Zum Inhalt springen
Welt

USA sichern sich im Ölabkommen Kontrolle über venezolanische Ölfelder

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump ein weitreichendes Ölabkommen mit Venezuela vereinbart. Auf der Online-Plattform Truth Social verkündete der US-Präsident am Samstag eine entsprechende Vereinbarung und sprach dabei von the biggest oil deal in world history, wie die Nachrichtenplattform 1 News berichtete. Verhandelt wurde das Abkommen demnach von US-Aussenminister Marco Rubio, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez.

Historisches Abkommen: USA sichern sich Öl-Zugriff in Venezuela

Die Ankündigung folgt auf eine militärische Operation vor rund neun Monaten, bei der der frühere venezolanische Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die USA gebracht wurde. Dort ist er seither wegen federaler Anklagen im Bereich des Narcoterrorismus und des Drogenhandels in Haft. Maduro hat sich nicht schuldig bekanft. Seine vormalige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übernahm daraufhin die Amtsgeschäfte als Übergangspräsidentin.

Eckdaten und Investitionsvolumen des Abkommens

Gemäss den Angaben der venezolanischen Regierung umfasst die Vereinbarung die Entwicklung von 17 strategischen Ölfeldern mit einem nachgewiesenen Potenzial von 65 Milliarden Barrel Öl. Wie die Financial Express berichtete, sprach die Regierung in Caracas in einer Erklärung von Investitionen in Höhe von mehr als 100 Milliarden US-Dollar sowie Steuereinnahmen von über 209 Milliarden US-Dollar für den Staat.

US-Aussenminister Marco Rubio erklärte via X, dass das Abkommen schätzungsweise 100 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen nach Venezuela leiten und zu sinkenden Benzinpreisen in den Vereinigten Staaten beitragen werde. Die genauen Details zu den beteiligten Partnern aus der Privatwirtschaft wurden von offizieller Seite zunächst jedoch nicht detailliert offengelegt.

Wirtschaftlicher Kontext und globale Energiemärkte

Das Abkommen fällt in eine Zeit stark gestiegener Energiepreise. Der Durchschnittspreis für Benzin in den USA lag laut Angaben von AAA bei etwa 4,09 US-Dollar pro Gallone, verglichen mit 3,21 US-Dollar im Vorjahr. Der Druck auf die Energiepreise wird durch den seit sechs Monaten andauernden Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Strasse von Hormus verstärkt, über die vor dem Konflikt rund 20 Prozent der weltweiten Erdöltransporte abgewickelt wurden.

President Donald Trump waves after arriving off Air Force One
Photo: 1news.co.nz

Experten äusserten sich jedoch zurückhaltend bezüglich der kurzfristigen Auswirkungen. Rachel Ziemba vom Thinktank The Center for New American Security erklärte gegenüber BBC News, dass das Abkommen in den kommenden Monaten kaum nennenswerte Auswirkungen auf das weltweite Ölangebot haben werde. Auch der auf Öl, Gas und Mineralien spezialisierte Anwalt Alexander Kuiper betonte, dass der Aufbau von Verträgen und die Wiederherstellung der Infrastruktur viel Zeit in Anspruch nehmen werden.

Herausforderungen für die venezolanische Ölindustrie

Venezuela verfügt über geschätzte 303 Milliarden Barrel Rohöl im Boden, was etwa 17 Prozent der weltweiten Reserven entspricht. Aufgrund jahrzehntelanger Misswirtschaft, staatlicher Kontrollen und US-Sanktionen ist die Infrastruktur des Landes jedoch stark beschädigt, weshalb Venezuela derzeit nur einen Bruchteil der globalen Ölproduktion ausmacht. Zudem besteht ein Grossteil der venezolanischen Reserven aus schwerem, zähem Öl, das im Vergleich zu leichteren Sorten schwieriger zu verarbeiten ist.

President Donald Trump in the Oval Office on 27 August 2026
Photo: bbc.co.uk

Während die US-Regierung das Abkommen als Schritt zur Stabilisierung und zur Bekämpfung hoher Kraftstoffpreise wertet, bleibt abzuwarten, wie rasch ausländische Energiekonzerne bereit sind, trotz früherer negativer Erfahrungen in den verfallenen Sektor zurückzukehren.

Trump’s ‘Biggest Oil Deal’ Gives US Control Of 65 Billion Barrels Amid Venezuela Transition |4K
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.