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Kritischer Blutmangel in Österreich

Das Rote Kreuz warnt vor einem kritischen Engpass bei Blutkonserven in Österreich, da Urlaubsreisen und Sommerhitze die Spendenbereitschaft massiv senken. In Tirol sind die Vorräte auf knapp über die Hälfte des Soll-Bestands gesunken, während in Wien nur Blut für etwa eine Woche lagert, obwohl alle 80 bis 90 Sekunden eine Konserve benötigt wird.

Kritische Bestände in Tirol und Wien

Die österreichischen Blutdepots leiden unter den Folgen der Maifeiertage und der beginnenden Sommerpause. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, wo die Blutspendezentrale des Roten Kreuzes insgesamt 60 Krankenhäuser versorgt, ist die Lage angespannt. Der größte Abnehmer ist hier das AKH.

Kritische Bestände in Tirol und Wien
Photo: osttirolerbote.at
„Momentan haben wir Blut für eine Woche ungefähr, wir hätten gerne für zwei, drei Wochen Blut vorrätig“
Simon Gänsdorfer, Facharzt für Transfusionsmedizin

Noch deutlicher wird der Mangel in Tirol. Laut Berichten des Osttiroler Boten sollte der Lagerbestand für eine stabile Versorgung der Tiroler Spitäler etwa 1.000 Konserven umfassen. Aktuell ist jedoch nur etwas mehr als die Hälfte dieser Menge verfügbar. Die Gründe für den Rückgang sind konsistent: Viele potenzielle Spender nutzen die Fenstertage für Urlaube oder halten sich aufgrund des schönen Wetters im Freien auf.

In der Steiermark meldet das Rote Kreuz ebenfalls Engpässe, wobei insbesondere die Blutgruppen 0 negativ und A negativ knapp sind. Da eine Konserve lediglich 42 Tage haltbar ist, gibt es keinen Spielraum für langfristige Bevorratung. Der tägliche Bedarf in Österreich liegt bei rund 1.000 Einheiten – das bedeutet, dass nahezu jede Minute eine Spende in einem Krankenhaus zum Einsatz kommt.

Die Abhängigkeit chronisch Kranker und Krebspatienten

Während Blutspenden oft mit Notfällen und Unfällen assoziiert werden, zeigt die Realität ein anderes Bild: Die größte Gruppe der Empfänger sind Krebspatienten. Laut dem Kurier machen sie 19 Prozent der Abhängigen aus, gefolgt von Menschen mit Herz- sowie Magen-Darm-Erkrankungen. Unfallopfer belegen erst den vierten Platz.

Die Abhängigkeit chronisch Kranker und Krebspatienten
Photo: Kleine Zeitung

Besonders deutlich wird die existenzielle Bedeutung für Menschen mit seltenen Erkrankungen. Brigitte Brunner leidet an der Diamond-Blackfan-Anämie (DBA), einer angeborenen Knochenmarkserkrankung. Sie benötigt alle vier Wochen zwei Konserven, um überleben zu können.

„Wenn ich kein Blut bekomme, werde ich schwach, müde und auch leicht depressiv. Innerhalb weniger Wochen würde ich sterben“
Brigitte Brunner, Patientin

Auch bei Krebstherapien ist die Versorgung kritisch, da Chemotherapien die körpereigene Blutbildung stark beeinträchtigen. Fehlen die Konserven, können notwendige Behandlungen nicht wie geplant durchgeführt werden.

Das Stadt-Land-Gefälle und die schwindende Jugend

Die Analyse der Spenderstruktur offenbart eine tiefe Kluft zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen. Während in ländlichen Gebieten drei bis acht Prozent der Berechtigten regelmäßig spenden, liegt diese Quote in den Ballungsräumen bei lediglich einem bis zwei Prozent. In Wien sind es laut ORF sogar nur etwa 1,5 Prozent.

Das Stadt-Land-Gefälle und die schwindende Jugend
Photo: Tiroler Tageszeitung

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Bindung von Erstspendern. Nur 40 Prozent der Personen, die zum ersten Mal Blut spenden, kommen erneut. Zudem verschiebt sich die Demografie: Vor zehn Jahren gehörten die 18- bis 25-Jährigen noch zu 70 Prozent zu den Erstspendern; heute sind es nur noch 50 Prozent. Die Mehrheit der aktuellen Spender ist zwischen 36 und 65 Jahre alt.

Zusätzliche Hürden ergeben sich aus kulturellen Differenzen bei Menschen mit Migrationshintergrund. Günter Mayr vom Roten Kreuz in Oberösterreich berichtet von Fragen zum Geschlecht der durchführenden Person oder sogar Anfragen, ob das Blut von ungeimpften Personen stamme.

Moderne Regeln und Voraussetzungen für Spender

Um die Spenderbasis zu erweitern, wurden in den letzten Jahren die Kriterien gelockert. Laut der Kleinen Zeitung ist die sexuelle Orientierung seit 2022 kein Ausschlussgrund mehr. Auch die Regeln für Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, wurden angepasst. Nach einem Monitoring alle drei Jahre können bestimmte ehemalige Krebspatienten nun ebenfalls spenden.

Moderne Regeln und Voraussetzungen für Spender
  • Alter: 18 bis 70 Jahre (die erste Spende muss vor dem 60. Lebensjahr erfolgt sein).
  • Gewicht: Mindestens 50 Kilogramm.
  • Häufigkeit: Frauen dürfen bis zu drei Mal, Männer bis zu vier Mal innerhalb von 365 Tagen spenden.
  • Reisen: Nur noch wenige Einschränkungen, etwa bei Rückkehren aus Malariagebieten.

Um die Menschen kurzfristig zu motivieren, setzt das Rote Kreuz auf Anreize. In Wien wird bis zum Weltblutspendetag am nächsten Sonntag ein kleiner Gesundheitscheck (Leber-, Nierenwerte, Blutfette) im Rahmen der Spende angeboten. In der Steiermark wurden zusätzliche Aktionen, etwa im Murpark Graz, organisiert, um die Vorräte vor dem Sommer zu stabilisieren.

Die Herausforderung bleibt jedoch die Konstanz. Das System ist auf Menschen angewiesen, die ein bis zwei Mal pro Jahr regelmäßig kommen, anstatt nur in akuten Krisenmomenten zu reagieren.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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