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Indonesiens neue Hauptstadt: Vision für die «Stadt der Zukunft

Jakarta, die Heimat von 42 Millionen Menschen, sinkt aufgrund massiven Grundwasserabbaus und steigender Meeresspiegel kontinuierlich ab. Um dieser existenziellen Bedrohung zu begegnen, baut Indonesien mitten im Dschungel die neue Hauptstadt Nusantara. Das radikale Projekt soll eine moderne Metropole schaffen, während die nördlichen Teile Jakartas bis 2050 unter Wasser stehen könnten.

Jakartas Kampf gegen das Versinken Die Megacity Jakarta steht vor einer ökologischen Katastrophe. Während die Stadt von Smog und chronischem Stau geprägt ist, stellt das Absinken des Bodens das weitaus größere Problem dar. Da der Zugang zu Leitungswasser unzureichend ist, entnehmen Einwohner und Unternehmen massiv Grundwasser, was den Boden unter der Metropole absacken lässt. Zusätzlich verschärft der steigende Meeresspiegel die Lage im Norden der Stadt, wo Überschwemmungen bereits regelmäßig auftreten. Ein seit 2014 errichteter, 19 Kilometer langer Küstenschutzwall soll die Fluten zwar dämmen, doch die Prognosen bleiben düster. Wie die NZZ berichtet, gehen Experten davon aus, dass der Norden Jakartas bis zum Jahr 2050 vollständig unter Wasser stehen könnte. Nusantara: Ein radikaler Umbau der indonesischen Geografie Angesichts des drohenden Untergangs der bisherigen Hauptstadt hat die indonesische Regierung den Bau von Nusantara eingeleitet. Die geplante Metropole im Dschungel soll als modernstes Zentrum der Welt gelten. Dieses Vorhaben ist jedoch auch ein politisches Statement gegen die einseitige Dominanz der Insel Java. Bisher konzentriert sich das wirtschaftliche und kulturelle Leben fast ausschließlich auf Java, das mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Die anderen 13.000 indonesischen Inseln fühlen sich oft im Schatten der Javanischen Macht vernachlässigt. Der damalige Präsident Joko Widodo, bekannt als Jokowi, unterstrich die Bedeutung dieses neuen Weges bereits in einer Rede vor dem Parlament am 16. August 2019. Zunehmende Skepsis bei Architekten und Planern Trotz der großen Visionen wächst die Verunsicherung über die Umsetzung des Mega-Projekts. Die Herausforderungen, eine funktionierende Stadt mitten in einer unberührten Umgebung zu erschaffen, sind immens. In einem LinkedIn-Bericht von Erik Hlacer wird deutlich, dass selbst ehemalige Befürworter des Projekts zunehmend kritische Positionen einnehmen. Gespräche mit dem Architekten Sofian Sibarani und dem Stadtplaner Bambang Susantono verdeutlichen die Komplexität der Umweltbedingungen und die Notwendigkeit, aus den Fehlern früherer Planstädte zu lernen. Ob Nusantara tatsächlich als funktionierende „Stadt der Zukunft“ bestehen kann oder lediglich ein teures Experiment in der Wildnis bleibt, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Die Entscheidung über den Standort der Macht hat weitreichende Folgen für die nationale Stabilität und die ökologische Zukunft des gesamten Archipels.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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