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Technik und Wissenschaft

BepiColombo kurz vor Ankunft am Merkur nach achtjähriger Reise

Nach einer achtjährigen Reise durch das innere Sonnensystem steht die ESA- und JAXA-Mission BepiColombo kurz vor ihrer Ankunft am Merkur. Am 3. September 2026 trennte sich die Raumsonde von ihrem nicht mehr benötigten Antriebsmodul, um in den kommenden Monaten in eine polare Umlaufbahn um den sonnennächsten Planeten einzuscheren.

Die gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA hat einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Nach jahrelanger Anreise durch das innere Sonnensystem trennte sich das Mercury Transfer Module von den beiden verbleibenden wissenschaftlichen Orbitern. BepiColombo ist ungewöhnlich aufgebaut und besteht aus einem Verbund von drei Raumfahrzeugen: dem Mercury Transfer Module und dem European Space Agency-gefertigten Mercury Planetary Orbiter sowie dem Mercury Magnetospheric Orbiter aus Japan, der den Spitznamen Mio trägt. Das zuvor als «kritischer Meilenstein» und «Hochrisiko-Operation» bezeichnete Manöver ist nach Milliarden zurückgelegter Kilometer abgeschlossen. Die beiden Orbiter an Bord sind jetzt auf dem Weg zu ihren geplanten Umlaufbahnen.

Die Entkopplung des Antriebsmoduls und die Bewältigung extremer Raumfahrtbedingungen

Die erfolgreiche Abtrennung des Antriebsmoduls markiert das Ende einer langen Transportphase. Während die verbliebenen Orbiter nun im freien Fall Kurs auf den kleinsten Planeten nehmen, musste das Antriebsmodul abgetrennt werden, da es nicht mehr benötigt wurde. Raumfahrtbeauftragte und Ingenieure an ESA’s ESOC-Kontrollzentrum in Darmstadt erklärten, dass sie für alle erdenklichen Zwischenfälle bereitstehen, während die zuvor geschützten Instrumente plötzlich einer extrem harten Umgebung ausgesetzt sind.

Die Umweltbedingungen am Zielort stellen die Ingenieure vor extreme Herausforderungen. Santa Martinez, ESA-Missionsmanagerin, beschrieb die Situation mit folgenden Worten: „Mercury is a challenging destination. It’s very difficult to reach, it’s very difficult to operate there. The main two aspects are really the extreme temperatures that go from -180 to 450°C, and also the solar radiation, which can be up to ten times what we have on Earth.“ ESA-Flugdirektor Ignacio Tanco beschrieb die Arbeit im Kontrollzentrum gegenüber Euronews mit dem Vergleich, er fühle sich wie „operating with a very hot pizza oven running right on your back“.””

Der genaue Ablauf der Ankunft und die Arbeitsteilung im Orbit

Die Ankunft am Merkur vollzieht sich in mehreren streng getakteten Schritten. Nach Angaben der Missionsplanung von der ESA übernimmt der Mercury Planetary Orbiter nun die Steuerung über eigene Triebwerke, während die beiden Sonden noch fest miteinander verbunden bleiben.

BepiColombo kurz vor Ankunft am Merkur nach achtjähriger Reise
Photo: esa.int
  • 3. September 2026: Während sich das Raumschiff noch im Anflug auf Merkur befindet, trennt sich das MTM vom Rest. Die Steuerung wird von den Triebwerken des MPO übernommen.
  • 21. November 2026: MPO und Mio werden, während sie noch aufeinander gestapelt sind, in eine polare Umlaufbahn um den Planeten eingefangen.
  • 9.–10. Dezember 2026: MPO setzt Mio in ihrer finalen elliptischen polaren Umlaufbahn aus.
  • 16. Dezember 2026: MPO setzt Mios Sonnenschild (MOSIF) frei und sinkt mithilfe seiner Triebwerke in seine eigene Umlaufbahn ab.
  • 10. März 2027: MPO erreicht seine finale Umlaufbahn.
  • 6. April 2027: Beginn der wissenschaftlichen Phase.

Wissenschaftliche Ziele und die Bewältigung des Merkur-Magnetfelds

Sobald die Instrumente nach dem Wegfall des Antriebsmoduls freigelegt sind und das erste Licht sehen, können die wissenschaftlichen Untersuchungen beginnen. Die Mission teilt sich in zwei spezialisierte Aufgabenbereiche auf. Der europäische Mercury Planetary Orbiter und der japanische Mercury Magnetospheric Orbiter verfügen jeweils über eigene Instrumente für wissenschaftliche Beobachtungen an Merkur, während das Transfermodul als „dead masszurückbleibt. Mit der rund 1,7 Milliarden Euro teuren gemeinsamen Mission der ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA will man mehr über den kleinsten Planeten erfahren, den am wenigsten erforschten Planeten im inneren Sonnensystem.

BepiColombo kurz vor Ankunft am Merkur nach achtjähriger Reise
Photo: srf.ch

Der kleinste Planet des inneren Sonnensystems gilt wegen der enormen Sonnengravitation und der wilden Strahlung als extrem schwer zu beobachten. Bis heute hat mit NASA’s MESSENGER erst eine einzige Raumsonde den Planeten umkreist. BepiColombo startete im Oktober 2018 auf einer Mission zur Erforschung von Merkurs Oberfläche, dem Inneren sowie dem Magnetfeld des Planeten. Auf ihrem langjährigen Weg absolvierte die Sonde zahlreiche Manöver, und die Twin-Proben wurden im Rahmen einer komplexen Route geführt, um nach einem früheren Leistungsdefizit und einer veränderten Trajektorie ihr Ziel zu erreichen.

BepiColombos Mission zum Merkur | Hier ist die Sache
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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