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Welt

A66-Crash in Middlesbrough: Geisterfahrer tötet fünf Jugendliche und zwei Polizisten

Ein Frontalzusammenstoß auf der A66 im britischen Middlesbrough hat sieben Menschen das Leben gekostet. Darunter sind fünf Jugendliche in einem VW Passat, der als Geisterfahrer unterwegs war, sowie zwei Polizisten in einem Streifenwagen. Die Polizei prüft nun mögliche Verbindungen zu riskanten Online-Videos von Verfolgungsjagden.

Frontalzusammenstoß auf der A66 fordert sieben Menschenleben

Bei einem schweren Frontalcrash auf der A66 im Nordosten Englands sind in den frühen Morgenstunden des Samstags sieben Personen ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich kurz nach 3.39 Uhr, als ein VW Passat aus zunächst ungeklärten Gründen als Geisterfahrer auf die Schnellstraße geriet und dort mit einem entgegenkommenden, markierten Streifenwagen der bewaffneten Polizei kollidierte (Cleveland Police bestätigt den Unfallzeitpunkt). Die Beamten fuhren dabei auf der korrekten Seite der A66.

Die Wucht des Aufpralls war tödlich, und niemand überlebte. Alle Insassen und die Polizisten wurden noch an der Unfallstelle für tot erklärt. In dem Streifenwagen befanden sich die beiden uniformierten Polizeibeamten Tom Clough (38) und Matthew Blades (37), die als Armed Response Officers im Dienst waren. Im VW Passat starben fünf junge Männer: Michael Robert Cahill (23), Theo Rae (17), Cole Robert Worthy (17), Jakub Matusiak (23) und Makai Saddington (18). Es ist zudem bekannt, dass Saddington und seine Begleiter enge Verbindungen zur Traveller-Community hatten.

Polizeiverfolgung kurz vor der Tragödie abgebrochen

Der dramatischen Kollision ging eine kurze Verfolgungsjagd voraus. Wie aus Ermittlungskreisen und Videomaterial hervorgeht, hatte die Polizei den VW Passat wegen falscher Kennzeichen und gefährlicher Fahrmanöver bemerkt. Ring-Doorbell-Aufnahmen aus der Lime Road, etwa eine Meile vom Unfallort entfernt, dokumentieren, wie das verdächtige Fahrzeug kurz vor dem Unglück mit hoher Geschwindigkeit durch die Straßen schoss, gefolgt von Polizeifahrzeugen. Anwohner wie der 47-jährige Neil Hutchison berichteten, man habe an dem lauten Lärm sofort gemerkt, dass die Fahrzeuge mit extrem hoher Geschwindigkeit unterwegs waren.

Als der Passat jedoch auf die falsche Auffahrt lenkte und in die falsche Richtung auf die A66 fuhr, brachen die Beamten die Verfolgung ab. Die beiden später getöteten Polizisten befanden sich nach Angaben der Behörden nicht in diesem verfolgenden Fahrzeug, sondern waren mit ihrem markierten Streifenwagen auf der korrekten Richtungsfahrbahn unterwegs, als sie von dem Passat frontal getroffen wurden.

Ermittler prüfen Rolle von TikTok-Videos und Joyriding

Nach dem Unglück richteten sich die Ermittlungen auch auf soziale Netzwerke. Behörden prüfen derzeit, ob Joyriding-Videos auf TikTok die jungen Männer zu den riskanten Fahrmanövern animiert haben könnten. Auf Accounts, die mit dem getöteten Makai Saddington in Verbindung gebracht werden, fanden sich mehrere Videoclips. Diese zeigen offenbar Szenen, in denen maskierte Fahrer mit hoher Geschwindigkeit und riskanten Manövern unterwegs sind. Ein Clip aus dem Monat Mai, gefilmt von einem Beifahrer und unterlegt mit Rap-Musik, zeigt den 18-jährigen Saddington in einem Audi, der mit hoher Geschwindigkeit durch eine Wohnsiedlung gesteuert wird, während ein Polizeiwagen mit blauem Blinklicht die Verfolgung aufnimmt und das Fahrzeug in einem scheinbaren Fluchtversuch über ein grasbewachsenes Spielfeld fährt. Eine andere Videoaufnahme zeigt einen grünen Nissan, der herumgefahren und schließlich in Brand gesetzt wird, während separate Bilder Saddington und einen Freund in Autos mit schwarzen Sturmhauben (Balaclavas) posierend zeigen. Die Medienberichte und Beobachter weisen darauf hin, dass solche Aufnahmen Teil eines breiteren Trends von jungen Männern sind, die riskante Fluchtfahrten vor der Polizei filmen und im Internet in Verfolgung von Aufrufen und Likes veröffentlichen.

Two officers killed in a crash after a police chase near Middlesbrough have been named.

Der Unfall reiht sich zeitlich in eine Phase schwerer Vorfälle ein und kommt nur Tage nach einem weiteren Vorfall, bei dem fünf Jugendliche bei einem Frontalzusammenstoß auf einer Autobahn in Irland ums Leben kamen. In diesem Fall waren maskierte Jugendliche in einem gestohlenen BMW unterwegs, der um 2 Uhr morgens auf der M9 in County Kildare falsch herum fuhr, nachdem die Polizei versucht hatte, das Fahrzeug zu stoppen, und der Wagen vor einer Stinger-Vorrichtung geflüchtet war. Die Insassen des entgegenkommenden Fahrzeugs – drei Schwestern und ein siebenjähriger Junge – erlitten schwere Verletzungen und liegen weiterhin im Krankenhaus.

Trauer und Bestürzung bei Angehörigen und Behörden

Die Familien der Opfer und die Cleveland Police gaben tiefberührende Statements ab. Die Flaggen am Hauptquartier der Polizei in Middlesbrough wurden zu Ehren der verstorbenen Kollegen auf Halbmast gesetzt. Chief Constable Victoria Fuller zeigte sich bei Besuchen der Hinterbliebenen gemeinsam mit ihrem Stellvertreter David Felton tief betroffen von dem unvorstellbaren Verlust. Sie würdigte die Verstorbenen als tapfere Polizisten, die ihre Gemeinschaften beschützten und am Ende ihrer Schicht nicht zu ihren Familien zurückkehrten.

A66-Crash in Middlesbrough: Geisterfahrer tötet fünf Jugendliche und zwei Polizisten
Photo: 20min

Lauren Somerville, Vorsitzende der Cleveland Police Federation, erklärte, Worte könnten den Schmerz der Cleveland-Police-Familie nicht beschreiben. Die Angehörigen von Tom Clough beschrieben ihn als «unseren Helden» mit einem großartigen Sinn für Humor, der stets half, wenn er gebraucht wurde, und sein Leben lang dem öffentlichen Dienst verpflichtet war. Seine Familie und seine Partnerin dankten für die überwältigende Anteilnahme von Freunden, Kollegen und der Bevölkerung.

Police officers among seven dead in crash near Middlesbrough in UK | BBC News

Matthew Blades hinterlässt eine Ehefrau und zwei kleine Söhne. Seine Ehefrau schrieb in einem bewegenden Abschied, es gebe keine Worte, die ihrem geliebten Mann, besten Freund und hingebungsvollen Vater gerecht würden. Er sei im Dienst «mit Mut, Hingabe und Selbstlosigkeit» gestorben, und seine Söhne würden aufwachsen und wissen, was für ein außergewöhnlicher Vater er war: «Forever loved. Forever missed. Forever our superhero. Our Matt and Dad.» Auch für den 18-jährigen Makai Saddington, der Vater eines einjährigen Sohnes gewesen sein soll, äußerten Hinterbliebene ihre Trauer in den sozialen Medien; die Mutter seines Sohnes schrieb online, wie schwer es ohne seine Anrufe sei.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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