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Welt

Über 1500 Filmschaffende solidarisieren sich mit NAZA-Regisseuren

Nach der Premiere des Gaza-Dokumentarspiels NAZA auf den Filmfestspielen von Venedig im September 2026 droht Israels Kulturminister Miki Zohar den Regisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor mit Entzug der Staatsbürgerschaft. Über 1,500 Filmschaffende solidarisieren sich in einer Petition mit den Filmemachern, während internationale Festivalleiter den Druck als inakzeptabel verurteilen.

Die Auszeichnung beim Filmfestival in Venedig brachte den Regisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor nicht nur den Spezialpreis der Jury und einen minutenlangen Applaus ein, sondern auch schwere politische Angriffe in ihrer Heimat Israel. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht das von der britischen Tageszeitung The Guardian produzierte Werk NAZA, das die militärischen Operationen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Zielsystemen im Gazastreifen beleuchtet.

Drohungen des Kulturministers

Unmittelbar nach dem Erfolg auf dem Festival reagierte die israelische Regierung scharf. Israels Minister für Kultur und Sport, Miki Zohar, warff den Regisseuren vor, ihrer Heimat schaden zu wollen, um Beifall von Antisemitismus in der Welt zu erhalten. Zohar schrieb auf X, er werde sofort handeln, um die israelische Staatsbürgerschaft dieser verächtlichen Schöpfer wegen Landesverrats zu entziehen. Grafiken mit Yuval Abraham und Rachel Szor und dem hebräischen Wort „Verräter“ wurden zudem an eine Wand in Ashdod im Süden Israels gesprayt.

Über 1500 Filmschaffende solidarisieren sich mit NAZA-Regisseuren
Photo: arabnews.com

Das 80-minütige Dokumentarwerk baut auf Enthüllungen auf, die zwischen 2023 und 2025 erstmals von der israelisch-palästinensischen Publikation +972 Magazine, dem hebräischsprachigen Medium Local Call und dem Guardian veröffentlicht worden waren. NAZA stützt sich auf Interviews mit 24 israelischen Militär- und Geheimdienstsoldaten sowie Offizieren, die die KI-gesteuerten Zielsysteme skizzierten, mit denen Gaza bombardiert wurde. Nach der offiziellen Synopsis untersucht NAZA im Detail die Systeme hinter der kalkulierten Massstötung palästinensischer Zivilisten in Gaza und beinhaltet den Vorwurf, dass künstliche Intelligenz zur Identifizierung potenzieller Hamas-Ziele eingesetzt wurde und Häuser in Gaza bombardiert wurden, obwohl bekannt war, dass sich ganze Familien darin befanden. Der Film wurde heimlich nachts auf Dächern in Tel Aviv gedreht.

Über 1,500 israelische Filmschaffende unterzeichnen Solidaritätserklärung

Innerhalb Israels formierte sich rasch massiver Widerstand gegen die staatlichen Drohungen. Eine Petition, die von mehr als 1,500 Filmschaffenden und Branchenvertretern getragen wird, weist die Anschuldigungen zurück, die Filmemacher hätten absichtlich den Ruf des Landes beschädigen wollen, und verurteilt eine Eskalation von Schandkampagnen und Drohungen. Zu den Unterzeichnern gehören renommierte Namen wie Ari Folman, Nadav Lapid, Hagai Levi, Shlomi Elkabetz, Liran Atzmor, Orna Ben Dor, Netalie Braun, Rani Blair, Shai Carmeli-Pollak und Orna Ben-Dor Niv.

Über 1500 Filmschaffende solidarisieren sich mit NAZA-Regisseuren
Photo: thehindu.com

In einer ergänzenden Erklärung, die unter anderem in der Zeitung Yedioth Ahronoth zitiert wurde, verurteilten Filmschaffende eine beispiellose Hetzkampagne. Die Unterzeichner erklärten, dass die Distanz zwischen der Hetze und der Aufstachelung zu Gewalt und physischen Bedrohungen für das Leben der Regisseure schrumpfe, und appellierten an die Öffentlichkeit, den Film vor Urteilen unvoreingenommen zu betrachten. „Als Filmemacher und Kreative rufen wir alle auf, die weiterhin für die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst kämpfen, die Schöpfer des Films NAZA, Rachel Szor und Yuval Abraham, zu unterstützen und sich mit ihnen zu solidarisieren, hieß es in der Erklärung.

Internationale Filmfestivals stellen sich hinter die Regisseure

Auch außerhalb Israels erfährt das Werk breite Unterstützung durch bedeutende Filmfestinstitutionen wie das Telluride Film Festival, das Locarno Film Festival, die Berlinale und das San Sebastian Film Festival. Julie Huntsinger, künstlerische Leiterin des Telluride Film Festival, nannte die Bedrohung der Staatsbürgerschaft unakzeptabel und betonte, dass dies von jedem denkenden Menschen verurteilt werden müsse.

Naza, the film's directors in Venice: "Peace has become the enemy. All human life is sacred"

Die Leiterin der Berlinale, Tricia Tuttle, betonte, dass Künstler frei sein müssen, Ereignisse kritisch zu untersuchen, und argumentierte, dass in einer demokratischen Gesellschaft die Antwort auf Filme nicht in solchen Massnahmen bestehen darf. Die internationalen Reaktionen spiegeln den weltweiten Rückhalt für die Filmemacher wider, während Vertreter von Venedig oder der von Maggie Gyllenhaal geleiteten Jury zunächst keine Kommentare abgaben.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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