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Frauen ab 40: Warum laut Studie nicht der Stoffwechsel schuld am Gewicht ist

Frauen in der Lebensmitte nehmen durchschnittlich 700 Gramm pro Jahr zu. Einer neuen Langzeitstudie zufolge liegt der Grund dafür jedoch nicht in einem plötzlichen Zusammenbruch des Stoffwechsels. Stattdessen spielen verändertes Alltagsverhalten, sinkende Muskelmasse und hormonelle Umstellungen die entscheidende Rolle im Alter ab 40.

Der schleichende Gewichtsanstieg ab dem 40. Lebensjahr wird im Alltag oft voreilig einem abrupten Energiestoffwechsel-Crash zugeschrieben. Doch dieser populäre Eindruck hält einer Überprüfung durch Mediziner nicht stand.

Warum drei Kirschen pro Tag über die Jahre auf der Waage zählen

Wer in der Lebensmitte jährlich 700 Gramm zunimmt, tut dies laut Angaben des Endokrinologen Tim Hollstein meist durch minimale, im Alltag kaum wahrnehmbare Kalorienüberschüsse. Rechnet man diese Zunahme rein rechnerisch als Fett um, entspricht das einer täglichen Abweichung von gerade einmal etwa 15 Kilokalorien im Jahr. Das Volumen entspricht in etwa dem Energiewert von nur drei Kirschen.

Experten betonen, dass diese winzige Differenz keineswegs bedeutet, dass Früchte dick machen. Vielmehr verdeutlicht die Rechnung, wie geringfügig eine tägliche Disbalance sein muss, um sich über ein Jahrzehnt hinweg drastisch auf der Waage zu summieren. Eine Langzeitstudie, an der 3000 Frauen im Alter zwischen 42 und 52 Jahren teilnahmen, belegt diesen durchschnittlichen Jahrschnitt von 700 Gramm.

Mit 40 bricht der Stoffwechsel nicht plötzlich zusammen.

Tim Hollstein, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin, via Bild

Wie sinkende Alltagsbewegung und schwindende Muskelmasse den Energiebedarf drosseln

Der tatsächliche Auslöser für das veränderte Körpergewicht liegt in einer Kombination aus nachlassender Muskelmasse und reduzierter körperlicher Aktivität außerhalb des gezielten Sports. In der Fachterminologie wird dieser essenzielle Energieverbrauch als NEAT bezeichnet, was für Non-Exercise Activity Thermogenesis steht. Zu diesen unbewussten Bewegungen gehören das Treppensteigen, Wege zu Fuß, Hausarbeit oder das Herumlaufen beim Telefonieren.

Während ein 25-Mensch noch häufig das Fahrrad nutzt oder Wege zu Fuß erledigt, verbringen viele Menschen mit 45 Jahren den Arbeitstag im Büro vor dem Bildschirm und steigen auf das Auto um. Diese schleichenden Veränderungen im Lebensstilsummieren sich, wodurch der Körper auch bei exakt gleichen Essgewohnheiten im Laufe der Jahre deutlich weniger Kalorien verbrennt.

Welche Rolle die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren spielt

Die meisten Frauen erreichen die Wechseljahre im Alter von 51 oder 52 Jahren. Diese biologische Phase verändert die Zusammensetzung des menschlichen Körpers grundlegend. Die Fettmasse nimmt dabei schneller zu, während wertvolle Muskelmasse schwindet. Gleichzeitig wandert das Fett zunehmend in Richtung Bauch, was mit spezifischen gesundheitlichen Risiken verbunden ist.

Vor der Menopause sorgt das Hormon Östrogen dafür, dass sich überschüssiges Fett bevorzugt an Hüfte, Gesäß und Oberschenkeln ablagert. Sinkt der Östrogenspiegel im Zuge der hormonellen Umstellung ab, verlagert sich die Fettspeicherung direkt in die Bauchhöhle. Hinzu kommt eine Veränderung des braunen Fettgewebes. Im Gegensatz zu herkömmlichem Fett verbrennt dieses Gewebe normalerweise Zucker und Fettsäuren, um eigenständig Wärme zu erzeugen. Nach den Wechseljahren scheint dieses Gewebe jedoch deutlich weniger aktiv zu arbeiten.

Vier konkrete Strategien gegen den schleichenden Gewichtsanstieg

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, raten Fachleute zu gezielten Anpassungen im Alltag. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf natürliche Verhaltensänderungen:.

  • Mehr Bewegung im Alltag durch Treppensteigen, kurze Wege zu Fuß, Aufstehen während langer Telefonate oder einen zehnminütigen Spaziergang nach den Mahlzeiten.
  • Regelmäßiges Krafttraining im Umfang von zwei Einheiten pro Woche, um gezielt dem Verlust von Muskelmasse vorzubeugen.
  • Der Griff zu unverarbeiteten Lebensmitteln wie Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und einer Proteinquelle zu jeder Hauptmahlzeit, da diese deutlich länger sättigen.
  • Nutzung regelmäßiger Kältereize, um das braune Fettgewebe als körpereigene Heizung zu reaktivieren.

Besonders flüssige Kalorien sowie unbedachte Snacks nebenbei stufen Experten als tückische Stolpersteine ein. Sie sättigen kaum, liefern aber unbemerkt eine Energiemenge, die sich im Jahresverlauf massiv bemerkbar macht.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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