Astronomen haben mit FAST ein kompaktes Wasserstoffobjekt ohne sichtbare Sterne entdeckt, das rund zwölf Millionen Lichtjahre entfernt im All liegt. Die im September 2026 veröffentlichte Entdeckung gilt als starker Kandidat für eine isolierte dunkle Galaxie oder ein sogenanntes RELHIC, das Astronomen durch künftige Teleskopbeobachtungen genauer prüfen wollen.
Forscher haben ein isoliertes kosmisches Objekt entdeckt, das den gängigen Modellen der Sternentstehung widersprechen könnte. Das Objekt mit der Bezeichnung J1351+0039 besteht im Wesentlichen aus einer kompakten Wolke neutralen Wasserstoffs, zeigt jedoch in optischen Aufnahmen keinen begleitenden Sternenverband.
Entdeckung durch das FAST-Radioteleskop und Einordnung auf ArXiv
Das chinesische Radioteleskop FAST entdeckte die Signale bei Beobachtungen, die ein Forschungsteam um Jin-Long Xu zwischen Juli und August 2026 dreimal durchführte. Die Ergebnisse wurden am 24. September 2026 in einem Preprint auf dem Server arXiv veröffentlicht. Die mehrfachen Messungen bestätigten, dass es sich um ein echtes astronomisches Signal handelte und nicht um Funkstörungen.
Zusätzlich zu den Radardaten nutzten die Forscher Aufnahmen des DESI Legacy Survey. Während die 21-Zentimeter-Emissionslinien des Wasserstoffs ein klares Signal lieferten, blieb die optische Auswertung ohne Nachweis von Sternen. Das Objekt befindet sich nach Berechnungen rund 3,7 Megaparsec oder etwa zwölf Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.

Vergleich der Wasserstoffmasse und des unsichtbaren Halos
Die Radiodaten zeigen eine annähernd runde Wasserstoffverteilung mit einem Radius von ungefähr 2,9 Kiloparsec. Der nachgewiesene neutrale Wasserstoff entspricht etwa 480.000 Sonnenmassen, und unter Einberechnung von Helium kommt die Wolke auf rund 640.000 Sonnenmassen an Gas.
Im Rahmen des Lambda-Kalt-Dunkle-Materie-Modells bilden sich Strukturen hierarchisch, indem zuerst kleine Dunkle-Materie-Halos entstehen und im weiteren Verlauf zu größeren Halos und Galaxien verschmelzen. Dieses Modell sagt zudem voraus, dass manche Halos mit geringer Masse zu keinem Zeitpunkt Sterne ausbilden. Dabei kann die Erwärmung des Gases im Halo nach der kosmischen Reonisierung durch den ultravioletten Hintergrund verhindern, dass das Gas jemals ausreichend kalt und dicht wird, um die Entstehung von Sternen zu ermöglichen.

Rolle der Isolation und Abgrenzung zu bekannten Objekten
Im Gegensatz zu früheren Funden liegt J1351+0039 weitgehend isoliert. In einem Umkreis von rund 100.000 Parsec fanden die Astronomen keine große Galaxie mit ähnlicher Radialgeschwindigkeit. Zudem fehlen lange Schweife oder Gasbrücken zu anderen Objekten, wodurch Störungen durch benachbarte Galaxien als Erklärung weniger wahrscheinlich werden.
Als Vergleichsobjekt dient unter anderem Cloud-9, ein gasreiches Objekt in der Nähe der Spiralgalaxie M94, das im Januar 2026 von NASA und ESA mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops untersucht wurde.
Offene Fragen und geplante Teleskopprüfungen
Ob das Objekt tatsächlich komplett sternenlos ist, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beweisen. Die DESI-Bilder schließen lediglich Sternenpopulationen oberhalb einer Obergrenze von etwa 150.000 Sonnenmassen aus, weshalb eine extrem lichtschwache Zwerggalaxie in dieser Entfernung unter Umständen ebenfalls unsichtbar bleiben könnte.
Somit bleiben zwei Erklärungen bestehen, wonach J1351+0039 entweder ein tatsächlich niemals zur Sternbildung gelangter Dunkle-Materie-Halo beziehungsweise eine reonisierungsbegrenzte H-I-Wolke darstellt oder eine Zwerggalaxie mit bisher unentdeckten Sternen beherbergt.