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Technik und Wissenschaft

Stanford-Forscher erzeugen mit KI Evo funktionsfähige Viren im Labor

Forscher an der Stanford University haben eine Künstliche Intelligenz namens Evo eingesetzt, um funktionstüchtige Viren im Labor zu erzeugen. Das am 06.09.2026, 10:08 Uhr (beziehungsweise 09.06.2026) bekannt gewordene Experiment zeigt, wie generative KI Erbgut analysiert und neue biologische Baupläne entwirft. Dies birgt sowohl erhebliche Risiken für die Biosecurity als auch neue medizinische Chancen gegen resistente Keime.

Eine Künstliche Intelligenz soll lebensfähige Viren entworfen haben – ein Szenario, das man bisher eher aus dystopischen Science-Fiction-Filmen kannte. Doch der Vorgang ist real, wie berichten zufolge eine Forschergruppe um Samuel King an der Stanford University im Fachmagazin Science dargelegt hat. Die beteiligten Stanford-Forscher Brian Hie und Aditi Merchant untersuchten dabei Proteinstrukturen, die von Evo 2 generiert wurden, einem KI-Tool, das Entwürfe für Genomsequenzen vorschlagen kann.

Wie die KI Evo digitale DNA in die Realität übersetzt

Im Zentrum der Entwicklung steht das KI-Modell namens Evo. Die KI Evo analysiert das Erbgut eines einfachen Virus gründlicher als Fachleute beziehungsweise Experten – so gut, dass sie daraus DNA-Baupläne für komplett neue, funktionsfähige Viren konstruieren kann. Das Prinzip ähnelt Sprachmodellen wie ChatGPT oder Claude. Biologische Informationen wie die Erbinformation DNA oder Proteine ähneln Texten darin, dass sie aus einer Abfolge von Buchstaben bestehen: bei der DNA vier Basen, bei Proteinen 20 Aminosäuren. Genau wie ein literarischer Text vielschichtig sein kann und unzählige Interpretationen zulässt, sind diese biologischen Texte komplex und für Forscher schwer zu durchdringen. Evo erzeugte Tausende Varianten des Genoms des natürlichen Virus, die zunächst nur virtuell im Computer existierten.

Medienberichterstattung, zusammengefasst im Bericht der Outlet-Quellen

Aus ausgewählten Bauplan-Varianten stellten die Forscher im Labor reale Viren her, indem sie chemische DNA-Bausteine zu einem Genom zusammensetzten. Das Ergebnis: 16 dieser künstlichen Organismen waren lebensfähig, wie über diesen beachtlichen wissenschaftlichen Erfolg die Forscher im Fachmagazin Science schreiben.

Parallelen zu Alphafold und die Evolution des Proteindesigns

Bei Proteinen bestimmt die Reihenfolge (im Fachjargon Sequenz) der Aminosäuren, in welche dreidimensionale Form sich das Biomolekül faltet, und diese Form entscheidet über seine Funktion. Ein Beispiel ist das Enzym Amylase, das im Speichel Stärke spaltet und eine passgenau für das Stärkenmolekül geformte Tasche besitzt. Jahrelang galt die Vorhersage der 3D-Form als extrem schwierig, bis 2018 die KI Alphafold von Googles Londoner Tochtergesellschaft Deepmind kam: Sie erkennt komplexe Muster in Aminosäuresequenzen, mit denen sie deren Faltung vorhersagt – eine Leistung, für die es 2024 den Nobelpreis für Chemie gab. Dies eröffnet nicht nur neue biologische Einsichten, sondern erlaubt auch, Proteine gezielt für neue Medikamente zu designen. Ähnlich verhält es sich mit der DNA: Die Sequenz der genetischen Buchstaben hängt eng mit der Funktion eines Gens zusammen – oft auf sehr komplexe Weise, so dass in einem DNA-Abschnitt mehrere Gene übereinanderliegen können.

Zwischen Pandemie-Risiko und dem Kampf gegen Krankenhauskeime

Die Möglichkeit, mittels Künstlicher Intelligenz funktionstüchtige Mikroorganismen zu generieren, wirft fundamentale Fragen auf. Das, was jetzt passiert ist, könnte irgendwann dazu führen, dass ein Laptop genügt, um den Bauplan für einen neuen Mikroorganismus mit gewünschten Funktionen zu kreieren, den es in der Natur bisher noch nicht gibt. Gut organisierte Terroristen könnten damit womöglich eine Pandemie auslösen.

Auf der anderen Seite könnte es aber auch zum Kinderspiel werden, sehr nützliche Viren gegen resistente Krankenhauskeime zu entwickeln. Da die biologische Wissenschaft immer weiter voranschreitet, ist es wahrscheinlich, dass dieser Laptop-Moment irgendwann kommt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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