Indonesien kämpft gegen seine schlimmste Waldbrandsaison seit einem Jahrzehnt, die einen giftigen Dunst über Südostasien ausbreitet, der die Luftverschmutzung in Singapur auf den höchsten Stand in diesem Jahr ansteigen ließ, Schulschließungen in Osttimor erzwang und dringende Forderungen nach diplomatischem Handeln der Region auslöste.
Die schwersten Waldbrände seit einem Jahrzehnt in Indonesien belasten derzeit die gesamte Region südostasiatischer Staaten. Laut Berichten aus den betroffenen Gebieten kämpfen Einsatzkräfte vor Ort gegen die anhaltenden Brandherde auf Sumatra und Kalimantan, während eine dichte und giftige Rauchwolke Millionen Menschen in Mitleidenschaft zieht. Die Luftverschmutzung hat in zentralen Regionen Kalimantans gesundheitsgefährdende Werte erreicht und zu Hunderttausenden von Atemwegserkrankungen geführt, wie die BBC von vor Ort im Zentrum Kalimantans berichtete, wo die Werte laut Liza Tambunan auf gefährliche Niveaus gefallen sind.
Die Krise wird durch das Wetterphänomen El Niño verstärkt, das eine langanhaltende Trockenheit begünstigt und laut dem Direktor des regionalen Büros der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) für den asiatisch-pazifischen Raum, Ben Churchill, beim Treffen im WMO-Büro in Tai Seng (unter Berufung auf die Zeitung ST Singapur
) nicht so bald enden wird. Churchill betonte, die Krise könne sich noch über Wochen oder Monate hinziehen, bis sich der Wind drehe und Niederschläge einsetzen.
Auswirkungen in Singapur und Osttimor
Der Rauch hat sich weit über die Landesgrenzen hinaus ausgebreitet und Nachbarstaaten schwer getroffen. In Singapur kletterten die Messwerte für Feinstaubpartikel im westlichen Teil des Inselstaates auf einen Tageshöchstwert von 284 Mikrogramm pro Kubikmeter – der höchste Stand des laufenden Jahres und das erste Mal in dieser Saison, dass der sogenannte sehr hohe Bereich des National Environmental Agency erreicht wurde, wie NBC News die Daten der Umweltbehörde bestätigte. Singapur verzeichnete zudem 13 aufeinanderfolgende Tage mit gesundheitsschädlicher Luftqualität, was unter anderem den Betrieb von Wassersportanlagen in Kallang zum Erliegen brachte, während die dortige Ministerin für Nachhaltigkeit und Umwelt, Grace Fu, die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrief.

Weit im Süden sah sich auch die Regierung Osttimors zu drastischen Schritten gezwungen. Der Inselstaat setzte den regulären Präsenzunterricht an den Schulen für drei Tage aus, da die Luft durch Schadstoffpartikel aus Nachbarregionen stark belastet war. Ähnliche Schulschließungen gab es den Berichten zufolge auch in mehreren Bundesstaaten Malaysias.
Einsatz von Zehntausenden Kräften und neue Methoden
Die indonesische Regierung reagierte auf den wachsenden Druck mit der Mobilisierung zusätzlicher Kapazitäten. Auf einer Pressekonferenz erklärte Honi Havana vom Koordinierungsministerium für politische und Sicherheitsangelegenheiten, dass Jakarta inzwischen mehr als 69.000 Feuerwehrleute im Einsatz habe – eine deutliche Steigerung gegenüber den rund 44.000 Kräften Mitte September.
Honi Havana erklärte gegenüber NBC News: „Wir mobilisieren alle unsere Ressourcen und Fähigkeiten.
Zusätzlich testet die Regierung spezielle Chemikalien, um die Brände effektiver zu bekämpfen; zudem bot Singapur dem indonesischen Umweltminister Jumhur Hidayat zivile Hilfe und Wolkenimpfungstechnologie an. Dennoch erweisen sich vor allem die unterirdisch glimmenden Torfbrände als zählebig, die sich jederzeit neu entfachen können. Regierungsvertreter betonen, dass letztlich nur anhaltender Landregen die Situation dauerhaft entspannen kann.
Regionale Spannungen und diplomatische Forderungen
Die anhaltende Belastung sorgt für wachsende Verstimmung innerhalb der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN). Im malaysischen Parlament forderte Abgeordneter Syed Saddiq Syed Abdul Rahman ein klares diplomatisches Vorgehen gegen die Nachbarn.
Syed Saddiq Syed Abdul Rahman erklärte gegenüber NBC News: „Wir müssen eine starke diplomatische Note senden, dass Malaysia Einspruch erhebt, und dass nicht nur Malaysia Einspruch erhebt, sondern dass dies von anderen ASEAN-Ländern, die gleichermaßen betroffen sind wie beispielsweise Singapur, mitgetragen werden muss. Wir müssen einen sehr klaren diplomatischen Protest senden.

Darüber hinaus schlug er vor, Banken in Malaysia und Singapur sollten die Finanzierung von Unternehmen einstellen, die mit Brandrodungen in Verbindung stehen. Vertreter der WMO fordern währenddessen eine engere regionale Zusammenarbeit, gemeinsame Ausrüstungsinvestitionen sowie schärfere gesetzliche Regelungen bei der Landreinigung, um künftige Krisen dieser Art zu verhindern. Ben Churchill betonte zudem, dass die Umstellung der Praktiken auf allen Ebenen — von der Politik über Gemeinden bis hin zu einzelnen Landwirten — entscheidend sei, wobei Satellitenbeobachtungen von Copernicus zeigen, dass etwa die Hälfte des weltweiten Smogs aus Indonesien stammt.
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