Ein neues Modell der staatlichen Altersvorsorge könnte für Sparer über Jahrzehnte hinweg einen Unterschied von rund 149.500 Euro ausmachen. Das Altersvorsorgedepot, das am 1. Januar 2027 als Alternative zur bisherigen Riester-Rente eingeführt wird, setzt auf eine stärkere Ausrichtung am Kapitalmarkt durch Investitionen in ETFs, Aktienfonds und Anleihen.
Höhere Förderbeträge und neue Zulagenstruktur ab 2027
Das neue Regelwerk, das der Bundesrat im Mai dieses Jahres final verabschiedete, verändert die finanzielle Unterstützung für die private Vorsorge grundlegend. Während die bisherige Riester-Zulage fix bei 175 Euro pro Jahr lag, sieht das neue Modell eine gestaffelte Grundzulage von bis zu 540 Euro vor. Diese berechnet sich aus 50 Cent pro Euro für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag sowie 25 Cent auf weitere Zahlungen bis zu einer Grenze von 1.800 Euro. Wer jährlich 1.800 Euro einzahlt, erhält die volle Zulage von 540 Euro, unabhängig vom Einkommen.
Zusätzlich zu der Grundzulage sieht das Gesetz neue Anreize für Familien und Berufseinsteiger vor:
- Eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr ist vorgesehen, laut NTV.
- Ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro ist für Personen vorgesehen, die vor ihrem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließen, laut Ad Hoc News.
Über die 1.800 Euro hinaus sind Einzahlungen in einen Altersvorsorgevertrag bis zu einer Höhe von 6.840 Euro möglich, wobei sich die Zulage dadurch nicht erhöht. Die Förderung wird nur für einen Vertrag mit einem Zertifikat des Bundeszentralamtes für Steuern gewährt.
Renditechancen durch den Wegfall starrer Garantien
Ein wesentlicher Unterschied zum bisherigen System ist die Abkehr von der Pflicht zur starren Beitragsgarantie. Das neue Depot ermöglicht Investitionen in OGAW bis zur Risikoklasse 5, wobei die Anlageprodukte eine Aktienquote von bis zu 100 Prozent aufweisen können. Eine Positivliste schließt Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte aus. Da es für das reine Depotmodell keinen gesetzlichen Kapitalschutz gibt, birgt das Modell höhere Marktrisiken, eröffnet aber laut Brigitte größere Renditechancen am Kapitalmarkt.

Die Auswirkungen der veränderten Anlagestrategie werden in Modellrechnungen deutlich. Eine von Merkur aufgeführten Berechnung für eine kinderlose Sparerin mit einem Bruttojahreseinkommen von rund 49.400 Euro und einer monatlichen Einzahlung von 150 Euro zeigt folgende Ergebnisse nach 30 Jahren bei einer angenommenen jährlichen Rendite von drei Prozent nach Kosten:
| Modell | Kapital nach 30 Jahren (ca.) |
|---|---|
| Bisheriges Riester-Modell | 95.300 Euro |
| Neues Altersvorsorgedepot | 149.500 Euro Vorsprung gegenüber Riester |
Laut Raisin entfallen bei diesem Vorsprung nach 30 Jahren etwa 37.100 Euro auf die höhere staatliche Förderung und 112.400 Euro auf die angenommenen Rendite- und Kostenvorteile. Es wird jedoch betont, dass die Rendite von 7,4 Prozent eine Modellannahme ist und keine garantierte Rendite darstellt, da Aktienkurse schwanken und Verluste bringen können.
Ein weiterer Kostenfaktor sind die Effektivkosten. Bei Effektivkosten von 0,6 Prozent beläuft sich ein Betrag auf rund 133.000 Euro, während er bei einem Prozent bei rund 124.000 Euro liegt, so n-tv.de. Das ist eine Scheinsicherheit
Kim Felix Fomm, Chief Investment Officer bei Raisin.
. Er merkte an, dass die Inflation über Jahrzehnte die Kaufkraft mindere.

Vorgehen für bestehende Riester-Verträge
Das angesparte Kapital geht nicht verloren und wird nicht automatisch in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Sparer können ihre Verträge grundsätzlich weiterführen. Ein Übertrag des bestehenden Guthabens auf einen anderen Riester-Vertrag oder in das neue Depot ist möglich.
Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gab zu bedenken, dass Altverträge mit einem hohen Garantiezins von beispielsweise 3,25 Prozent weiterhin sinnvoll sein können. Er rät zudem dazu, die Kosten des Vertrags mit dem vorhandenen Guthaben zu vergleichen. Bei einem Guthaben von 20.000 Euro und abgezogenen Kosten von 400 Euro läge der Preis bei zwei Prozent pro Jahr, was er als natürlich viel zu teuer
bezeichnete, da man mit einem Depot deutlich günstiger vorsorgen könne. Er warnt jedoch vor einer Kündigung, da man sonst die gesamte Förderung zurückzahlen müsste.
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät dazu, bestehende Verträge erst nach der Einführung des neuen Modells detailliert zu prüfen, so der NDR. Dafür gibt es aus unserer Sicht keinen Anlass
. Sie empfiehlt, konkrete Angebote abzuwarten und diese sorgfältig zu vergleichen. Zudem sei es möglich, ein Altersvorsorgedepot erst Ende 2027 abzuschließen, da die Förderung nicht pro Monat, sondern nach der Summe der im Kalenderjahr eingezahlten Eigenbeiträge berechnet wird.

Für die Ansparphase fallen im neuen Depot keine Steuern auf Kapitalerträge, Vorabpauschalen oder Umschichtungen an, was den Zinseszinseffekt begünstigt.