Die für Oktober geplanten Konzerte des US-Rappers Kanye West, der als Ye auftritt, in der russischen Metropole St. Petersburg sind offiziell abgesagt worden. Konzertveranstalter Say Agency kündigte Ticketrückerstattungen an, während die russische Wirtschaftszeitung Kommersant Ermittlungen der Behörden wegen möglichen Betrugs meldete.
Aus den Plänen für zwei groß angelegte Auftritte von Kanye West in Russland ist endgültig nichts geworden. Ticketkäufer sollen demnach ab dem 12. Oktober ihre Auslagen erstattet bekommen.
Die Dimension der Veranstaltung hatte im Vorfeld für enorme Aufmerksamkeit gesorgt. Geplant waren die Auftritte in der bekannten Gazprom Arena, die rund 80.000 Zuschauern Platz bietet. Als die Termine öffentlich wurden, setzte in Russland ein regelrechter Ansturm auf Reiseverbindungen in die Stadt an der Neva ein, wobei die günstigsten Tickets innerhalb kürzester Zeit vergriffen waren.

Vertragsstreitigkeiten und behördliche Ermittlungen in St. Petersburg
Hinter den Kulissen kriselte das Projekt bereits seit Wochen. Bereits Mitte September waren die Konzerttermine von der offiziellen Tourliste des Musikers verschwunden. Die Betreiber der Gazprom Arena hatten kurz nach der Ankündigung im August erklärt, dass gar keine gültigen Verträge für die Shows vorlägen, womit ein Auftritt auf dem Gelände ausgeschlossen war.
Die Lage spitzte sich rechtlich weiter zu. Berichten der Wirtschaftszeitung Kommersant zufolge haben russische Behörden inzwischen Ermittlungen gegen die Veranstalter wegen des Verdachts auf möglichen Betrug eingeleitet. Lokale Medien spekulierten zudem über politischen Druck hinter den Kulissen, der zum Scheitern der Konzerte beigetragen haben könnte.
Kontroverse Reaktionen und politischer Gegenwind
Die angekündigten Auftritte hatten in Russland eine Welle kontroverser Debatten ausgelöst. Einige Abgeordnete werteten das geplante Event als einen Sieg über die sogenannte anti-russische Hysterie
, während Kritiker auf die rassistischen und antisemitischen Entgleisungen des US-Rappers verwiesen wie n-tv anmerkte. West hatte in der Vergangenheit unter anderem durch Sympathiebekundungen für Adolf Hitler für Entsetzen gesorgt.
Der Musiker war in den letzten Jahren wiederholt wegen solcher Äußerungen international unter Druck geraten. Konzertabsagen trafen ihn unter anderem in Italien und bei Auftritten in weiteren europäischen Ländern. T-Online berichtete, dass dem Rapper zuletzt sogar von der britischen Regierung die Einreise verweigert wurde, wodurch ein dortiger Festivalauftritt platzte.

„Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit.
Kanye West, Musiker
US-Rechtsstreitigkeiten und internationale Tourneeprobleme
Neben den Problemen in Europa und Russland ist West auch in den Vereinigten Staaten in juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Allhiphop berichtete, dass ein ehemaliger Sicherheitsangestellter seiner Donda Academy, Benjamin Provo, den Rapper auf rund 23 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagt. Die Klage umfasst Vorwürfe der rassistischen Diskriminierung. Die juristischen Vorbereitungen wurden zusätzlich erschwert, da der frühere Stabschef des Rappers, Milo Yiannopoulos, von den US-Einwanderungsbehörden abgeschoben wurde.
Trotz der geplatzten Konzerte in Russland bleiben die weltweiten Tourpläne des umstrittenen Künstlers in Bewegung. Eine türkische Agentur, die bereits Wests Auftritt in Istanbul organisiert hatte, listete auf ihrer Website ein mögliches Datum für ein Konzert in Moskau im Juli 2027. Auch das Moskauer Luzhniki Stadium signalisierte grundsätzlich Bereitschaft, den Rapper zu empfangen, falls andere Veranstaltungsorte ausfallen sollten.
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