Mehr als 70 Millionen US-Amerikaner erhalten im kommenden Jahr eine Rentenerhöhung von 3,6 Prozent. Die Anpassung der Sozialversicherungsleistungen für 2027 fällt damit so stark aus wie seit vier Jahren nicht mehr, stößt bei Rentnern und Verbänden jedoch auf anhaltende Kritik angesichts drastisch gestiegener Lebenshaltungskosten.
Die Social Security Administration (SSA) hat am Mittwoch die offizielle Inflationsanpassung für das Jahr 2027 bekannt gegeben. Der sogenannte Cost-of-Living-Adjustment (COLA) bringt berechtigten Rentnern und Beziehern von Erwerbsminderungsrenten im Januar ein durchschnittliches Plus von rund 75 US-Dollar pro Monat ein. Damit klettert der durchschnittliche Scheck für pensionierte Arbeiter von 2,087.52 US-Dollar auf 2,162.67 US-Dollar, wie die Agentur und USA Today berichten.
Die Erhöhung um 3,6 Prozent ist die höchste seit 2023 und übertrifft den Wert des Vorjahres, der bei 2,8 Prozent lag. Dennoch bleibt die reale Entlastung für viele Haushalte überschaubar, da steigende Ausgaben für Gesundheit und Energie den Zuwachs schnell wieder aufzehren.
Steigende Krankenkassenprämien dämpfen den Zuwachs
Für Rentner in der traditionellen Medicare-Versicherung droht ein beträchtlicher Teil der Erhöhung direkt wieder zu verschwinden. Die standardmäßige Prämie für Medicare Part B, die direkt von den Rentenzahlungen abgezogen wird, soll nach Prognosen der Programmtreuhandleute um 6.60 US-Dollar pro Monat steigen.
In der Praxis bedeutet dies, dass von der Bruttoerhöhung nach Abzug der Krankenversicherung für viele Senioren nur ein geringer Nettobetrag übrig bleibt. Experten verweisen darauf, dass die Teuerungsrate bei medizinischen Leistungen und Medikamenten traditionell stärker steigt als die allgemeine Inflation.
Kritik von Verbänden und Debatte über den Inflationsindex
Sozialexperten und Interessenvertretungen kritisieren seit Jahren, dass die Berechnungsmethode für den COLA die realen Ausgaben älterer Menschen nicht adäquat abbildet. Die Anpassung stützt sich auf den Verbraucherpreisindex für städtische Lohnempfänger und Büroangestellte (CPI-W), der die Konsumgewohnheiten von Berufstätigen widerspiegelt, jedoch den höheren Bedarf von Rentnern an medizinischer Versorgung vernachlässigt.
Nancy Altman, Präsidentin der Organisation Social Security Works, erklärte per E-Mail, dass viele Menschen unter den aktuellen Preisen leiden und der Zuwachs die tatsächlichen Teuerungsraten nicht ausgleicht. Ähnlich äußerte sich Shannon Benton von der Senior Citizens League, die darauf hinweist, dass die Inflationswelle der vergangenen Jahre bei Energie, Lebensmitteln und Benzin – angetrieben unter anderem durch den Krieg im Iran – das verfügbare Einkommen massiv geschmälert hat.
Der zuständige Administrator der Behörde, Frank Bisignano, kündigte das Paket an, während Führungspersönlichkeiten wie Max Richtman vom National Committee to Preserve Social Security and Medicare für die Verwendung des Index für ältere Verbraucher (CPI-E) plädieren, um die tatsächlichen Kosten von Senioren exakter abzubilden. AARP-Chef Myechia Minter-Jordan betonte angesichts der Befragung von 1.023 älteren Erwachsenen im September, dass ein Fünftel der älteren Bevölkerung über keinerlei Altersgeld verfügt und finanzielle Unsicherheiten zunehmen.
Zeitplan für die Auszahlung und die kommenden Fristen
Empfänger müssen für die Anpassung keinen Antrag stellen. Die Social Security Administration informiert Berechtigte im Dezember per Post über ihre neuen Bezüge. Wer ein Online-Konto führt, kann die Mitteilung bereits im November einsehen.
- 18. November 2026: Frist zur Einrichtung eines Online-Kontos für papierlose Mitteilungen.
- Ende November 2026: Online-Verfügbarkeit der COLA-Bescheide und der neuen Medicare-Prämie im Postfach.
- Früher Dezember 2026: Versand der offiziellen Mitteilungen per Post.
- 31. Dezember 2026: Auszahlung der erhöhten SSI-Leistungen für Januar 2027, da der Neujahrstag ein Bundesfeiertag ist.
- Januar 2027: Reguläre Rentenzahlungen mit dem neuen Anpassungssatz von 3,6 Prozent treffen gestaffelt nach Geburtsdatum ein.
Ungeachtet der aktuellen Erhöhung blickt das Rentensystem langfristig auf finanzielle Hürden. Ohne gesetzliche Neuregelungen werden alle Social-Security-Empfänger im Jahr 2032 eine Leistungskürzung von mehr als 20 Prozent erleben.
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