Antarktikas Thwaites-Gletscher schmilzt deutlich schneller als bislang angenommen und könnte den globalen Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu 30 Millimeter anheben. Neue computergestützte Simulationen zeigen, dass warmes Meerwasser kilometerweit tief unter das eisige Fundament vordringt und den Rückzug des Gletschers massiv beschleunigt.
Neue Eisschild-Modelle offenbaren verdoppeltes Risiko
Neue wissenschaftliche Berechnungen prognostizieren, dass der oft als Doomsday Glacier
bezeichnete Thwaites-Gletscher in Westantarktika doppelt so viel Wasser zu den Ozeanen beitragen könnte wie frühere Projektionen nahegelegten (Aljazeera).
Die globale Auswirkung könnte bis zum Jahr 2100 auf bis zu 1,2 Zoll beziehungsweise 30 Millimeter ansteigen (Gizmodo). Diese revidierten Prognosen basieren auf einem konstanten Klimaszenario (Aljazeera).
Das betroffene Gebiet ist von gigantischem Ausmaß.
Mit einer Fläche von rund 192.000 Quadratkilometern – vergleichbar mit der Größe des Senegal oder des US-Bundesstaates Florida – stellt der Gletscher einen der größten Unbekannten in der Meeresspiegel-Forschung dar (Aljazeera), (CNN).

Seit dem Jahr 2000 hat der Koloss bereits mehr als 1.000 Milliarden Tonnen Eis eingebüßt und verliert fortrundend rund 50 Milliarden Tonnen jährlich (Aljazeera).
Tidenhub und Gezeitendynamik in der Aufsetzzone
Hinter der verbesserten Modellierung steckt ein verändertes physikalisches Verständnis des Übergangsbereichs zwischen dem auf Fels ruhenden Eis und dem im Ozean schwimmenden Schelfeis (Hindustan Times), (Gizmodo). Bislang betrachteten traditionelle Simulationen diese sogenannte Aufsetzzone als starre und schmale Linie (Gizmodo).
Auswertungen von Satellitendaten – darunter Radaraufnahmen der finnischen ICEYE-Konstellation – belegen jedoch, dass dieser Bereich kilometerbreit ist und durch die Gezeiten angehoben und abgesenkt wird (Hindustan Times), (Gizmodo).
Gefährdung des Mouginot-Rückens und drohender Rückzug
Der Untergrund des Thwaites-Gletschers fällt nach innen hin ab, weshalb fortschreitende Schmelzprozesse immer größere Eismassen direkt mit warmem Wasser in Berührung bringen (Hindustan Times). Bislang wird das Abgleiten der Eismassen maßgeblich von Unterwasserrücken gebremst (Hindustan Times).
Die Untersuchung zeigt, dass die Schmelzung dazu führt, dass sich das Eis von einer dieser Erhebungen – dem sogenannten Mouginot-Rücken – ablöst (Hindustan Times).
Laut den Simulationen besteht eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass das Haupteis diesen Bergrücken noch vor Ende des Jahrhunderts vollständig überwindet (Hindustan Times).
In einigen Simulationen kann dieser kritische Punkt bereits im Jahr 2038 erreicht sein (Earth). Ist dieser Haltepunkt erst einmal gelöst, droht dem Gletscher ein rascher Rückzug über das abfallende Bett bis zum nächsten großen Geländerücken (Hindustan Times).

Auswirkungen auf den globalen Meeresspiegel und wissenschaftliche Einordnung
Da der Thwaites-Gletscher wie ein natürlicher Korken wirkt, der das umgebende antarktische Eisschild zurückhält, könnte ein Kollaps langfristig zu einem globalen Anstieg der Ozeane um mehr als 61 Zentimeter führen (Bankingnews).
Wissenschaftler wie Ted Scambos vom Earth Science and Observation Center der University of Colorado Boulder, der nicht direkt an der Studie beteiligt war, bezeichneten die Ergebnisse als echten Wendepunkt für die Vorhersagen zum Meeresspiegel (Bankingnews), (CP24).
Für das Jahr 2028 ist eine neue Expedition geplant, bei der…
…Messinstrumente direkt im Bereich der Aufsetzzone installiert werden sollen, um den Zufluss und Abfluss des warmen Wassers im Detail zu dokumentieren (Dunya News), (London Business News).
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