Historischer Tiefstand bei den Vorverkaufszahlen

Die Zahlen für den Start von CNBC berichtete Disney-Produktion „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ sind aus unternehmerischer Sicht alarmierend. Mit 12 Millionen US-Dollar aus den Vorverkaufsshows am Donnerstagabend markiert der Film einen historischen Tiefpunkt für die gesamte Reihe.
Zum Vergleich: Bisher galt „Solo: A Star Wars Story“ als die schwächste Premiere, die im Jahr 2018 noch 14,1 Millionen US-Dollar an Vorab-Tickets generierte. Dass ein Film, der auf einer der erfolgreichsten Streaming-Serien des Unternehmens basiert, nun hinter einem damals bereits als problematisch eingestuften Spin-off zurückbleibt, deutet auf eine Verschiebung im Zuschauerinteresse hin.
„erzielte in den Vorverkaufseinnahmen am Donnerstagabend 12 Millionen US-Dollar, die niedrigste Summe an Vorab-Tickets in der Geschichte des Franchise, so Daten von Comscore.“
Comscore, via CNBC
Prognosen für das Memorial-Day-Wochenende

Die Branche blickt nun auf das verlängerte Memorial-Day-Wochenende. Konservative Schätzungen von Box-Office-Analysten gehen davon aus, dass der Film an den ersten drei Tagen etwa 80 Millionen US-Dollar einspielen wird. Über das gesamte vier Tage dauernde Feiertagswochenende wird eine Summe von rund 95 Millionen US-Dollar erwartet.
Es gibt zwar optimistischere Stimmen, die ein Drei-Tage-Ergebnis von 95 Millionen US-Dollar und ein Gesamtwochenende von bis zu 115 Millionen US-Dollar prognostizieren, doch selbst dieses Szenario wäre im Kontext der Star-Wars-Geschichte bescheiden. Seit 2015 hat lediglich „Solo“ mit 84,4 Millionen US-Dollar ein domestically geringeres Startwochenende hingelegt. Die Marke von 100 Millionen US-Dollar, die für die modernen Star-Wars-Filme lange Zeit als Mindeststandard galt, scheint in weite Ferne gerückt zu sein.
Kalkulierte Risiken durch ein reduziertes Budget
Interessant ist hier die finanzielle Strategie hinter der Produktion. Während Star-Wars-Projekte im letzten Jahrzehnt oft Produktionsbudgets von 250 Millionen US-Dollar oder mehr aufwiesen, wurde „The Mandalorian and Grogu“ mit einem deutlich geringeren Budget von geschätzten 165 Millionen US-Dollar realisiert.
Diese Entscheidung ist ein klares Signal der Risikoaversion. Durch die Senkung der Produktionskosten sinkt die Profitabilitätsschwelle erheblich. Disney setzt hier nicht mehr auf den maximalen Blockbuster-Effekt, sondern auf eine effizientere Kostenstruktur. Damit wird der Film weniger zu einem reinen Einnahmenbringer an den Kinokassen, sondern fungiert vielmehr als strategischer Testlauf.
Zusätzlich erwartet Disney Einnahmen aus einer starken Produktoffensive im Bereich der Consumer Products, die die Ticketverkäufe ergänzen sollen. Der Film muss also nicht mehr alleine die gesamte finanzielle Last tragen, was die geringeren Kinostarts wirtschaftlich abfedert.
Strategiewechsel: Von Disney+ zurück ins Kino

Der aktuelle Kinostart beendet eine siebenjährige Pause für die Reihe auf der großen Leinwand. Seit „The Rise of Skywalker“ im Jahr 2019, der zwar über eine Milliarde US-Dollar einspielte, aber bei Kritikern und Fans auf Ablehnung stieß, hatte Disney die Produktion von Kinofilmen zugunsten von Disney+ ausgesetzt.
Die Verlagerung auf Streaming-Serien wie „Andor“, „Obi-Wan Kenobi“, „Ahsoka“, „Skeleton Crew“, „The Acolyte“ und „The Book of Boba Fett“ war ein Versuch, das Franchise neu zu etablieren. „The Mandalorian“, die kurz vor dem Abschluss der Skywalker-Saga startete, war dabei der entscheidende Erfolg. Doch die Frage bleibt, ob die Zuschauer, die sich an das kostenlose oder abonnementbasierte Modell von Streaming gewöhnt haben, bereit sind, für ähnliche Inhalte wieder ins Kino zu gehen.
Der Erfolg oder Misserfolg dieses Wochenendes wird maßgeblich beeinflussen, wie Disney künftige Projekte plant. Ein wichtiger Termin steht bereits fest: 2027 soll „Starfighter“ in die Kinos kommen, unter der Regie von Shawn Levy und mit Ryan Gosling in der Hauptrolle. Sollte „The Mandalorian and Grogu“ die Erwartungen deutlich unterschreiten, könnte dies zu weiteren Anpassungen in der Budgetierung und Distribution künftiger Star-Wars-Titel führen.