Zum Inhalt springen
Welt

Krieg in der Ukraine – Vor dem Nato-Gipfel sichert Europa der Ukraine Unterstützung zu

Die führenden europäischen Staaten der sogenannten E5-Gruppe – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen – haben sich am Mittwoch in Berlin abgestimmt, um vor dem NATO-Gipfel in Ankara eine geschlossene Front zu bilden. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte dabei die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine, um Russland ein Signal der Stärke zu senden.

Die E5-Strategie: Berlins Signal an Russland

Die E5-Strategie: Berlins Signal an Russland
Photo: tagesschau.de
Im Berliner Kanzleramt trafen sich die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen, um die europäische Handlungsfähigkeit in einer Phase geopolitischer Unsicherheit zu koordinieren. Laut einem Bericht der Neue Zürcher Zeitung standen dabei drei zentrale Themen im Fokus: die Unterstützung der Ukraine, die Lastenverteilung innerhalb der NATO und die instabile Lage im Nahen Osten. Der Termin diente als diplomatisches Warm-up für den transatlantischen Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Ankara stattfinden wird. Deutschland will dort eine klare Position vertreten, um die Verhandlungsbasis gegenüber Moskau zu stärken. „Die Botschaft an Russland lautet: Die Ukraine bleibt stark“ Bundeskanzler Friedrich Merz Merz hofft, dass Russland aus dieser Geschlossenheit den Schluss zieht, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die E5-Staaten wollen in Ankara demonstrieren, dass die europäische Unterstützung nicht erodiert, selbst wenn die USA ihre Strategie ändern.

Spannungen innerhalb Europas: Die Forderungen der Ostflanke

Spannungen innerhalb Europas: Die Forderungen der Ostflanke
Photo: Neue Zürcher Zeitung
Trotz der öffentlichen Einigkeit gab es hinter den Kulissen Reibungspunkte. Polen und Italien fühlten sich in der Vergangenheit übergangen, da sich Kanzler Merz bei diplomatischen Abstimmungen zur Ukraine zunächst primär mit Frankreich und Großbritannien koordiniert hatte. Diese Exklusivität stieß insbesondere in Warschau auf Widerstand. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk machte deutlich, dass eine europäische Sicherheitsstrategie ohne die Einbeziehung der osteuropäischen Staaten kaum tragfähig sei. „Wir werden alles tun, damit die Länder, die direkt bedroht sind von der aggressiven Politik Russlands, also die Länder der Ostflanke, hier auch in allen Formaten vertreten sind“ Donald Tusk, polnischer Ministerpräsident Diese Dynamik zeigt das tiefe Misstrauen, das teilweise noch immer zwischen den westeuropäischen Führungsmächten und den Staaten an der unmittelbaren Grenze zu Russland besteht. Die E5-Formation ist somit nicht nur ein strategisches Instrument, sondern auch ein Versuch, interne Risse innerhalb der EU zu kitten.

Der Trump-Faktor und die Sicherheitsgarantien in Ankara

Über den gesamten diplomatischen Prozess schwebt die Frage nach der Verlässlichkeit der USA. US-Präsident Trump hat signalisiert, das amerikanische Engagement in Europa reduzieren zu wollen. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach einem G7-Treffen optimistisch blieb und von einem „Moment der Wiederannäherung zwischen den Europäern und den Amerikanern“ sprach, bewerten andere die Lage nüchterner. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni betonte, dass Europa seine eigene Verantwortung für Verteidigung und Sicherheit übernehmen müsse. In der Praxis bedeutet dies eine deutliche Steigerung der Rüstungsausgaben. Die WELT berichtet, dass die aus Berlin formulierten Botschaften an Trump zwar versöhnlich klingen sollen, aber vermutlich nicht ausreichen werden, um den US-Präsidenten vollständig zu besänftigen. Merz warnte in diesem Zusammenhang davor, dass nationale Alleingänge in der Verteidigungspolitik ein Irrweg seien; stattdessen sei eine engere transatlantische und europäische Zusammenarbeit notwendig.

Militärische Optionen in der Straße von Hormus

VOR NATO-GIPFEL: Was die USA und Großbritannien für Ukraine-Krieg planen | WELT Thema
Neben der Ukraine rückte der Nahe Osten in den Fokus der E5. Präsident Macron und Ministerpräsidentin Meloni kündigten an, die Bereitschaft der Europäer für eine Militärmission in der Straße von Hormus zu bekräftigen. Diese Initiative ist jedoch an strikte Bedingungen geknüpft. Die Umsetzung einer solchen Mission hängt von folgenden Faktoren ab:
  • Einigung zwischen den USA und dem Iran über ein Rahmenabkommen.
  • Sicherstellung einer stabilen Waffenruhe.
Diese vorsichtige Herangehensweise unterstreicht die Abhängigkeit Europas von US-amerikanischen diplomatischen Erfolgen, selbst wenn man eine eigene militärische Präsenz anstrebt.

Abschied von Keir Starmer: Ein Ende der Brexit-Ära?

Abschied von Keir Starmer: Ein Ende der Brexit-Ära?
Photo: WELT
Das Treffen in Berlin markierte gleichzeitig den Abschied des britischen Premierministers Keir Starmer aus der E5-Runde. Starmer, der aufgrund von innenpolitischem Druck seinen Rücktritt erklärt hat, wurde von seinen europäischen Kollegen mit warmen Worten verabschiedet. „Ich bin stolz auf die Arbeit der vergangenen zwei Jahre, um unsere Beziehung zu unseren Verbündeten in Europa und auf der ganzen Welt wiederaufzubauen“ Keir Starmer, britischer Premierminister Besonders bemerkenswert war die Reaktion von Donald Tusk, der Starmer dafür lobte, dass man durch seine Arbeit den Brexit für eine Weile fast vergessen habe. Mit Starmers Abgang verliert die E5 einen Partner, der aktiv an einer Re-Integration Großbritanniens in die europäische Sicherheitsarchitektur gearbeitet hat.

Humanitäre Notlage trotz diplomatischer Offensive

Während die Staatschefs über Militärmissionen und strategische Lastenverteilung debattieren, bleibt die Lage der Zivilbevölkerung in der Ukraine prekär. Mehr als vier Jahre nach Kriegsbeginn sind Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Wie SRF berichtet, sammeln Organisationen wie die Glückskette weiterhin Spenden, da viele Betroffene keinen verlässlichen Zugang zu Strom, Heizung oder medizinischer Versorgung haben. Die Hilfe umfasst neben finanziellen Mitteln auch die Reparatur beschädigter Wohnungen und psychosoziale Unterstützung. Die Diskrepanz zwischen den hochpolitischen Gesprächen in Berlin und der harten Realität vor Ort verdeutlicht die Komplexität der Aufgabe: Europa muss gleichzeitig die militärische Stärke der Ukraine sichern und die humanitäre Katastrophe bewältigen, während es seine eigene Sicherheitsarchitektur gegen einen unberechenbaren Partner in Washington absichert.

Find more reporting in our Welt section.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.