Die Alternative für Deutschland hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen historischen Sieg errungen und rund 44,5 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Das Ergebnis stellt das stärkste Resultat einer rechtspopulistischen Partei bei einer deutschen Landtagswahl seit dem Zweiten Weltkrieg dar, wirft jedoch sofort Fragen zur Regierungsfähigkeit auf.
Bei der Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt hat die Alternative für Deutschland ein Rekordergebnis erzielt. Der Urnengang im ostdeutschen Bundesland mit rund 2,1 Millionen Einwohnern westlich von Berlin stand im Fokus der nationalen Aufmerksamkeit, da er als bislang ernsthafteste Chance für die Partei galt, erstmals einen Bundesland-Gouverneur beziehungsweise Ministerpräsidenten zu stellen.
Historisches Rekordergebnis und Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt
Die Mobilisierung der Wähler erreichte am Sonntag neue Höchstwerte. Wie die Landeswahlleiterin Christa Dieckmann gegenüber der Nachrichtenplattform Bild mitteilte, hatten bis 16 Uhr bereits 65,3 Prozent der wahlberechtigten Bürger ihre Stimme abgelegt. Zum Vergleich: Bei vorherigen Landtagswahlen lag die Beteiligung zum selben Zeitpunkt bei 41 Prozent im Jahr 2021 sowie bei 47,1 Prozent im Jahr 2016, wie die Auswertung der publizierten Berichte zeigt.
Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, erklärte, dass we will write history here
. Die Partei war in den Umfragen im Vorfeld des Sonntags konstant über der Marke von 40 Prozent geführt worden, während die Christlich Demokratische Union das Land zuvor 24 Jahre lang regiert hatte. Der AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt war im Jahr 2023 vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft worden.
Die Brandmauer der etablierten Parteien und die Frage der Regierungsbildung
Obwohl die AfD mit deutlichem Abstand als stärkste Kraft aus den Wahlen hervorgegangen ist, bleibt völlig offen, ob die Partei tatsächlich eine Regierung bilden kann. Bislang lehnen alle anderen im Landtag vertretenen Parteien jede Zusammenarbeit ab. Die etablierten politischen Kräfte halten an ihrer sogenannten Brandmauer fest, was Koalitionsoptionen für die AfD extrem erschwert, es sei denn, sie erlangt eine absolute Mehrheit im Landesparlament.
Sven Schulze, der amtierende Ministerpräsident und Landesvorsitzende der CDU, dessen Partei das Land angeführt hatte, erklärte im Anschluss an die Prognosen im deutschen Fernsehen, dass er nicht mit der AfD zusammenarbeiten werde. Gleichzeitig betonte die Berichterstattung der Associated Press, dass der CDU-Politiker vor einer extrem schwierigen Aufgabe stehen dürfte, sollte er versuchen, durch ein Bündnis kleinerer Parteien eine stabile Regierung zu schmieden, ohne dabei auf die Linkspartei angewiesen zu sein, mit der die CDU ebenfalls keine Koalitionen bildet.
Wirtschaftliche Warnungen und Reaktionen aus Berlin
Das Wahlergebnis sorgt auch in der Bundeshauptstadt für erhebliche Unruhe und setzt den Kanzler Friedrich Merz sowie seine konservative Union unter Druck. Der Kanzler hatte im Wahlkampf vor den wirtschaftlichen Folgen eines Wahlsiegs der Partei gewarnt. Laut den Berichten der Nachrichtenagentur AP erklärte Merz im Vorfeld der Wahl: If there were to be an absolute majority for a right-wing populist party next Monday, then international investors will think three times about whether they still invest in Saxony-Anhalt

Aus den Reihen der Regierungskoalition äußerte sich der Vizekanzler und SPD-Politiker Lars Klingbeil in einem Fernsehinterview zu den Entwicklungen.
“There are an incredibly large number of people right now in Saxony-Anhalt, but also I believe across Germany, who are afraid and worried about this election result for the AfD. It is a reason to reflect on politics here in Berlin.”
Die Bundesvorsitzenden der AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla, ließen in einer Stellungnahme erklären, dass die AfD wants to implement the law of the land — for example with a view to illegal migration — and ensure that Germany remains worth living in
. Sie bewerteten eine absolute Mehrheit für ihre Formation als almost the only chance to change course
Blick auf kommende Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
Das politische Gewicht dieser Landtagswahl reicht weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus. Die anstehenden Urnengänge am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden als nächste große Belastungsproben für die etablierten Parteien und die Bundesregierung gewertet. In Mecklenburg-Vorpommern steht die dort regierende SPD ebenfalls unter starkem Druck durch die AfD, während Berlin von der CDU geführt wird.
Ob in Sachsen-Anhalt eine stabile Regierung zustande kommt oder ob sich ähnliche parlamentarische Hürden wie zwei Jahre zuvor im benachbarten Thuringia abzeichnen, in dem letztlich eine CDU-Minderheitsregierung ins Amt kam, hängt nun von den Verhandlungen der kommenden Tage und den exakten Sitzverteilungen ab.
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