Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen im Hochsauerlandkreis ist im Jahr 2025 auf 396 Fälle gesunken, was einem Rückgang von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der AOK NordWest hervor, die über Häufigkeiten, Risiken und präventive Maßnahmen informierte.
Rückgang der Infektionszahlen im Hochsauerlandkreis
Im Hochsauerlandkreis ist die Anzahl sexuell übertragbarer Krankheiten gesunken. Insgesamt verzeichnete die AOK NordWest für das Jahr 2025 exakt 396 Fälle. Damit sank das Infektionsgeschehen gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent, als noch 414 Fälle registriert worden waren. Die Auswertung zeigt jedoch, dass viele Infektionen unbemerkt bleiben, da sie häufig keine Beschwerden verursachen und folglich unbehandelt bleiben. Die Ausbreitung von STI kann durch Aufklärung und geeignete Präventionsmaßnahmen deutlich reduziert werden.
„Viele sexuell übertragbare Infektionen sind bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar. Einige bakterielle STI sind heilbar, während virale Infektionen wie HIV nicht heilbar, aber gut behandelbar sind. Das setzt voraus, dass bei Verdacht auf eine STI auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht wird. Oft verursachen sexuell übertragbare Infektionen keine Beschwerden und bleiben deshalb unbehandelt.
Dirk Schneider, AOK-Serviceregionsleiter
Häufigste Diagnosen und gesundheitliche Risiken
In der regionalen Statistik standen im Jahr 2025 anogenitale Warzen und akute Virushepatitis B an der Spitze der Diagnosen, gefolgt von Herpes Simplex, HIV und Chlamydien. Zu den häufigsten Anzeichen von STI gehören Ausfluss aus der Harnröhre oder Scheide, genitale Geschwüre, Schwellungen der Leistengegend oder der Hoden, Juckreiz, Schmerzen beim Sex und Wasserlassen sowie Unterbauchschmerzen.
„Sexuell übertragbare Krankheiten können zum Teil zu schweren Folgeschäden führen. Eine unbehandelte Chlamydien-Infektion kann insbesondere bei Frauen zu einer Beckenentzündung und dadurch zu Fruchtbarkeitsstörungen führen. Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) oder auch mit Hepatitis B können Krebserkrankungen zur Folge haben und eine nicht behandelte HIV-Infektion AIDS.
Dirk Schneider, AOK-Serviceregionsleiter
Zur Prävention der Ausbreitung sexuell übertragbarer Infektionen ist es wichtig, frühzeitig und gezielt über Infektionen und Übertragungswege zu informieren. „Liegt eine sexuell übertragbare Infektion vor, sollten möglichst auch die jeweiligen Sexualpartner auf eine Infektion untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern erhöht das Risiko einer Infektion“, so Schneider weiter. Ursache für die am häufigsten diagnostizierte STI, die anogenitalen (venerischen) Warzen (Feigwarzen), sind bestimmte humane Papillomviren (HPV), die Niedrigrisikotypen insbesondere HPV6 und 11. Andere HP-Viren (Hochrisikotypen) können sogar zu Zellveränderungen führen und langfristig verschiedene Krebsarten auslösen.”
Meldepflicht und medizinische Hintergründe in Deutschland
Sexuell übertragbare Infektionen (STIs) können jede:n betreffen: Sie sind unabhängig von Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Insgesamt gibt es mehr als 30 verschiedene Erreger, die durch sexuellen Kontakt übertragen werden können – wobei die Übertragung vor allem beim Geschlechtsverkehr (Vaginal-, Anal- und Oralsex) stattfindet. Laut Schätzungen der WHO finden weltweit täglich rund 1 Million Übertragungen mit STI statt.
Krankheiten, die überwiegend beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, werden als sexuell übertragbare Krankheiten – auch „sexually transmitted diseases“ (STDs) – oder Geschlechtskrankheiten bezeichnet. Zu den Erregern von sexuell übertragbaren Infektionen gehören Bakterien (z. B. Chlamydien, Syphilis, Gonorrhö) und Viren (z. B. HIV, Hepatitis B, HPV), Pilze (z. B. vaginale Pilzinfektion), Einzeller (z. B. Trichomoniasis) sowie auch Gliederfüßler (z. B. Milben, Filzläuse). Es ist möglich, gleichzeitig an mehreren sexuell übertragbaren Infektionen zu erkranken, und einzelne Infektionen erhöhen das Risiko, sich mit anderen Erregern anzustecken.”
Auf Grund ihrer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung sind Syphilis, HIV und Hepatitis B in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. In Deutschland gilt die nichtnamentliche (anonyme) Labormeldepflicht für HIV und Syphilis. Viele STD-Beratungsstellen der Gesundheitsämter beraten zu allen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Beratung ist kostenlos und meist vertraulich und anonym, sodass der Name nicht angegeben werden muss. Auch wenn Frauen nicht krankenversichert sind oder in der Prostitution arbeiten, können sie sich in der Regel kostenlos und anonym in der fachärztlichen STI-Sprechstunde im Gesundheitsamt untersuchen lassen.
Präventionsmaßnahmen und Safer Sex
Safer Sex schützt die eigene Gesundheit und die von Partner:innen, indem der Austausch mit eventuell ansteckenden Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit vermieden wird. Methoden zur Verringerung des Übertragungsrisikos sind die Verwendung von Kondomen, Femidomen oder Lecktüchern. Auch Körperhygiene ist wichtig, und zum Schutz vor bestimmten sexuell übertragbaren Infektionen stehen Impfungen zur Verfügung. Safer Sex ist der sicherste Schutz vor einer Ansteckung, doch es besteht immer ein Restrisiko, weshalb regelmäßige Tests insbesondere bei entsprechenden Symptomen angeraten sind. Die akuten und chronischen Gesundheitsschäden von sexuell übertragbaren Infektionen lassen sich durch wirksame Präventionsmaßnahmen weitestgehend vermeiden.

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