US-Präsident Donald Trump reagierte am Freitag mit einem KI-generierten Clip auf das Ende von Stephen Colberts „Late Show“. Der Video-Angriff folgte auf Colberts letzte Sendung am Donnerstag, die trotz hoher Einschaltquoten nach elf Jahren als Moderator der US-Talklegende im Fernsehen endete.
Ein Abschied zwischen Nostalgie und Science-Fiction
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Die letzte Ausgabe der „Late Show“ war alles andere als eine gewöhnliche Abschiedsfeier. Stephen Colbert, der die Sendung seit 2015 führte, bezeichnete seine Produktion in seinem Eröffnungsmonolog als „Freude-Maschine“. Trotz der emotionalen Schwere der Situation wollte er den Ablauf so normal wie möglich gestalten.
Ein Star-Aufgebot hatte zuvor um den Ehrenplatz des letzten Gastes gebühnt. Hollywood-Größen wie Ryan Reynolds, Paul Rudd, Bryan Cranston und Tim Meadows versuchten, Colbert zu überzeugen, doch am Ende sicherte sich eine Legende den Platz: Paul McCartney. Der 83-jährige Beatles-Musiker betrat die Bühne im Ed-Sullivan-Theater in New York und reagierte mit britischem Understatement auf Colberts schmeichelhafte Begrüßung, in der dieser ihn als den „perfekten letzten Gast“ bezeichnete.
„Ich war gerade in der Gegend. Ich hatte ein paar Besorgungen zu erledigen“, scherzte McCartney.
Das Gespräch zwischen den beiden nahm auch politische Züge an. Auf Colberts Frage, wie er das Amerika der vergangenen Jahrzehnte wahrgenommen habe, antwortete McCartney: „Als das Land der Freiheit, die größte Demokratie. Hoffentlich ist es das immer noch.“
Das Ende der Show folgte einem surrealen, Science-Fiction-inspirierten Konzept. Colbert wurde von einem grünen Wurmloch verschlungen, dessen Entstehung der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson metaphorisch erklärte: Zwei widersprüchliche Realitäten könnten nicht gleichzeitig existieren. Er bezog sich dabei auf das Paradoxon, dass eine Sendung mit durchschnittlich 2,5 Millionen Zuschauern – die beliebteste ihrer Art in den USA – dennoch abgesetzt wird. Am Ende blieb von der Show nur eine kleine Schneekugel zurück, nachdem Colbert gemeinsam mit McCartney den Klassiker „Hello, Goodbye“ gesungen hatte.
Digitale Demütigung: Trumps KI-Angriff auf den Satiriker
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Während Colbert versuchte, die Show würdevoll zu beenden, schlug Donald Trump unmittelbar nach dem Ende der Ausstrahlung digital zurück. Der US-Präsident, der die Arbeit des Comedians schon seit langem scharf kritisiert, nutzte die offiziellen Kanäle des Weißen Hauses auf der Plattform X, um den Satiriker zu verspotten.
Der gepostete Clip, der offensichtlich mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, zeigt Trump, wie er Colbert am Kragen packt, ihn in eine Mülltonne wirft und anschließend triumphierend tanzt. Begleitet wurde das Video von einem knappen „Bye-bye“ und einer winkenden Hand.
„Man hätte eine beliebige Person von der Straße nehmen können, und sie wäre besser gewesen als dieser Volltrottel.“
Donald Trump, via Truth Social
Auch auf seiner eigenen Plattform Truth Social ließ der Präsident seinem Unmut freien Lauf. Er bezeichnete Colbert als jemanden ohne Talent, ohne Einschaltquoten und ohne Leben.
„Man könnte irgendeinen Passanten von der Straße holen, und der wäre besser als dieser totale Idiot. Gott sei Dank ist er endlich weg!“
Donald Trump, via Truth Social
Das Milliarden-Geschäft hinter der Absetzung
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Die offizielle Begründung von CBS für das Ende der „Late Show“ lautete schlichtweg „rein finanzielle Gründe“. Doch in der Branche wird dieser Erklärung mit Skepsis begegnet. Es mehren sich die Vermutungen, dass die Absetzung der Sendung nach 33 Jahren (in der entsprechenden Zeitmarke des Senders) ein politisches Bauernopfer war.
Der Hintergrund ist ein komplexes Geflecht aus Medienfusionen und politischem Druck. Der Mutterkonzern von CBS, Paramount, steht vor einer acht Milliarden Dollar schweren Fusion mit der Produktionsfirma Skydance. Um diese Übernahme durchzuziehen, ist der Konzern auf die Zustimmung der US-Regierung angewiesen.
Branchenkenner vermuten, dass CBS Colbert opferte, um die Regierung nicht zu verärgern, da der Moderator als einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten galt. In einer Ära, in der Late-Night-Hosts wie Jimmy Kimmel oder Seth Meyers als Speerspitze der Opposition fungieren, könnte die Entfernung eines prominenten Kritikers als strategischer Zug gewertet werden, um den Weg für milliardenschwere Deals freizumachen.
Die Zukunft der nächtlichen Satire
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Trotz des abrupten Endes seiner Fernsehkarriere scheint Colbert nicht vor, sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen reagierte er in seiner letzten Sendung mit einem Scherz: „Die Antwort ist: Drogen.“
Tatsächlich gibt es bereits konkrete Projekte: Es ist bekannt, dass Colbert an einem Drehbuch für einen künftigen „Herr der Ringe“-Film mitschreiben wird.
Für die US-Landschaft der Late-Night-Satire bleibt jedoch eine Lücke zurück. Während andere Moderatoren wie John Oliver oder Jon Stewart in Colberts letzter Folge ihre Loyalität zeigten, stellt sich die Frage, ob das Genre in einem politisch aufgeladenen Umfeld, in dem Sender ihre Inhalte an Regierungsinteressen anpassen müssen, seine Rolle als kritische Instanz behalten kann.
Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.
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