Netflix hat seinen Chief Content Officer Bela Bajaria nach fast zehn Jahren überraschend abgelöst und durch den früheren Disney- und Fox-Manager Peter Rice ersetzt. Der Wechsel vom 16. Oktober 2026 folgt auf einen massiven Stellenabbau und anhaltende Sorgen um das schwächelnde Zuschauerengagement in Nordamerika.
Die Nachricht traf die bisherige Content-Chefin in Hollywood völlig unvorbereitet. Co-CEO Ted Sarandos zog damit die Reißleine nach einem schwierigen Jahr für den Streaming-Primus. Erst kurz vor einer VIP-Präsentation im Oktober 2026 erfuhr sie von ihrer Entlassung, obwohl ihr in den Wochen zuvor mehrfach versichert worden war, dass ihr Arbeitsplatz sicher sei.
Bela Bajaria muss nach einem Jahrzehnt weichen
Bela Bajaria prägte das Gesicht von Netflix über ein Jahrzehnt hinweg nachhaltig. Im Jahr 2016 gestartet, stieg sie im Januar 2023 zur globalen Content-Chefin auf. Unter ihrer Ägide verantwortete sie ein Content-Budget von rund 20 Milliarden US-Dollar und steuerte Welthits wie Stranger Things
, Bridgerton
und Squid Game
.
Doch die aggressive Ausrichtung auf breite Massenunterhaltung hinterließ Spuren. Kritiker bemängelten eine Strategie nach dem Motto Masse statt Klasse. Noch schwerer wogen jedoch die Einbußen beim Zuschauerengagement. Während internationale Märkte zulegten, geriet der so wichtige Heimatmarkt in den USA und Kanada ins Stocken.
Peter Rice übernimmt die Leitung des Content-Bereichs
Mit Peter Rice holt Netflix einen der erfahrensten traditionellen Fernsehmanager zurück ins Rampenlicht. Rice leitete zuvor als Chairman den Bereich Walt Disney Television und war davor Präsident von Fox Searchlight Pictures. In seiner Zeit bei Searchlight verantwortete er den Kinostart von gefeierten Erfolgen wie Slumdog Millionaire
, Juno
und Little Miss Sunshine
.
Der Branchenkenner tritt seine neue Position am 26. Oktober 2026 an. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin bringt Rice keinerlei direkte Erfahrung im Streaming-Geschäft mit, verfügt dafür jedoch über profundes Wissen im traditionellen Broadcast- und Kinogeschäft. Marktbeobachter werten diesen Schritt als Abkehr vom reinen Algorithmus-Kurs hin zu klassischem Gespür für populäre Programminhalte. Alicia Reese erklärte laut einer Notiz von Wedbush: Selbst wenn das nicht zutrifft, passt Rices Erfahrung gut, da Netflix stärker ins Kinogeschäft drängt und eine breitere Plattform mit abwechslungsreichen Inhalten über das gesamte Unterhaltungsökosystem hinweg aufbaut.
Tausend Stellen werden beim Streaming-Dienst gestrichen
Der Chefwechsel ist nur der vorläufige Höhepunkt einer turbulenten Woche bei dem in Los Angeles ansässigen Unternehmen. Wenige Tage vor der Bekanntgabe des Führungswechsels teilte die Unternehmensführung der Belegschaft mit, dass rund 1.000 Mitarbeiter und damit etwa 6 Prozent der gesamten Belegschaft entlassen werden. Es ist der größte Stellenabbau des Konzerns seit dem Jahr 2022, in dem Netflix erstmals seit über zehn Jahren einen rückläufigen Quartalsumsatz bei den Abonnenten verzeichnete.
| Finanz- und Marktkennzahlen im Überblick | Wert |
|---|---|
| Globales Content-Budget | ca. 20 Milliarden US-Dollar |
| Geplante Stellenstreichungen | ca. 1.000 Mitarbeiter (6 %) |
Die wirtschaftliche Anspannung spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der im Jahresverlauf um fast 40 Prozent nachgegeben hat. Analysten wie Steven Cahall von Wells Fargo verwiesen darauf, dass bahnbrechende Hits für die Wiederbelebung des Aktienkurses unerlässlich sind. Gleichzeitig schaut die Wall Street gespannt auf die Quartalszahlen, die das Management für Dienstag, den 20. Oktober 2026, angekündigt hat. Dort wird sich zeigen, ob die jüngsten Preiserhöhungen im Heimatmarkt ausreichten, um das Wachstum wieder anzukurbeln.
Der Konkurrenzdruck im veränderten Medienmarkt steigt
Die Umstrukturierung findet in einem stark veränderten Medienumfeld statt. Während traditionelle Anbieter ihre Streaming-Dienste konsolidieren, drängen Konkurrenten wie Skydance mit ambitionierten Übernahmen und Sportrechten massiv auf den Markt. Auch die Verschiebung des Medienkonsums hin zu mobilen Plattformen wie TikTok und YouTube setzt den klassischen Abonnement-Modellen zu.

Ob Peter Rice das Ruder herumreißen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob es ihm gelingt, das Vertrauen der Kreativen in Hollywood zurückzugewinnen und die Qualität der US-amerikanischen Serienangebote zu steigern. Neben der Neuausrichtung des Fernsehgeschäfts steht vor allem die Zukunft der Filmabteilung unter der Leitung von Dan Lin auf dem Prüfstand, da Branchenkreise auch hier mit personellen Veränderungen rechnen. Alle Augen richten sich nun auf den kommenden Dienstag, an dem das Unternehmen seine Geschäftszahlen vorlegt.
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