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Technik und Wissenschaft

Deutscher Bauernverband fordert staatliche Hilfe bei Ernteausfällen

Der Deutsche Bauernverband fordert angesichts extremer Hitzewellen und Dürre verstärkte staatliche Unterstützung für Landwirte, um existenzbedrohende Ernteausfälle abzufedern. In Deutschland, Frankreich und Spanien führen Wassermangel und steigende Kosten zu massiven Liquiditätsengpässen, während die EU-Kommission bereits eine Abwärtskorrektur der Ertragsschätzungen für Winterkulturen meldet.

Die aktuelle Wetterlage setzt die europäische Landwirtschaft unter massiven Druck. Während moderne Traktoren durch Klimaanlagen kühlen, kämpfen die Betriebe auf dem Feld mit anhaltender Trockenheit und Hitzewellen. Die Folge ist eine Kombination aus unterdurchschnittlichen Ernten, niedrigen Marktpreisen und gleichzeitig steigenden Kosten für Dünger, Transport und Futter.

Liquiditätsnot und Ernteausfälle in Deutschland

In Deutschland wird für die diesjährige Getreideernte ein Ergebnis unter dem Durchschnitt erwartet. Besonders betroffen sind die spätreifenden Kulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer rechnet in Süddeutschland mit einer um ein Drittel geringeren Zuckerertrag im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz dieser Einbußen bleiben die Marktpreise niedrig, was die finanzielle Stabilität der Betriebe gefährdet. Die bedeutendste Kultur, der Winterweizen, nimmt mit rund 2,9 Millionen Hektar etwa 48 Prozent der gesamten Getreidefläche in Deutschland ein. Neben dem Weizen spielt auch Gerste eine zentrale Rolle für die heimische Produktion.

Ein kritisches Problem stellt die Futterversorgung für die Tierhaltung dar. In Regionen wie dem Allgäu, dem Mittelgebirge und im Südwesten Deutschlands sind teilweise zwei Schnitte zur Futtergewinnung im Grünland komplett ausgefallen. Um die Rinderhalter zu unterstützen, sollen Futterbörsen als Notlösung dienen.

Katastrophale Verluste in Frankreich und Spanien

Die Krise ist kein nationales, sondern ein europäisches Phänomen. In Frankreich meldete der staatliche Wetterdienst Météo France, dass der Juli der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900 war, mit Temperaturen über 40 Grad und einem Niederschlagsdefizit von 70 Prozent gegenüber dem Normalwert.

Die Auswirkungen auf die Gemüseproduktion sind drastisch. Der Verband Légumes de France warnt vor Ausfällen von bis zu 50 Prozent und Verlusten in Millionenhöhe. Trotz Bewässerungsmaßnahmen vertrockneten Pflanzen direkt auf den Feldern, was zu einer Verknappung in den Supermarktregalen führen könnte. Die französische Landwirtschaftsministerin Annie Genevard hat bereits einen Notfallplan angekündigt.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Spanien, wo insbesondere das Getreide leidet. Die Prognosen der Agrargenossenschaften wurden im Juli deutlich gesenkt: Die Ernte wird nun auf 18,6 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind fast zwei Millionen Tonnen weniger als noch im Mai erwartet und rund 30 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, das bei fast 27 Millionen Tonnen lag.

Zusätzlich gefährdet der Wassermangel die Produktion von Olivenöl, Wein und Obst. Erzeuger warnen bereits vor Preissteigerungen für Olivenöl, sollte die Trockenheit bis in den Herbst anhalten.

EU-Ertragsprognosen und politische Forderungen

Auch auf Ebene der Europäischen Union wird die Lage genau beobachtet. Daten der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) belegen, dass die Ertragsschätzungen für Winterkulturen in der EU um ein bis vier Prozent nach unten korrigiert wurden.

Deutscher Bauernverband fordert staatliche Hilfe bei Ernteausfällen
Photo: handelsblatt.com

Der Deutsche Bauernverband fordert angesichts dieser Entwicklung eine flexiblere Politik und einen konkreten Instrumentenkasten zur Anpassung an den Klimawandel.

  • Innovationen im Bereich der Pflanzenzüchtung.
  • Eine Stärkung des Landschaftswasserhaushalts.
  • Verbessertes Risikomanagement zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen.
  • Die Aufstockung eines EU-Hilfsprogramms für die Düngemittelversorgung durch nationale Mittel.

Die Bundesregierung steht dabei in der Kritik, im Vergleich zu anderen EU-Ländern zu untätig zu bleiben, obwohl viele Maßnahmen im Koalitionsvertrag vereinbart wurden.

Klimaziele und langfristige Risiken

Die aktuellen Extremwetterereignisse sind Teil eines Trends: Europa gilt als der am schnellsten erwärmende Kontinent weltweit. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, seine Emissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, verfehlt diese Vorgaben laut Bauernverband jedoch deutlich.

Deutscher Bauernverband fordert staatliche Hilfe bei Ernteausfällen
Photo: ZEIT

Die langfristigen Folgen könnten über die landwirtschaftliche Produktion hinausgehen. Das Wissenschaftsnetzwerk World Weather Attribution warnt davor, dass historische Ernteverluste in Kombination mit globalen Konflikten die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben könnten.

Dies würde insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen überproportional treffen. Um die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsste die Weltbevölkerung laut den vorliegenden Informationen ab 2050 klimaneutral leben.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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