Ein tödlicher Unfall mit einem E-Scooter in Wien-Liesing löst nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Forderungen nach strengeren Regeln aus. Mindestalter, Helmpflicht und eine geringere Höchstgeschwindigkeit stehen nach aktuell fünf Verkehrstoten im Jahr 2026 im Fokus der Diskussion.
Nach dem tödlichen Zusammenstoß eines 14-jährigen E-Scooter-Fahrers mit einem Lastwagen in Wien-Liesing fordert das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) weitreichende gesetzliche Verschärfungen. Wie die Organisation mitteilte, sind im Laufe des Jahres 2026 bereits mindestens fünf Menschen bei Unfällen mit Elektrokleinstfahrzeugen ums Leben gekommen. Damit ist der Wert des gesamten Vorjahres, in dem sechs Todesopfer registriert wurden, fast erreicht. Die Unfallzahlen haben sich seit dem Beginn des E-Scooter-Booms im Jahr 2019 rasant entwickelt, wie Erhebungen des KFV-IDB-Austria zeigen.
Tödlicher Unfall in Wien-Liesing und ungeklärter Hergang
Der 14-jährige Jugendliche war am Dienstagnachmittag, dem 13. Oktober 2026, gegen 14.30 Uhr mit seinem E-Scooter in der Josef-Österreicher-Gasse unterwegs. Nach ersten Zeugenbefragungen und Ermittlungen der Polizei befuhren sowohl der Bub als auch zwei hintereinanderfahrende Baustellen-Lkw die Erlaaer Straße in Richtung Atzgersdorfer Straße. Der Jugendliche dürfte auf dem Gehsteig gefahren sein und wollte die Kreuzung zur Josef-Österreicher-Gasse geradeaus überqueren. Die Lastwagen bogen in die Gasse ab, wobei der 14-Jährige von einem der Lkw seitlich erfasst und mitgeschleift beziehungsweise mit der Hinterachse überrollt wurde.

Die Berufsrettung Wien versorgte den lebensgefährlich Verletzten noch an der Unfallstelle notfallmedizinisch. Unter laufender Reanimation wurde er mit dem Rettungshubschrauber in den Schockraum eines Spitals geflogen, wo er den schweren Verletzungen erlag. Der genaue Unfallhergang blieb zunächst unklar. Laut Polizei kommen zwei Lastwagen als Unfallfahrzeuge infrage, da beide Lenker angaben, nichts von einer Kollision bemerkt zu haben. Die Spurensicherung übernahm die Untersuchung der Fahrzeuge. Der Jugendliche trug keinen Helm; am Ort des Geschehens wurden Kopfhörer gefunden.
Neunfacher Anstieg der Verletztenzahlen seit 2019
Der tragische Vorfall reiht sich in eine Entwicklung ein, die das KFV als alarmiert bewertet. Während im Jahr 2019 rund 1.200 Personen nach Unfällen mit E-Scootern in österreichischen Spitälern behandelt werden mussten, stieg diese Zahl im Jahr 2025 auf 10.200 Verletzte an. Sechs Menschen starben im vergangenen Jahr im Straßenverkehr. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV, betonte, dass keine andere Gruppe im Verkehr so gefährdet sei wie die Lenkerinnen und Lenker dieser Fahrzeuge.
Erhebungen und Beobachtungen der Organisation zeigen zudem erhebliche Mängel bei Ausrüstung und Verhalten. Unter den beobachteten Jugendlichen im Alter unter 16 Jahren waren 70 Prozent verbotenerweise ohne Kopfschutz unterwegs.
Ausserdem zeigte eine im Juni und Juli 2026 durchgeführte repräsentative Befragung von 1.210 E-Scooter-Fahrenden im Alter zwischen 14 und 75 Jahren erhebliche Wissenslücken hinsichtlich der geltenden Bestimmungen. 76 Prozent der Befragten kannten die korrekte Altersgrenze für die Helmpflicht nicht, die für alle unter 16-Jährigen gilt. Zudem wussten 20 Prozent fälschlicherweise, dass das Fahren auf Gehsteigen erlaubt sei, während 13 Prozent nicht wussten, dass die Mitnahme einer zweiten Person verboten ist. Sechs Prozent der Befragten glaubten zudem irrtümlich, Kinder bis zwölf Jahre mitnehmen zu dürfen.

Konkrete Forderungen des KFV zur Unfallreduktion
- Helmpflicht: Eine gesetzliche Verpflichtung könnte laut KFV-Angaben jährlich mehr als 1.000 Schädel-Hirn-Verletzungen in Österreich verhindern.
- Bauartgeschwindigkeit drosseln: Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit soll von 25 km/h auf maximal 20 km/h gesenkt werden, orientiert an internationalen Beispielen wie Deutschland und der Schweiz.
- Alterslimit anheben: Das derzeitige Mindestalter – in Österreich ab zwölf Jahren beziehungsweise mit freiwilliger Radprüfung bereits ab neun Jahren – soll auf ein international übliches Niveau angehoben werden.
- Zweite unabhängige Bremse: Anders als bei Fahrrädern ist für E-Scooter derzeit nur eine wirksame Bremsvorrichtung gesetzlich vorgeschrieben; gefordert werden zwei voneinander unabhängige Bremsen.
Zusätzlich verlangt das KFV eine verbesserte Aufklärung der Bevölkerung sowie den Ausbau einer qualitativ und quantitativ hochwertigen Radinfrastruktur mit ausreichend breiten Radwegen. Die Ermittlungen der Polizei zur Klärung des genauen Unfallhergangs in Wien-Liesing dauern an.
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