NHS England startet eine Studie zu Krebstests mit Blutproben in rund 200 Arztpraxen. Über 20.000 Patientinnen und Patienten ab 45 Jahren mit Symptomen sollen so schneller Klarheit erhalten und Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder der Leber früher entdeckt werden.
Das Projekt namens STRIDE-RCT läuft vom November 2026 bis Oktober 2031 unter der Leitung der University of Birmingham. Die britischen Gesundheitsbehörden testen den Einsatz von Multiplex-Bluttests in der Primärversorgung. Ziel ist es, Krebserkrankungen des Bauchraums, die wegen unklarer Beschwerden oft spät auffallen, durch Biomarker-Analysen früher zu erkennen.
Früherkennung von Bauchraum-Tumoren
Symptome wie Schmerzen, Blähungen oder Verdauungsprobleme lassen sich leicht mit harmlosen Erkrankungen verwechseln. Die Früherkennung von Krebserkrankungen im Abdomen gilt in der Medizin als besonders anspruchsvoll.
Rund 71.000 Menschen erhalten in England jährlich die Diagnose Bauchspeicheldrüsen-, Magen-, Leber-, Eierstock- oder Darmkrebs, wobei fast 35.000 Patienten an diesen Leiden sterben. Prof. Peter Johnson, nationaler klinischer Direktor für Krebs beim NHS England, beschrieb die Situation der Früherkennung von Bauchraumkrebs als notoriously difficult
.
Ziele der STRIDE-RCT-Studie
Das Verfahren untersucht das Blut auf Proteine und DNA-Fragmente, die auf Tumoren hinweisen können. Teilnehmende Patientinnen und Patienten geben in ihrer Praxis ein bis zwei Blutproben ab, die parallel zu ohnehin anfallenden Routineuntersuchungen abgenommen werden.
Neben der Treffsicherheit soll die Methode auch Aufschluss über den Ursprungsort im Körper geben. Das Untersuchungsspektrum umfasst insgesamt 13 Krebsarten, darunter Darmkrebs, Magen-, Speiseröhren-, Nieren- und Blasenkrebs sowie Prostatatumoren.
Gesundheitsministerin Yvette Cooper äußerte die Erwartung, dass derartige Blutuntersuchungen dazu beitragen, Patienten mit dringendem Untersuchungsbedarf rascher zu identifizieren. Michelle Mitchell von der Organisation Cancer Research UK betonte den praktischen Nutzen für die Praxen.
Hausärzte brauchen schon lange bessere Instrumente, um mit dieser Ungewissheit umzugehen, indem sie erkennen, welche Patienten weitere Untersuchungen benötigen, und diese Studie in England ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung dieses Bedarfs.
Michelle Mitchell, Cancer Research UK
Frühere NHS-Studien
Mehr als 142.000 Personen nahmen an einer früheren Untersuchung des NHS mit dem Test Galleri teil. Das Konzept eines blutbasierten Screening-Verfahrens für mehrere Krebsarten ist im britischen Gesundheitssystem bereits erprobt worden.
Zwar zeigte sich dort keine allgemeine Reduktion der Diagnosezahlen in fortgeschrittenen Stadien, doch berichteten die Forscher über weniger Diagnosen im Stadium 4 in späteren Screening-Runden.
Die NHS-Galleri-Studie bewertete den klinischen Nutzen bei Teilnehmern im Alter von 50 bis 77 Jahren in England. Nach den Basisblutabnahmen wurden die Teilnehmer im Verhältnis 1:1 entweder der Interventionsgruppe mit Bluttests oder der Kontrollgruppe mit gelagerten Proben zugewiesen.
Von den randomisierten Teilnehmern kehrten 64.888 (91,2 %) beziehungsweise 65.066 (91,5 %) für die zweite und 62.867 (88,4 %) beziehungsweise 63.101 (88,7 %) für die dritte jährliche Blutabnahme zurück.
Nach drei Untersuchungsrunden zeigte sich, dass dieser zusätzliche Bluttest die Häufigkeit von Krebsdiagnosen in den Stadien III und IV bei zwölf vorgegebenen Krebsarten nicht signifikant senkte.
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