Verheerende Sturzfluten und Schlammlawinen haben am Mittwoch eine Grenzregion zwischen Nepal und Tibet getroffen, nachdem es zu einem massiven Gletscherabbruch gekommen war. Laut Medienberichten und Angaben von NPR bestätigten Rettungsbehörden in Nepal mindestens 165 Tote, während in Tibet nach Angaben chinesischer Staatsmedien drei Menschen ums Leben kamen. Das Guardian berichtete unter Berufung auf Behördenangaben, dass insgesamt mehr als 1.000 Menschen vermisst werden, da die Wassermassen Dörfer und Infrastruktur schwer beschädigten oder ganz zerstörten.
Verheerende Sturzfluten und Schlammlawinen an der Grenze
Nach Angaben des Katastrophenschutzes und von Klimaforschern löste ein Eis-Fels-Lawinensturz von einem Gletscher den verheerenden Strom im Flussgebiet des Lhende Khola aus. Die Wassermassen blockierten zeitweise den Fluss und erzeugten eine plötzliche Flutwelle stromabwärts. Experten erklärten, dass sich ein vergleichbares Hochwasser an dem Flusssystem bereits zum zweiten Mal innerhalb von 14 Monaten ereignet hat. Das Euronews berichtete unter Berufung auf hydrologische Beobachtungen, dass der Wasserstand des Flusses Trishuli an einer Stelle innerhalb einer halben Stunde um bis zu neun Meter anstieg.
Ursprünglich hatten Berichte vermuten lassen, dass ein Erdbeben die Katastrophe ausgelöst haben könnte. Der US-geologische Dienst (USGS) hatte zunächst eine seismische Erschüttung gemessen, korrigierte die Einschätzung jedoch später. Wie unter anderem Reuters und weitere Medien berichteten, handelte es sich bei dem vermeintlichen Erdbeben um eine seismische Erschütterung, die durch den Sturz von Gletschereis und Gestein sowie den nachfolgenden Trümmerfluss erzeugt wurde.
Ausmaß der Vermissten und betroffene Touristen
Unter den Vermissten befinden sich zahlreiche ausländische Staatsangehörige, die als Trekker oder Pilger in der Region unterwegs waren. Viele Opfer und Vermisste besuchten eine hochgelegene Kultstätte in Tibet, die von Hindus und Buddhisten verehrt wird. Die nationalen Behörden und betroffenen Regierungen veröffentlichten Listen und Schätzungen zu den betroffenen Bürgern:

- Indien: Zahlreiche indische Staatsbürger auf Pilgerreise werden vermisst; Regierungsangaben sprachen von rund 130 bis 177 Personen.
- Vereinigte Staaten: Mindestens 47 bis 63 US-Bürger wurden nach Angaben von Tourismusbehörden und Berichten vermisst.
- Australien: Außenministerin Penny Wong bestätigte, dass 34 australische Staatsbürger vermisst werden.
- Großbritannien: Es wurden 33 britische Staatsbürger als vermisst gemeldet.
- Kanada: Nach Angaben der nepalesischen Botschaft in Kanada werden 24 Kanadier vermisst.
- Malaysia: Das malaysische Außenministerium teilte mit, dass der Kontakt zu mindestens 11 bis 55 Personen im betroffenen Gebiet abgebrochen ist.
Die Rettungs- und Sucharbeiten gestalteten sich durch zerstörte Straßen, eingestürzte Brücken und beschädigte Infrastruktur extrem schwierig. In Nepal waren durch den Strom zahlreiche Gebäude im Distrikt Nuwakot und am Grenzübergang Rasuwagadhi schwer beschädigt oder von Schlamm begraben worden. Auch die hydroelektrische Infrastruktur wurde in Mitleidenschaft gezogen, weshalb weite Teile der betroffenen Region ohne Stromversorgung blieben.
Internationale Reaktionen und Rettungseinsätze
China entsandte laut Fox News 574 Einsatzkräfte in das betroffene Gebiet des Autonomen Gebiets Tibet, während in Nepal Soldaten und Hubschrauber im Dauereinsatz waren, um Überlebende aus den Schlammmassen zu evakuieren. Dutzende verletzte Personen wurden in Krankenhäuser in der Hauptstadt Kathmandu eingeliefert, darunter in ein Traumazentrum des Bir-Hospitals.

Internationale Organisationen und Regierungen boten Unterstützung an. Die Europäische Union aktivierte den Erdbeobachtungsdienst Copernicus zur Unterstützung der Lagekartierung vor Ort. Lokale Behörden warnten unterdessen vor möglichen Folgeüberschwemmungen, da die Barrieren und Trümmeransammlungen im Flussbett des Lhende Khola weiterhin Risiken bergen und das instabile System des Himalaya-Gletschers gefährlich bleibt.
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