Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat beim traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo vor stark steigenden Schäden durch Hagel, Feuer und extreme Hitze gewarnt. Währenddessen verzeichnen Erstversicherer bei den anstehenden Vertragserneuerungen zum Jahreswechsel sinkende Preise im Schaden- und Unfallgeschäft.
Munich Re warnt in Monte Carlo vor neuen Risiken durch Hitze und Hagel
Nach einem katastropharmen ersten Halbjahr führen Phänomene wie Hagel und Feuer inzwischen zu Schadenniveaus, die früher ausschließlich mit großen Naturkatastrophen assoziiert wurden.
Besonders die zunehmende Hitze entwickelt sich nach Einschätzung des Unternehmens rasant zum neuen Schadentreiber.
„Die Folgen der Hitzewellen forderten in den vergangenen Monaten zunehmend Menschenleben.“
Munich Re, Konzernmitteilung
Zudem beeinträchtigen die außergewöhnlich hohen Temperaturen ebenso wie Fluten die Infrastruktur und damit die wirtschaftlichen Lieferketten. Auch in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie an Gebäuden und Anlagen entstehen dadurch erhebliche Verluste.
„Somit entwickeln sich solche Naturgefahren zunehmend zu ökonomischen Risiken, wenn auch die Kausalität bei Hitzeschäden nicht immer einfach herzuleiten ist.“
Munich Re, Branchenkonferenz in Monte Carlo
Milliardenschäden durch Waldbrände und veränderte Preistrends
Kleinere Naturgefahren unterhalb der Großereignisse wie Hurrikans oder Erdbeben kosteten die Versicherungsbranche im Jahr 2025 rund 104 Milliarden US-Dollar, was knapp 90 Milliarden Euro entspricht. Den Munich-Re-Daten zufolge verursachten allein die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025 einen volkswirtschaftlichen Schaden von etwa 54 Milliarden Dollar – der größte jemals in dieser Kategorie verzeichnete Wert. Die Versicherungsbranche musste davon rund 40 Milliarden Dollar tragen.
Auch in Europa breiteten sich große Feuer aus, unter anderem in ländlichen Regionen nahe Bordeaux, Marseille, Madrid sowie auf Sizilien. Dass die Versicherungsschäden hierbei überschaubar blieben, lag nach Angaben des Vorstandes in Monte Carlo vor allem daran, dass die Flammen überwiegend ländliche Zonen und keine größeren Wohn- oder Industriegebiete trafen.
Rückversicherungskurse sinken trotz steigender Naturgefahren weiter
Während die Risiken aus Naturgefahren steigen, driftet die Preisentwicklung bei den Rückversicherungsverträgen auseinander. Nach massiven Prämienerhöhungen in den Jahren nach der Pandemie verbilligt sich der Rückversicherungsschutz für Erstversicherer seit Anfang 2025 schrittweise.
Bei den Vertragserneuerungen seit Anfang 2026 mussten die drei Weltmarktführer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück im Schnitt Preisrückgänge von rund fünf Prozent hinnehmen, sofern Inflation und veränderte Risiken herausgerechnet werden. Ratingagenturen gehen davon aus, dass dieser Trend anhält.
„Wir glauben, dass wir 2027 eine ähnliche Entwicklung haben werden wie 2026 auf weitere Preisrückgänge hinstellen.“
Johannes Bender, Ratingagentur Standard & Poor’s
Laut einer Umfrage der Ratingagentur Moody’s rechnen 86 Prozent der befragten Erstversicherer mit weiter sinkenden Preisen. In der Schadenversicherung für Wohngebäude, Industrieanlagen und Autos erwarten viele Branchenteilnehmer sogar Abschläge von mehr als 7,5 Prozent, besonders in den USA und der Karibik.
Rekordkapital im Markt trifft auf neue Cyberrisiken
Ein Grund für den anhaltenden Preisdruck ist das enorme Kapitalangebot. Dank der vergleichsweise geringen Schäden verfügte die Rückversicherungsbranche Ende März über ein Eigenkapital von fast 650 Milliarden Dollar. Zusammen mit alternativen Kapitalvehikeln wie Katastrophenanleihen summierte sich das gesamte Kapital auf einen Rekordwert von 790 Milliarden Dollar.

Dieses dichte Angebot spielt den Erstversicherern bei Verhandlungen in die Hände, während Munich Re und Hannover Rück in diesem Jahr dennoch mit Rekordgewinnen rechnen. Neue Geschäftsfelder eröffnen sich der Branche unterdessen im Bereich der Cyberkriminalität. Da laut unternehmenseigenen Studien 89 Prozent der Unternehmen sich nicht ausreichend gegen Hackerangriffe geschützt sehen und ökonomische Schäden hier in den Billionen-Dollar-Bereich reichen, wittert der Vorstand weiterhin große Expansionschancen.
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