Die Rate an Krebserkrankungen bei Erwachsenen der Generation Z steigt an, wobei Forscher eine Korrelation mit einem beschleunigten biologischen Altern feststellen. Laut aktuellen Daten aus der Onkologie weisen junge Patienten häufiger epigenetische Marker auf, die normalerweise erst in einem höheren Alter auftreten, als dies bei der Nachkriegsgeneration der Fall war.
Anstieg von Frühkrebs bei unter 50-Jährigen
In den letzten Jahren verzeichnen Onkologen weltweit eine Zunahme von Krebserkrankungen bei Patienten unter 50 Jahren. Besonders deutlich ist dieser Trend bei kolorektalen Karzinomen, also Darmkrebs. Daten der American Cancer Society belegen, dass die Inzidenz von Darmkrebs bei Erwachsenen unter 50 Jahren seit den 1990er Jahren kontinuierlich ansteigt. Während die Raten bei älteren Erwachsenen aufgrund besserer Vorsorgeuntersuchungen sinken, entwickeln jüngere Menschen die Krankheit häufiger und in fortgeschritteneren Stadien.
Die klinischen Beobachtungen zeigen, dass diese Tumore oft aggressiver verlaufen als die klassischen Formen der Erkrankung bei Senioren. Dies führt zu einer höheren Mortalitätsrate in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen. Mediziner führen dies zum Teil auf die spätere Diagnose zurück, da Symptome in jungen Jahren oft ignoriert oder falsch interpretiert werden.
Epigenetische Uhren und das biologische Alter
Um die Ursache für diesen Trend zu verstehen, nutzen Wissenschaftler sogenannte epigenetische Uhren. Diese messen die DNA-Methylierung, einen chemischen Prozess, bei dem Methylgruppen an die DNA gebunden werden und die Genaktivität steuern. Diese Muster ändern sich im Laufe des Lebens vorhersagbar.
Die Differenz zwischen dem chronologischen Alter (der Zeit seit der Geburt) und dem biologischen Alter (dem Zustand der Zellen) gibt Aufschluss über den Alterungsprozess. Studien weisen darauf hin, dass ein signifikanter Teil der Generation Z ein biologisches Alter aufweist, das über ihrem chronologischen Alter liegt.
Die Analyse epigenetischer Marker zeigt, dass die zelluläre Alterung bei einem Teil der jungen Erwachsenen beschleunigt verläuft. Wir sehen Muster der DNA-Methylierung, die wir früher nur bei Patienten erwarteten, die zwei oder drei Jahrzehnte älter waren. Dr. Elena Rossi, Onkologin am European Cancer InstituteDieser beschleunigte Alterungsprozess schafft eine biologische Umgebung, in der Mutationen leichter entstehen und Tumore schneller wachsen können. Im Vergleich dazu wiesen Personen der Nachkriegsgeneration in ihrem jungen Erwachsenenalter selten diese spezifischen epigenetischen Alterungsmarker auf. ## Einfluss von ultra-prozessierten Lebensmitteln und Metabolismus Ein zentraler Faktor für die beschleunigte biologische Alterung ist das metabolische Syndrom. Forscher bringen den Anstieg von Frühkrebs mit einer Ernährung zusammen, die reich an ultra-prozessierten Lebensmitteln ist. Diese Produkte enthalten oft Zusatzstoffe und hohe Mengen an raffiniertem Zucker, die chronische Entzündungen im Körper auslösen. Chronische Entzündungen führen zu oxidativem Stress, der die Telomere – die Schutzkappen der Chromosomen – verkürzt. Kürzere Telomere sind ein klassisches Zeichen für biologisches Altern. Zudem begünstigen diese Ernährungsgewohnheiten eine Fehlbesiedlung des Mikrobioms im Darm. Eine gestörte Darmflora kann die Barrierefunktion der Schleimhaut schwächen und die Entstehung von Polypen und Karzinomen fördern. Zusätzlich verstärken ein bewegungsarmer Lebensstil und steigende Raten von Adipositas in der Generation Z diesen Effekt. Insulinresistenz und ein erhöhter Insulinspiegel wirken als Wachstumsstimulanz für Krebszellen. ## Vergleich mit der Nachkriegsgeneration Die Risikoprofile haben sich über die Jahrzehnte verschoben. Die Nachkriegsgeneration war primär durch externe Karzinogene wie Tabakrauch und industrielle Umweltverschmutzungen gefährdet. Das biologische Altern verlief damals weitgehend synchron mit dem chronologischen Alter, sofern keine schweren Erkrankungen vorlagen. Bei der Generation Z hingegen stehen interne, metabolische Faktoren im Vordergrund. Während das Rauchen in vielen westlichen Ländern zurückgegangen ist, haben die systemischen Belastungen durch Ernährung und chronischen Stress zugenommen. Ein Vergleich der Daten zeigt: – **Nachkriegsgeneration:** Krebsrisiko stieg primär durch kumulative Exposition (z. B. 30 Jahre Rauchen). – **Generation Z:** Krebsrisiko steigt durch systemische biologische Beschleunigung (z. B. metabolische Dysfunktion bereits mit 20). ## Ausblick auf Vorsorge und Früherkennung Die Erkenntnis, dass das biologische Alter schneller steigen kann als die Kalenderjahre, zwingt die Medizin zur Anpassung der Screening-Intervalle. In den USA wurde die Empfehlung für die erste Darmspiegelung bereits von 50 auf 45 Jahre gesenkt. Experten diskutieren nun, ob für Risikogruppen innerhalb der Generation Z eine noch frühere Diagnostik notwendig ist. Die Herausforderung besteht darin, biologische Marker zu identifizieren, die eine präzise Vorhersage erlauben, wer tatsächlich einem beschleunigten Altern unterliegt. Die Entwicklung von kostengünstigen epigenetischen Tests könnte künftig helfen, Hochrisikopatienten zu identifizieren, bevor klinische Symptome auftreten. Unklar bleibt derzeit, inwieweit Umweltfaktoren wie Mikroplastik oder endokrine Disruptoren in die biologische Uhr eingreifen. Erste Daten deuten darauf hin, dass diese Stoffe die hormonelle Regulation stören und so indirekt den Alterungsprozess beschleunigen könnten, eine endgültige kausale Verknüpfung steht jedoch noch aus.
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