Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat eine Formulierung ihres Korrespondenten bedauert, nachdem dieser dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine Frage zum Töten russischer Soldaten gestellt hatte. Die Pressestelle der Zeitung erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die Frage missverständlich formuliert gewesen sei und es nicht der redaktionellen Linie der FAZ entspreche, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.
Der Vorfall in Belgrad
Der Vorfall ereignete sich am Samstag während einer Pressekonferenz in Belgrad, die im Rahmen des ersten Besuchs Selenskyjs in Serbien stattfand. Der FAZ-Korrespondent Michael Martens fragte den ukrainischen Präsidenten wörtlich: Können Sie uns Europäern sagen: Was können wir konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen, mehr russische Soldaten zu töten?
In seiner Antwort forderte Selenskyj primär eine verstärkte finanzielle Unterstützung für die ukrainische Rüstungsindustrie, da die Ukraine Waffen für ihre Verteidigung und ihren Kampf kostengünstiger produzieren könne als andere Länder. Zusätzliche Mittel seien notwendig, um die Produktion der heimischen Industrie zu verdoppeln. Zudem sprach sich der Präsident für weitere Sanktionen gegen Russland aus, da die bisherigen 21 Pakete nicht ausreichten. Er betonte insbesondere die Wichtigkeit von Einschränkungen gegen die Lieferung ausländischer Bauteile für russische Waffen sowie gegen die russische Energiewirtschaft.
Begründung und historische Anspielung
Die FAZ gab an, dass sich die Frage auf aktuelle Diskussionen unter Verteidigungsexperten bezogen habe. Dabei gehe es darum, wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könne, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Michael Martens selbst schrieb zudem auf seinem X-Account, dass es sich bei der Frage um eine Anspielung auf ein Zitat von Winston Churchill gehandelt habe. Der ehemalige britische Premierminister habe die Unterstützung jugoslawischer Widerstandsgruppen im Zweiten Weltkrieg einst auf die militärische Frage zugespitzt, wer die meisten Deutschen töte und wie man ihnen helfen könne, noch mehr zu töten.

Reaktionen des russischen Außenministeriums
Das russische Außenministerium reagierte am Sonntagabend mit scharfer Kritik an Martens. Das Ministerium bezeichnete den Journalisten als braunen Propagandisten
und warf ihm vor, Russen zu entmenschlichen sowie Hass gegen Russland zu legitimieren. Die Äußerung wurde zudem als revanchistisch
eingestuft. Das Ministerium kritisierte zudem, dass die Frage im Westen nicht verurteilt worden sei.
Position der FAZ zur Pressefreiheit
Die FAZ wies auf Diffamierungen und Drohungen gegen ihren Korrespondenten im Zusammenhang mit der Pressekonferenz hin und bezeichnete diese als inakzeptabel. Die Zeitung betonte, dass das Recht, Fragen zu stellen, insbesondere auf Pressekonferenzen, zur Pressefreiheit gehöre. Die FAZ kündigte an, auf Bedrohungen ihrer Mitarbeiter mit juristischen Mitteln zu reagieren.

Gleichzeitig unterstrich die Zeitung ihre Position, dass sie für ein möglichst baldiges Ende des russischen Angriffskrieges sowie für das völkerrechtlich garantierte Selbstverteidigungsrecht der Ukraine eintrete.
Kontext des Staatsbesuchs in Serbien
Der Besuch in Belgrad markierte das erste Mal, dass Wolodymyr Selenskyj während seiner Amtszeit Serbien besuchte. Im Gespräch mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic ging es neben einer engeren Zusammenarbeit beider Länder auch um den künftigen Weg Serbiens und der Ukraine in die EU.
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