KI-Systeme werden zunehmend als Werkzeuge verstanden, die gesellschaftliche Machtstrukturen festigen, statt sie zu neutralisieren. Während Unternehmen wie OpenAI oder Entwickler von Bild-KI-Tools ihre Modelle als objektive Technologien bewerben, kritisieren Forscherinnen und zivilgesellschaftliche Gruppen diese Darstellung als Illusion. Sie fordern stattdessen einen radikalen Ansatz: eine feministische KI, die Care-Arbeit, Gemeinschaft und ökologische Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt.
Das Ende der neutralen Maschine
Die Vorstellung, dass Algorithmen neutral seien, weil sie auf Daten basieren, ist wissenschaftlich nicht haltbar. In ihren Seminaren zeigt sich regelmäßig, wie Bildgeneratoren gesellschaftliche Vorurteile reproduzieren: Wenn Studierende den Begriff STEM professor
eingeben, werden diese oft von der Erwartung einer neutralen KI enttäuscht.
Auch die technologische Entwicklung steht unter Beobachtung. Das Feminist Research Institute veranstaltete im vergangenen Sommer einen Workshop mit dem Titel „What’s New, What’s Not: Feminist Approaches to AI“. Die Teilnehmer, primär Fakultätsmitglieder und Studierende, stellten fest, dass aktuelle Bedenken – etwa hinsichtlich Arbeitsausbeutung oder ökologischer Degradierung – keineswegs neu sind. Die DNA der Künstlichen Intelligenz sei, so Kubes, durch die Finanzierung mit Pentagon-Geldern stark von Überwachung und Kontrolle geprägt.”

Machtkonzentration im Silicon Valley
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Machtasymmetrie in der Tech-Industrie. Kubes weist darauf hin, dass die mächtigsten KI-Modelle in den Händen weniger Männer liegen, die offen mit autoritären Kräften paktieren. Dies führt zu einer Instrumentalisierung von Nutzern: Heutige Chatbots sind darauf getrimmt, die Verweildauer zu erhöhen und möglichst viele Daten einzuspeisen, anstatt die Weltbilder von Milliarden Menschen zu repräsentieren. Tatsächlich verschwinden Tausende kleinere Sprachen und das Wissen ihrer Sprecher weitgehend aus den Systemen.
Ansätze für eine alternative KI
Forscherinnen wie Catherine D’Ignazio, Autorin von 10 Ways to Stop Technofascism (MIT Press, 2027), und Lauren Klein, Autorin von Data by Design: Visualization and Power from Abolition to the Dawn of Data Science (MIT Press, 2026), betonen, dass KI nur dann zum kollektiven Wissen beitragen kann, wenn sie als ein Werkzeug unter vielen verstanden und durch menschliche Expertise geleitet wird. Für ihr 2020 veröffentlichtes Buch Data Feminism schrieben sie über das Ziel, Methoden der Datenwissenschaft in Hebel zu verwandeln, die Verbindung, Gemeinschaft und die Freude am Leben betonen – alles Komponenten feministischer Ethik.
Ein feministischer Chatbot wäre laut Kubes in erster Linie kein rein kapitalistisches Produkt. Die eigentliche Gefahr sei nicht eine abstrakte Superintelligenz, sondern die gewöhnliche KI in den Händen weniger Akteure. Um ein KI-Ökosystem zu schaffen, das allen Menschen zugutekommt, müsste die digitale Infrastruktur von Big Tech durch ein System ersetzt werden, das der Öffentlichkeit gehört.
Protest gegen die Infrastruktur
Der Widerstand gegen die aktuelle KI-Entwicklung zeigt sich in verschiedenen Formen. Als Beispiel nennen D’Ignazio und Klein die Bürger im chilenischen Quilicura, die sich dazu entschlossen, „AI for a dayzu werden. Sie beantworteten über 25.000 Prompts in eigenen Worten, um die Auswirkungen der lokalen KI-Infrastruktur auf die Wasserwege ihrer Region aufzuzeigen.
Die Dringlichkeit dieser Debatte unterstreicht Kubes mit Blick auf den Digital-Gipfel der Bundesregierung: Bis 2030 sollen vier von fünf Großunternehmen und neun von zehn Bundesbehörden KI einsetzen, während der Digitalminister sich „mehr Freiraum“ bei der Regulierung wünscht. Dennoch bleibt die Forderung nach Widerstand bestehen: You have to act as if it were possible to radically transform the world. And you have to do it all the time.
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