Pennsylvania und Colorado. Als vermeintliche Herkunftsregionen gaben die Anbieter am häufigsten Ägypten gefolgt von Südamerika an, wobei diese Angaben laut den Forschenden rein auf den Aussagen der Verkäufer basieren und keine verifizierte Provenienz darstellen.

Gesundheitsrisiken durch Schimmel und historische Konservierungsmittel

Neben den rechtlichen und ethischen Hürden stehen vor allem akute Gesundheitsgefahren im Raum. Dreizehn der analysierten Facebook-Inserate wiesen sichtbare biologische Veränderungen auf, die als Schimmelpilzkolonisation interpretiert wurden – erkennbar an weißen Flecken, schwarzen Stellen, grauen Verfärbungen oder watteartigen Belägen. In 22 dokumentierten Fällen gingen Personen zudem völlig ungeschützt und ohne Handschuhe mit den Überresten um.

„Eine unserer größten Sorgen ist, dass Käufer, Händler oder Post- und Zollbeamte mit biologischen oder chemischen Gefahrstoffen in Kontakt kommen. Besonders, wenn die Mumienteile schlecht verpackt sind, oder das Paket beschädigt wird.“

Falken-Mumie, Manchester Museum
Photo: br.de

Kirsty Squires, Studienmitautorin, via Br

Trotz der weitverbreiteten Vorstellung, dass uralte Bakterien oder Viren an Mumien haften bleiben, schätzt Albert Zink, Leiter der Staatssammlung für Anthropologie in München, dieses Risiko als gering ein: Die würden nicht überleben, so Zink gegenüber dem Sender BR24. Vielmehr stellen Schimmelsporen eine reale Gefahr dar, die bei Personen mit geschwächtem Immunsystem zu Infektionen führen könne. Solche Sporen lauern jedoch laut Zink auch beim Öffnen einer feuchten Gruft.

Deutlich gravierender stuft der Experte chemische Belastungen ein. Während altägyptische Mumien meist mit harmloseren Harzen oder Ölen behandelt wurden, kam bei einer späten Form der Mumifizierung im südeuropäischen Raum des 18. und 19. Jahrhunderts eine andere Praxis zum Einsatz.

„Es gibt allerdings eine späte Form der Mumifizierung, die vor allem in Südeuropa im 18. und 19. Jahrhundert angewandt wurde.“

Albert Zink, Leiter der Staatssammlung für Anthropologie in München, via Br

Bei diesen Objekten wurden Schwermetalle wie Blei, Arsen oder sogar Quecksilber verwendet, welches bereits bei Raumtemperatur verdampft und beim Einatmen zu schweren Leber- und Nierenschäden führen kann.

Umgekehrte Postwege und ethische Einordnung

Obwohl die meisten Post- und Kurierdienste den Versand menschlicher Überreste strikt untersagen, dokumentierten die Beobachter klare Belege für den Postversand – darunter ein Fall mit einem Royal Mail-Paket. Verkäufer nutzen demnach ungenaue Zollcodes und meiden gezielt den Versand in bestimmte US-Bundesstaaten, um die Kontrollen zu unterlaufen.

Schwarzhandel Mit Mumien Blüht Auf Facebook Und eBay Auf
Photo: studyfinds.com

Albert Zink verweist zudem auf die unklare Herkunft der Stücke, die häufig aus kolonialen Kontexten geraubt worden sein könnten.

„Die dann privat irgendwo zu erwerben, da spricht eigentlich alles aus ethischer Sicht klar dagegen.“

Albert Zink, Leiter der Staatssammlung für Anthropologie in München, via Br

Personen, die in den Besitz solcher Objekte gelangten, können sich an das Landesdenkmalamt oder wissenschaftliche Einrichtungen wie die Staatssammlung für Anthropologie wenden, um Rat einzuholen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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