Neu veröffentlichte Dokumente vom 1. Juni 2026 belegen, dass Peter Mandelson sensible Sicherheitsbriefings erhielt und den Chef des MI6 traf, bevor sein offizielles Sicherheits vetting abgeschlossen war. Gleichzeitig enthüllen WhatsApp-Nachrichten zwischen Mandelson und Wes Streeting eine strategische Annäherung an das Murdoch-Medienimperium kurz vor den britischen Parlamentswahlen.
Die jüngste Veröffentlichung von rund 1.500 Seiten Dokumenten wirft ein grelles Licht auf die internen Mechanismen der Labour-Regierung und die fragwürdigen Privilegien eines ihrer einflussreichsten Strategen. Es geht nicht nur um bürokratische Versäumnisse beim Sicherheitscheck, sondern um ein Muster aus politischer Arroganz und einer riskanten Nähe zu globalen Machtzentren.
Sicherheitslücken und der direkte Draht zum MI6
Peter Mandelson Keir Starmer
Die deklassifizierten E-Mails zeigen ein besorgniserregendes Bild: Peter Mandelson, der spätere Botschafter in Washington, erhielt Zugang zu hochsensiblen Informationen des Foreign Office, noch bevor der Prozess des sogenannten developed vetting abgeschlossen war. Besonders brisant ist die Vereinbarung eines Treffens mit Richard Moore, dem ehemaligen Chef des MI6, im Januar 2025.
Mandelson ging offenbar davon aus, dass seine Position als Privy Councillor – ein Privileg aus seiner Zeit als Kabinettsminister – ihn von den standardmäßigen Sicherheitsprüfungen entbinde. Erst nach internen Diskussionen entschieden Beamte, dass eine formelle Freigabe dennoch zwingend erforderlich sei.
Die Dokumente legen offen, dass das Foreign Office (FCDO) Mandelson dazu riet, eine Liste seiner Auslandskontakte einzureichen, um das Sicherheitsteam zu beruhigen. Dieser Schritt wurde intern als reine Formalität betrachtet.
selbst wenn das alles ziemlich künstlich ist
Mandelson, via The Guardian
Dieser Vorgang unterstreicht eine Kultur der Ausnahme für politische Schwergewichte, bei der nationale Sicherheitsstandards hinter diplomatischen Ambitionen zurückstehen.
Das Murdoch-Dinner und die Kunst der Einflussnahme
Keir Starmer official
Parallel zu den Sicherheitsfragen kommen Details über eine strategische Abendgesellschaft ans Licht, die kurz vor der Generalwahl stattfand. Laut Berichten der BBC zeigen WhatsApp-Nachrichten zwischen Mandelson und dem ehemaligen Gesundheitsminister Wes Streeting, wie die Labour-Führung versuchte, die Gunst des Murdoch-Medienimperiums zu gewinnen.
An dem Dinner nahmen unter anderem Lachlan Murdoch, CEO der Fox Corporation, und Rebekah Brooks, CEO von News UK, teil. Die Kommunikation nach dem Treffen liest sich wie ein Lehrstück in politischem Networking. Mandelson informierte Streeting darüber, dass Brooks ihm signalisiert habe, dass Lachlan das Abendessen wirklich genossen hat und sie alle dachten, jeder sei in Topform gewesen.
Streeting reagierte mit einer Beobachtung über Mandelsons Umgang mit Tony Gallagher, dem Herausgeber der Zeitung The Times. Mandelson betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, solche Medienmogule unter Druck zu halten.
diese Leute müssen auf dem Teppich gehalten werden
Peter Mandelson, via BBC
Streeting bezeichnete dieses Vorgehen als meisterhaft erledigt. Ein Verbündeter Streetings rechtfertigte diese Treffen damit, dass sie auf ausdrücklichen Wunsch aus dem Büro von Keir Starmer stattfanden, um die Unterstützung der Guardian, der Sun und der Times für Labour zu sichern.
Interne Risse: Mandelsons Kritik an Keir Starmer
Peter Mandelson 'EMBARRASSING' files to RELEASE TODAY as Keir Starmer prepares for second batch
Die Dokumente offenbaren jedoch, dass die Loyalität innerhalb der Labour-Spitze keineswegs absolut ist. Trotz seiner Ernennung zum Top-Diplomaten sparte Mandelson nicht mit Kritik an seinem Vorgesetzten, Premierminister Keir Starmer. In internen Ausführungen beschrieb er Starmer als jemanden, dem es an Elan fehle und der dazu neige, unter Druck nachzugeben.
Diese Enthüllungen sind für Starmer politisch kostspielig. Die Entscheidung, Mandelson trotz seiner kontroversen Vergangenheit und der internen Kritik in die wichtigste diplomatische Position des Landes zu setzen, wird nun zunehmend als Fehlgriff in seinem politischen Urteilsvermögen gewertet. Es hat nicht nur unzufriedene Abgeordnete innerhalb der eigenen Partei verärgert, sondern auch Fragen zur Stabilität der Regierungsführung aufgeworfen.
Sicherheitsrisiken und die Rolle des Intelligence and Security Committee
cluster (priority): The Guardian
Während die veröffentlichten Dokumente bereits für Aufsehen sorgen, bleibt ein Großteil der kritischen Informationen unter Verschluss. Das Intelligence and Security Committee (ISC) führte einen Redaktionsprozess durch, um Informationen zu entfernen, die schädlich für die nationale Sicherheit des Vereinigten Königreichs oder die internationalen Beziehungen sein könnten.
Besonders brisant bleiben die Punkte, die The Guardian bereits zuvor thematisiert hatte. Es gibt keine detaillierten Informationen darüber, wie die Regierung mit den folgenden Sicherheitsbedenken umgegangen ist:
Engere Verbindungen zu hochrangigen Persönlichkeiten aus China, Russland und Israel.
Ein Kredit in Höhe von 1 Million Pfund, dessen Herkunft und Bedingungen Fragen aufwarfen.
Der überstürzte Zugang zu IT-Systemen des Foreign Office vor der offiziellen Ernennung Ende Januar 2025.
Die Tatsache, dass das FCDO eine ursprüngliche Entscheidung, die Sicherheitsfreigabe zu verweigern, nachträglich überstimmt hat, lässt vermuten, dass politische Erwägungen schwerer wogen als die Bedenken der Sicherheitsbehörden.
Die aktuelle Situation hinterlässt die britische Regierung in einer defensiven Position. Während man versucht, die WhatsApp-Nachrichten als Teil einer normalen Wahlkampfstrategie abzutun, wiegen die Versäumnisse beim Vetting schwerer. Wenn ein Botschafter in Washington – dem wohl sensibelsten Posten der britischen Diplomatie – bereits vor seiner Prüfung Zugang zu Geheimnissen hatte, stellt dies nicht nur ein individuelles Versagen dar, sondern ein systemisches Problem in der Handhabung staatlicher Geheimnisse.
In den kommenden Tagen wird die Frage im Zentrum stehen, ob die Regierung weitere Dokumente offenlegen wird oder ob die Redaktionen des ISC als Schutzschild für politische Patzerei dienen. Für Keir Starmer ist die Affäre ein weiterer Beweis dafür, dass seine Abhängigkeit von alten Machtstrukturen der Partei seine eigene Autorität untergräbt.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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