Zum Inhalt springen
Gesundheit

PROFILE-Studie: Top-down-Therapie reduziert Operationen bei Morbus Crohn

Fünfjahresergebnisse der britischen PROFILE-Studie zeigen, dass eine frühzeitige top-down-Therapie mit Infliximab und einem Immunmodulator bei neu diagnostiziertem Morbus Crohn Komplikationen und Operationen langfristig deutlich stärker reduziert als eine klassische Step-up-Strategie.

Erwachsene mit einer neu diagnostizierten, mittelschweren bis schweren Form von Morbus Crohn profitieren langfristig von einem sofortigen Behandlungsbeginn mit einem TNF-Hemmer. Dies belegen die Langzeitdaten der britischen PROFILE-Studie, die in The Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht wurden. Während die bisher in der Praxis übliche Eskalationsstrategie zunächst mit Glukokortikoiden und erst bei weiterem Bedarf mit Immunmodulatoren oder Biologika arbeitet, setzt der konsequente Top-down-Ansatz direkt nach der Diagnosestellung auf eine Kombinationstherapie aus Infliximab und einem Immunmodulator.

Langfristige Ergebnisse der PROFILE-Studie zu Operationen und Klinikaufenthalten

An der multizentrischen, offenen und randomisierten Studie an 40 Krankenhäusern in Großbritannien nahmen ursprünglich 389 Patienten im Alter von 16 bis 80 Jahren teil. Nach dem Ausschluss von drei Personen aufgrund mangelnder Eignung wurden jeweils 193 Betroffene per Zufallsprinzip der Top-down-Gruppe oder der Step-up-Gruppe zugeteilt. Nach Ablauf der ersten 48 Wochen wechselten die Teilnehmer in die reguläre lokale Standardversorgung.

PROFILE-Studie: Top-down-Therapie reduziert Operationen bei Morbus Crohn
Foto: sciencedirect.com

Im Beobachtungszeitraum, der im Median etwa fünf Jahre betrug, zeigte sich ein deutlicher Unterschied bei chirurgischen Eingriffen. In der Step-up-Gruppe kam es zu 28 morbus-crohn-bedingten Abdominaloperationen bei insgesamt 26 Patienten. In der Top-down-Gruppe hingegen mussten lediglich sechs Operationen bei sechs Patienten vorgenommen werden. Die statistische Auswertung ergab eine angepasste Hazard Ratio für Operationen von 5,23 zugunsten des sofortigen Behandlungsansatzes. Auch bei stationären Aufnahmen zeigte sich ein klarer Vorteil: 21 Prozent der Patienten aus der Step-up-Gruppe wurden im Verlauf wegen ihrer Erkrankung im Krankenhaus behandelt, verglichen mit 11 Prozent in der Gruppe mit frühzeitigem TNF-Hemmer-Einsatz.

Komplikationen und Krankheitsverlauf im Fünfjahresvergleich

Neben Operationen und Klinikaufenthalten untersuchten die Verantwortlichen auch das Auftreten von strukturellen Komplikationen wie fistulierenden oder stenosierenden Verläufen. Eine solche Progression zu B2- oder B3-Komplikationen trat bei 17 Prozent der Patienten aus der langsamen Eskalationsgruppe auf, aber nur bei 7 Prozent der Patienten unter der Top-down-Therapie. Die Zeit bis zum Eintreten solcher Komplikationen verlief in der Step-up-Gruppe signifikant schneller.

BehandlungsstrategiePatientenanzahl (Studie)Crohn-bedingte OperationenKlinikaufenthalteProgression zu B2/B3-Komplikationen
Top-down (Infliximab + Immunmodulator)1936 Operationen (6 Patienten)22 Patienten (11 %)13 Patienten (7 %)
Step-up (konventionelle Eskalation)19328 Operationen (26 Patienten)41 Patienten (21 %)32 Patienten (17 %)

Die absolute Risikoreduktion für chirurgische Eingriffe lag bei 10 Prozent. Daraus errechnet sich über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren eine geschätzte notwendige Anzahl an zu behandelnden Patienten von neun. Die Daten stützen laut den Auswertungen die Annahme, dass der frühe Einsatz der Medikamente eine modifizierende Wirkung auf den langfristigen Krankheitsverlauf hat.

PROFILE-Studie: Top-down-Therapie reduziert Operationen bei Morbus Crohn
Foto: scopeforward.com

Sicherheitsdaten und unerwünschte Ereignisse nach fünf Jahren

Hinsichtlich schwerer Infektionen und Krebserkrankungen gab es zwischen den beiden Studienarmen keine statistisch auffälligen Unterschiede. Schwere Infektionen traten bei 12 Patienten der Step-up-Gruppe und bei 14 Patienten der Top-down-Gruppe auf. Malignome wurden bei fünf beziehungsweise drei Patienten registriert. Die Verfasser weisen jedoch darauf hin, dass die Studie nicht speziell darauf ausgerichtet war, langfristige Unterschiede bezüglich der Sicherheit abschließend zu bewerten.

Fast alle Studienteilnehmer erhielten im Laufe der Nachbeobachtung schließlich immunmodulatorische oder biologische Therapien – in der Step-up-Gruppe waren es 89 Prozent und in der Top-down-Gruppe 99 Prozent. Dennoch verdeutlicht der frühe Beginn in der Top-down-Gruppe laut den Fachleuten einen nachhaltigen Nutzen, der das Fortschreiten der Erkrankung langfristig eindämmt.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.