Rumänische Ermittler haben Andrew Tate und seinen Bruder Tristan im September 2026 erneut wegen schweren Menschenhandels, Ausbeutung von Minderjährigen und Geldwäsche angeklagt. Die neue Anklage folgt auf die Aufhebung des ersten Verfahrens im Jahr 2024 und betrifft Vorwürfe im Zusammenhang mit mehreren Frauen und zwei 15-jährigen Mädchen.
Die rumänische Staatsanwaltschaft für die Verfolgung von organisiertem Verbrechen und Terrorismuskriminalität (DIICOT) hat in Bukarest eine umfassende neue Anklageschrift vorgelegt. Die britisch-amerikanischen Brüder, die als umstrittene Internetpersönlichkeiten weltweit Bekanntheit erlangt haben, sehen sich damit einem erneuten Anlauf der Justiz ausgesetzt, nachdem ein früheres Verfahren im Jahr 2024 vom Gericht wegen verfahrensrechtlicher Mängel an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen worden war.
Die neuen Vorwürfe und mutmasslichen Taten in Rumänien und England
Im Mittelpunkt der aktuellen Ermittlungen stehen Vorwürfe des Menschenhandels, der sexuellen Ausbeutung Minderjähriger sowie der Geldwäsche. Laut der Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten Frauen systematisch dazu gezwungen haben, an Sex-Videos und kostenpflichtigen Videochats mitzuwirken. Die Ermittler werfen den Brüdern vor, bei diesen Handlungen auch zwei damals 15-jährige Mädchen ins Visier genommen und diese durch emotionale Erpressung sowie physische Gewalt zur Mitarbeit gedrängt zu haben.

Einer der zentralen Vorwürfe geht auf das Jahr 2012 zurück. Damals sollen die Brüder in Luton, einer Stadt in England, ein 15-jähriges Mädchen rekrutiert haben. Nach Erkenntnissen der Anhörungsbehörden wurde die Jugendliche wiederholt nach Rumänien transportiert, wo ihre Aktivitäten im Bereich der Webcambusiness-Branche Umsätze von mehr als 1,2 Millionen US-Dollar generierten. Tristan Tate wird dabei beschuldigt, zwischen 2014 und 2021 die wahre Identität und die Absichten seines Bruders verschleiert zu haben, um die Ausbeutung zu erleichtern.
Zusätzlich wird Andrew Tate beschuldigt, zwischen Dezember 2020 und Mitte 2021 wiederholt sexuelle Handlungen mit einer weiteren 15-jährigen Minderjährigen vorgenommen zu haben. Die Ermittler führen zudem an, dass die Beschuldigten versucht haben sollen, Zeugen durch Druck und Zahlungen dazu zu bewegen, entweder gar keine oder falsche Aussagen zu machen.
Finanzielle Forderungen und der Vorwurf der Geldwäsche
Neben den Vorwürfen im Zusammenhang mit den mutmasslichen Opfern konzentrieren sich die rumänischen Behörden auf die finanzielle Dimension des mutmasslichen Netzwerks. Zwischen Dezember 2023 und Juli 2024 sollen die Brüder versucht haben, die illegalen Einnahmen aus dem Menschenhandel durch den Erwerb von vier Luxusfahrzeugen zu verschleiern. Die Autos im Wert von rund 825,000 Euro beziehungsweise 957,000 US-Dollar stehen im Fokus der Ermittlungen. Die Anklagebehörde beantragte die offizielle Beschlagnahmung dieser Fahrzeuge sowie der erwirtschafteten Geldsummen.

Diese neuen Massnahmen ergänzen frühere Bestandsaufnahmen der Justiz. Während früherer Phasen der Untersuchung hatten die Ermittler angegeben, bis zu 34 Frauen als potenzielle Opfer identifiziert zu haben, wobei damals kriminelle Erträge von insgesamt mindestens 2,8 Millionen Dollar im Raum standen.
Hintergrund der Verfahren und Reaktionen der Verteidigung
Die Tate-Brüder wurden ursprünglich am 30. Dezember 2022 im Rahmen einer grösseren Razzia nahe Bukarest festgenommen. Nach monatelanger Untersuchungshaft und Phasen unter Hausarrest kamen sie vorübergehend unter Auflagen frei, die ihnen unter anderem untersagten, das Land zu verlassen. Nachdem ein rumänisches Gericht die erste Anklageschrift im Jahr 2024 wegen formaler Fehler zurückgewiesen hatte, hoben die zuständigen Richter im April 2026 alle verbliebenen gerichtlichen Kontrollmassnahmen vorübergehend auf, ehe nun die neue Anklageschrift eingereicht wurde.
Die Beschuldigten haben sämtliche Vorwürfe von Beginn an entschieden zurückgewiesen. Sie betonen stets, dass ihre Online-Präsenz und die dort verbreiteten Inhalte nicht ihr echtes Verhalten widerspiegeln, und sprechen von politisch motivierten Kampagnen gegen ihre Person.

Eugen Constantin Vidineac, Rechtsanwalt der Tate-Brüder, erklärte via BBC, die heutige Entscheidung von DIICOT bedeute keine Feststellung von Schuld, und es dürfe auch nicht so dargestellt werden. Sie stelle den jüngsten Versuch der Staatsanwaltschaft dar, diesen Fall vor Gericht zu bringen, nachdem es der früheren Anklageschrift nicht gelungen sei, in das Hauptverfahren überzugehen.
Der Verteidiger der Brüder betonte ferner, dass die Verteidigung jede einzelne Passage der neuen Anklageschrift intensiv prüfen werde. Man wolle sämtliche verfahrensrechtlichen, beweisrechtlichen und rechtlichen Mängel im Rahmen des ordentlichen gerichtlichen Prozesses anfechten.
Derzeit befinden sich die Brüder in den Vereinigten Staaten in Haft, wo über einen Auslieferungsantrag der britischen Behörden entschieden werden soll. In Grossbritannien sind sie ebenfalls wegen mutmasslicher Sexualdelikte angeklagt. Ihre Anwälte hatten in US-amerikanischen Gerichten argumentiert, dass eine Auslieferung nach Grossbritannien das laufende Verfahren in Rumänien beeinträchtigen würde, da die rumänischen Justizbehörden ihren Fall zuerst verhandeln.
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