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Technik und Wissenschaft

Endurance Energy erzeugt erstmals positive Nettoelektrizität aus Unterwasservulkan

Ein im Pazifischen Ozean auf dem Meeresboden platzierter Generator hat während eines Testlaufs am 27. September Strom aus der Hitze eines Unterwasservulkans erzeugt. Wie Endurance Energy mitteilte, produzierte das Testsystem namens Adélie in knapp 1.500 Metern Tiefe am Axial Seamount rund 300 Meilen vor der Küste Oregons für 8,7 Sekunden mehr elektrische Energie, als es selbst verbrauchte, berichtet Yahoo.

Bohrung und Betrieb in der Tiefsee

Das Start-up Endurance Energy, gegründet im Januar 2025 von dem früheren SpaceX-Ingenieur Andrew Redd, führte bei dem dreiwöchigen Einsatz eine Reihe von Weltpremieren durch.

Die Ingenieure bohrten mit einem Spezialbohrer auf dem Meeresboden zwei Löcher im Abstand von weniger als zwei Fuß und schlossen einen 16 Meter beziehungsweise 52 Fuß tiefen Geothermiewell ab. Da das erste Bohrloch zu wenig Flüssigkeitsstrom lieferte, schloss das Team das Kraftwerk an eine nahegelegene natürliche Hydrothermalquelle an.

Die dort austretende Sole erreichte eine Temperatur von rund 538 Grad Fahrenheit beziehungsweise 281 Grad Celsius. Wegen des enormen Drucks in dieser Tiefe blieb das Wasser flüssig, obwohl es den Siedepunkt von 100 Grad Celsius an der Oberfläche weit übersteigt. Während des Betriebs erreichte die Turbine des Generators rund 26.000 Umdrehungen pro Minute. Nach Abzug des Energiebedarfs für Pumpen und andere Komponenten verzeichnete das Unternehmen einen medianen Überschuss von etwa 2 Kilowatt sowie eine Spitzenleistung von 16,5 Kilowatt.

America Just Generated Electricity From an Underwater Volcano!

Das Unternehmen hat bislang insgesamt 63 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln eingeworben, darunter eine von Founders Fund angeführte Serie-A-Runde in Höhe von 54 Millionen US-Dollar.

Für die Anlagentechnik weisen Experten wie Dani Merino-Garcia, der Vizepräsident für Forschung bei der Geothermie-Non-Profit-Organisation Project Innerspace, auf potenzielle Herausforderungen hin. So könnten saure Fluide die Komponenten des Systems, insbesondere den Wärmetauscher, beschädigen.

Endurance Energy erzeugt erstmals positive Nettoelektrizität aus Unterwasservulkan
Foto: finance.yahoo.com

Roland Horne leitete das Geothermie-Programm an der Stanford University. Er bewertete die Technologie gegenüber Gizmodo als technisch machbar.

Er gab jedoch zu bedenken, dass ein Einsatz unter Wasser wahrscheinlich kostspielig werden dürfte.

Endurance Energy betonte, dass der Standort der Bohrungen bewusst abseits der Hydrothermal-Schornsteine und der dort angesiedelten Meereslebewesen gewählt wurde. Bislang ergaben Untersuchungen an rund 40 Wasser-, Gesteins- und Mineralproben keine erkennbaren negativen Veränderungen des lokalen Ökosystems.

Dennoch wies das Unternehmen darauf hin, dass die längerfristigen Auswirkungen größerer Systeme auf die umgebende Wassersäule noch umfassend untersucht werden müssen. Diese Analysen sollen durch unabhängige Forscher begleitet werden.

Fernsteuerung über Glasfasernetz

Gesteuert wurde die rund drei Tonnen schwere Anlage nicht von einem Schiff aus, sondern in Echtzeit direkt von Seattle.

Endurance Energy erzeugt erstmals positive Nettoelektrizität aus Unterwasservulkan
Foto: Sciencealert

Möglich machte dies das Regional Cabled Array, ein vom Meeresobservatorium der National Science Foundation betriebenes und von der University of Washington betreutes Unterwasser-Glasfasernetz. Die Ingenieure testeten zudem optische sowie akustische Kommunikationsverbindungen.

Der Testlauf endete abrupt, als ein Überstromschutz die Batterie abschaltete. Etwa zehn Minuten später fiel bei einem Neustartversuch das Stromkabel der Kühlmittelpumpe aus. Andrew Redd erklärte gegenüber ScienceAlert, dass die Anlage innerhalb von 16 Stunden geborgen, gewartet und wieder einsatzbereit gemacht werden konnte, berichtet Sciencealert.

Geplante Weiterentwicklung für Tonga

Für die kommenden Monate plant das Unternehmen den Einsatz eines verbesserten 100-Kilowatt-Generators namens Gentoo, der in diesem Winter mit robusteren Elektronikelementen, überarbeiteten Kabeln und größerer Leistung erprobt werden soll. Zudem kündigte das Start-up ein neues Bohrgerät an, das Tiefen von bis zu 500 Metern erreichen kann.

Als erster kommerzieller Einsatz ist ein Projekt im Königreich Tonga vorgesehen, das nach Angaben von Endurance Energy im Jahr 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Dort soll die Technologie saubere, grundlastfähige Energie für ein Stromnetz liefern, das derzeit überwiegend auf importierten Diesel angewiesen ist.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.