Das NASA-Weltraumteleskop Hubble hat eine neuartige, zehnseitige atmosphärische Wellenstruktur entdeckt, die den Südpol des Gasriesen Saturn ringförmig umschließt. Nach Angaben der European Space Agency markiert dieser Fund das erste Mal, dass ein großräumiges, regelmäßiges Jet-Muster in der südlichen Hemisphäre des Planeten beobachtet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.
Entdeckung einer zehnseitigen Struktur am Saturn-Südpol
Die Struktur weist einen sogenannten Decagon-Charakter auf und erstreckt sich nach Messungen über mehrere Schichten der Saturnatmosphäre. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine flüchtige Wolkenform, sondern um eine tiefgreifende atmosphärische Formation, die in einem der kraftvollen Jetstreams des Planeten liegt. Durch unterschiedliche Wellenlängen, die bei den Aufnahmen genutzt wurden, verschiebt sich die scheinbare Position des Decagons leicht, da verschiedene Höhenbereiche der Atmosphäre durchleuchtet werden.
Rolle des OPAL-Programms und frühere Beobachtungen
Die Entdeckung basiert unter anderem auf Daten des OPAL-Programms (Outer Planet Atmospheres Legacy), welches die äußeren Planeten des Sonnensystems seit mehr als zehn Jahren jährlich fotografiert. Durch die Zusammenstellung von Beobachtungen, die bis in das Jahr 2023 zurückreichen, konnten Forschende die zeitliche Entwicklung nachzeichnen. In älteren Aufnahmen zeigten sich zunächst nur subtile Hinweise auf das Muster, bevor dieses deutlicher hervortrat.
Führender Autor der neuen Auswertung ist Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes in Spanien. Laut seinen Angaben wurde bereits seit 1990 nach einem südlichen Gegenstück zum berühmten Sechseck am Nordpol gesucht, da das Nord-Süd-Jetstream-System des Saturn eine gewisse Symmetrie aufweist. Weder die Aufzeichnungen der Raumsonde Cassini, die den Planeten von 2004 bis 2017 umkreiste, noch frühere Daten zeigten eine solche langlebige Formation.
Zusammenarbeit von Amateurastronomen und Weltraumforschung
Der Weg zur Entdeckung begann auch durch die Auswertung von Bildern, die von weltweiten Beobachtern beigesteuert wurden. Auf einer Website des Planetary Virtual Observatory Laboratory bemerkten Agustín Sánchez-Lavega sowie die Amateurastronomen Trevor Barry und Jean-Paul Oger im Jahr 2024 eine unruhig undulierende Zone im südlichen Polbereich. Zusätzliche Bodenaufnahmen im Jahr 2025 erhärteten den Verdacht, woraufhin Hubble-Beobachtungen zur Klärung eingesetzt wurden.
Da bodengebundene Teleskope durch die turbulente Erdatmosphäre oft Unscharfen aufweisen, lieferte Hubble die nötige raumgestützte Auflösung über volle Rotationen des Planeten hinweg. Möglich wurde die Erfassung zudem durch die saisonale Geometrie des Saturn: Die sich verändernden Jahreszeiten brachten den Südpol allmählich wieder in den Blickwinkel von der Erde aus.
Einordnung im Vergleich zum Nordhexagon
Im Gegensatz zum bekannten Sechseck am Nordpol, das seit mehr als 40 Jahren bei jeder Beobachtung nachgewiesen werden konnte und eine bemerkenswerte Beständigkeit aufweist, scheint sich das Decagon im Süden womöglich erst kürzlich gebildet zu haben. Wissenschaftler wie Amy Simon, Co-Autorin der Studie und OPAL-Principal-Investigator am NASA Goddard Space Flight Center, betonen den seltenen Charakter dieses Prozesses: We’ve never seen anything quite like this in Saturn’s southern hemisphere,
erklärte Amy Simon laut der offiziellen Meldung.

Das Forschungsteam plant, die Beobachtungen des Saturn fortzuführen. Geklärt werden soll dabei insbesondere, ob sich die zehnseitige Struktur zu einer langlebigen, stabilen Konfiguration ähnlich dem nördlichen Sechseck entwickelt oder ob sie sich weiter verändern wird.
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