Am Mittwoch befreiten zwei Unbekannte einen Untersuchungshäftling während eines Arztbesuchs in der Essener Innenstadt. Der Vorfall am Kennedyplatz führte zu einer großangelegten Polizeifahndung, einer Waffenpanne bei der Begleitung und einer politischen Aufarbeitung im Landtag.
Die Flucht ereignete sich am Mittwochnachmittag am Kennedyplatz in Essen. Zwei bewaffnete Täter überrumpelten Justizbeamte, die einen gefangenen Mann zu einer Radiologie-Praxis begleitet hatten. Seit dem Vorfall fehlt von dem Häftling Dijvar Gündüz und seinen maskierten Helfern jede Spur. Die Behörden fahnden mit einem Foto nach dem Trio und warnen davor, dass die Männer bewaffnet sein könnten.
Dramatische Szenen und eine folgenschwere Waffenpanne im Treppenhaus
Auf dem Weg in die Praxis eskalierte die Situation rasch. Obwohl der Gefangene an Händen und Füßen gefesselt war, überwältigten die Angreifer die begleitenden Justizbeamten. Ein Täter bedrohte die Wärter mit einer Schusswaffe, während sein Komplize im Rücken der Beamten auftauchte.
In dieser Bedrohungslage zog ein Mitarbeiter seine Dienstwaffe und drückte ab. Doch ein Schuss löste sich nicht. Die Waffe war offenkundig nicht sofort einsatzbereit laut einer Erklärung der Landesjustizvollzugsdirektion.
Im Regelfall sind die Waffen der Beamten teilgeladen und gesichert. Das Magazin ist in der Waffe, es sind keine Patronen im Lauf. Die Waffe muss entsichert und durchgeladen werden, damit Patronen in den Lauf kommen.
Die Täter schlugen dem Beamten daraufhin die Pistole aus der Hand. Die Helfer fesselten die beiden Begleiter an ein Treppengeländer der Praxis. Unmittelbar nach dem Überfall sorgte zudem eine vermeintliche Handgranate für Aufregung, die ein LKA-Team schnell als Holzattrappe identifizierte.

Hintergrund des Gefangenen und politische Aufarbeitung im Landtag
Der geflohene Dijvar Gündüz saß wegen mutmaßlicher Drogendelikte und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Das Justizministerium betonte, dass vor dem lang geplanten Arztbesuch alle Vorschriften eingehalten worden seien. Der Gefangene selbst habe erst am Vorabend von dem Termin erfahren. Wie seine Komplizen von dem Termin Kenntnis erlangten, muss jetzt ermittelt werden.
Der Vorfall erreichte umgehend die Landespolitik. In einer Sondersitzung befasst sich der Rechtsausschuss des Landtags mit der Befreiungsaktion. Justizminister Benjamin Limbach verurteilte die Tat scharf.
Reaktionen am Kennedyplatz und offene Fragen zum Tathergang
Am Tag nach der spektakulären Aktion kehrte am Essener Kennedyplatz äußerlich Ruhe ein, doch bei Anwohnern und Café-Gästen sitzt der Schreck tief. Zeugen schilderten Beobachtungen der schnellen Flucht auf einem E-Roller berichtete der WDR.
Die haben gesagt: Das ging alles so schnell. Da kamen Jungs, die hatten sich was übers Gesicht gezogen, um sich wohl zu vermummen. Und die haben dann nur noch gesehen, wie einer wohl befreit wurde und dann sind sie schon auf dem E-Roller davon gefahren.
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