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Technik und Wissenschaft

Spazieren fördert kreatives Denken laut Studien

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Spazierengehen fördert laut aktuellen Studien nachweislich das kreative Denken und hilft dabei, originelle Ideen zu generieren. Forschende führen diesen Effekt auf eine Kombination aus körperlicher Bewegung, veränderten Sinneseindrücken und der Möglichkeit zum freien Gedankenwandern zurück, die das Gehirn anregt.

Historische Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Virginia Woolf, Stephen King, Henry David Thoreau und Friedrich Nietzsche schätzten das Gehen als unverzichtbaren Bestandteil ihres kreativen Prozesses. Die Wissenschaft bestätigt diese Beobachtung nun durch neuere Untersuchungen: Körperliche Bewegung steigert nicht nur die Langlebigkeit und verjüngt das Gehirn, sondern liefert auch die entscheidenden Voraussetzungen für kreatives Schaffen.

Es hilft Ihnen wirklich dabei, Ideen zu generieren, neuartige Ideen, originelle Ideen, erklärte Alex Thabane, Forscher an der McMaster University und Hauptautor einer Metaanalyse, die den Zusammenhang zwischen Gehen und Kreativität untersuchte.

Divergentes Denken durch Bewegung

Eine im Mai in PLOS ONE veröffentlichte Metaanalyse von 23 Studien – darunter Untersuchungen mit der Methode der alternativen Verwendung (Alternate Uses Task) – ergab, dass Gehen einen großen Effekt auf die Verbesserung des divergenten Denkens hat. Bei dieser kognitiven Fähigkeit geht es darum, neue und nützliche Verwendungszwecke für alltägliche Gegenstände zu finden, wie etwa Zeitungen, die sich als Hüte, Boote oder Flugzeuge nutzen lassen.

Allerdings zeigte sich in den Studien ein deutlicher Unterschied zwischen den kognitiven Mechanismen. Es ist also nicht besonders effektiv dabei, Ihre Fähigkeit zu verbessern, diese Ideen zu bewerten, erläuterte Hauptautor Thabane mit Blick auf das sogenannte konvergente Denken.

Wie sich Menschen im Alltag bewegen, beeinflusst ebenfalls ihre Ideenfindung. Dies zeigte eine Studie aus dem Jahr 2024, bei der Forschende die körperliche Aktivität von 157 jungen Erwachsenen über einen Zeitraum von fünf Tagen überwachten. Die Teilnehmenden erhielten während ihres normalen Alltags modifizierte Kreativitätsfragen. Dabei zeigte sich, dass sowohl kurzfristiges als auch langfristiges Gehen mit besserer Kreativität einherging. Wer kurz vor der Beantwortung mehr Schritte machte, lieferte originellere Antworten. Personen, die sich generell mehr bewegten, produzierten zudem insgesamt mehr kreative Einfälle.

Psychologische und physiologische Effekte des Gehens

Christian Rominger, Postdoktorand für Psychologie an der Universität Hildesheim und Hauptautor der Studie aus dem Jahr 2024, bezeichnet diese mentalen Prozesse als die kleinen Dinge, die die Bausteine der Kreativität im großen Stil sein könnten. Eine in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung von Rominger und seinen Kollegen belegte zudem, dass mehr körperliche Aktivität mit häufigeren kreativen Tätigkeiten wie Kochen, Musik und darstellenden Künsten sowie mit höheren kreativen Errungenschaften korreliert.

Warum genau Gehen die Kreativität anregt, ist noch nicht vollständig geklärt, beruht jedoch nach Ansicht von Experten auf psychologischen und physiologischen Faktoren. Das Aufstehen und Weggehen schaffe ein wenig Abstand zum aktuellen Problem, so Thabane. Dies gebe die Gelegenheit zum freien Gedankenwandern und dazu, Dinge unstrukturiert zu betrachten.

Zudem steigert Bewegung die Durchblutung des Gehirns und verbessert die Stimmung. Langfristig fördert körperliche Aktivität zudem die Ausschüttung des Proteinfaktors BDNF (brain-derived neurotrophic factor), welcher für die Neuroplastizität und das Wachstum neuer Neuronen von Bedeutung ist und den Schlaf verbessert.

Die Bedeutung der Bewegungsfreiheit im Experiment

Wie stark die Art der Fortbewegung das Ergebnis beeinflusst, zeigten Experimente zur Raumnutzung. Wenn Versuchspersonen auf einem festgelegten Pfad in einem leeren Büro auf und ab gehen mussten, entwickelten sie weniger originelle Ideen als jene, die sich frei im Raum bewegen durften. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich im Sitzen: Wer starr auf einen festen Punkt an einem Bildschirm blicken musste, schnitt bei Kreativitätstests schlechter ab als Teilnehmende, die bequem und frei sitzen durften.

Wir haben uns nicht für das Sitzen entwickelt; wir haben uns für die Bewegung entwickelt.

Barbara Händel, Kognitionsneurowissenschaftlerin

Ob bei der Suche nach Nahrung oder Unterkunft, beim Lernen, Wahrnehmen oder Erinnern: All das geschah meist während der Bewegung, erklärte die kognitive Neurowissenschaftlerin Barbara Händel, die als leitende Autorin an einer entsprechenden Studie aus dem Jahr 2022 beteiligt war. Das menschliche Denken sei demnach tief im motorischen System verwurzelt, und auch die Verarbeitung von visuellen, auditiven und taktilen Sinneseindrücken verändere sich durch die Fortbewegung grundlegend.

Für den Alltag raten Forschende daher dazu, die leicht zugängliche Methode des Gehens bei mentalen Blockaden zu nutzen. Ein Spaziergang in der Natur kann dabei helfen, die Aufmerksamkeit zu regenerieren, doch bereits ein kurzer Gang im Haus oder Büro reicht laut Studien aus, um festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. Wichtig sei lediglich, ein Smartphone oder einen Notizblock mitzunehmen, um die Einfälle festzuhalten, bevor sie verblassen, da man während des Gehens nicht direkt am Schreibtisch arbeiten kann, wie Rominger anmerkt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.