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Welt

Teufelsrad auf dem Oktoberfest: Tausende Upsirting-Videos im Netz

Tausende heimliche Videos vom Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad auf dem Münchner Oktoberfest kursieren im Internet. Betreiber und Schausteller versuchen mit Radlerhosen und Warnschildern gegenzusteuern, während Ermittler und Beobachter auf anhaltende rechtliche Lücken bei voyeuristischen Aufnahmen im Netz verweisen.

Das 191. Oktoberfest auf der Theresienwiese in München lockt wieder Hunderttausende Besucher in die Zelte und an die Fahrgeschäfte. Doch neben der traditionellen Feststimmung rückt in diesem Herbst auch eine drastische Schattenseite des Volksfestes in den Fokus: das sogenannte Upsirting. Auf dem historischen Teufelsrad filmen Täter gezielt Frauen heimlich unter die Kleidung, während diese auf der rotierenden Scheibe versuchen, das Gleichgewicht zu halten.

Tausende Clips und Millionen Aufrufe im Netz

Das Ausmaß der digitalen Verbreitung ist nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung enorm. Allein auf Plattformen des Meta-Konzerns fanden sich demnach mehr als 32.000 Videos, die am Teufelsrad aufgenommen wurden. Ergänzend dazu zirkulieren Tausende weitere Clips auf Diensten wie YouTube und TikTok.

Voyeuristische Teufelsrad-Videos vom Oktoberfest: Wer steckt dahinter? | Abendschau | BR24

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks stecken hinter zahlreichen dieser voyeuristischen Veröffentlichungen Akteure aus Bayern sowie dem Ausland. Die Betreiber nutzen die Clips entweder für den teuren Verkauf oder setzen sie gezielt ein, um die Reichweite kommerzieller Social-Media-Accounts zu vergrößern. Die erfolgreichsten, mittlerweile gelöschten Videos dieser Profile erzielten zusammen mehrere hundert Millionen Aufrufe. Eine offizielle Bestätigung von Ermittlungsbehörden liegt für diese Reichweitenzahlen bisher allerdings nicht vor.

Rechtliche Grauzonen und Hürden für die Betreiber

Seit dem 1. Januar 2021 ist das heimliche Fotografieren und Filmen des Intimbereichs in Deutschland ausdrücklich strafbar. Dennoch stoßen Schausteller und Polizei bei der Eindämmung vor Ort an deutliche Grenzen. Das Teufelsrad bietet Platz für rund 400 Menschen in einer Arena mit ständigem Publikumswechsel. Die Betreiber betonen, dass eine lückenlose Kontrolle privater Smartphones schlicht unmöglich ist.

"Sauerei": Zehntausende Upskirting-Videos vom Teufelsrad auf dem Oktoberfest
Foto: de.euronews.com

Zweimal haben die Betreiber nach eigenen Angaben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, doch die Verfahren wurden eingestellt. Neben der schieren Masse an Besuchern erschwert die Rechtslage den Zugriff: Die Strafbarkeit nach § 184k des Strafgesetzbuchs hängt maßgeblich davon ab, ob die Kamera nachweislich gezielt auf den Intimbereich gerichtet ist. Allgemeine Übersichtsaufnahmen des Fahrgeschäfts oder Situationen mit Schutzkleidung fallen oft nicht unter diesen Tatbestand.

Gegenmaßnahmen am Traditionsfahrgeschäft

Um Besucherinnen zu schützen, greifen die Verantwortlichen zu praktischen Präventionsmitteln. An den Kassen und in der Arena weisen mehrsprachige Schilder darauf hin, dass Upsirting eine Straftat darstellt und zur Anzeige gebracht wird. Ergänzend dazu gibt das Fahrgeschäft kostenlose Radlerhosen an Besucherinnen aus, die unter dem Dirndl zusätzlichen Sichtschutz bieten sollen. Hunderte solcher Hosen wurden seit dem vergangenen Jahr ausgegeben, und ständige Lieferungen sichern den Nachschub.

Zusätzlich stand das Traditionsgeschäft bereits vor dem Wiesn-Start wegen seiner äußeren Gestaltung in der Kritik. Nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle wurden Frauenfiguren am Eingang umgestaltet: Eine zuvor mit Bikini und Blütenkranz versehene Darstellung trägt nun Kleid und Schuhe.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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