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Unternehmen

Character.ai meldet US-Insolvenz an und sucht Käufer

Der Chatbot-Anbieter Character.ai hat in den USA nach massiven rechtlichen und finanziellen Belastungen Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Das kalifornische Unternehmen verhandelt über einen gerichtlich überwachten Verkauf aller Vermögenswerte, während Disney ein erstes Angebot von 20 Millionen US-Dollar für bestimmte Lizenzen vorgelegt hat.

Insolvenz und Chapter 11 in den USA

Der Betrieb von Character Technologies, Inc. läuft nach Angaben des Unternehmens vorerst weiter, während in Delaware ein freiwilliges Verfahren nach Kapitel 11 eingeleitet wurde. Das 2021 gegründete Start-up sucht nun händeringend nach einem Käufer, der die Plattform weiterführt. Bleibt ein ausreichendes Überbot aus, muss der Dienst komplett eingestellt werden. Der Abschluss des Verkaufsprozesses ist für den Zeitraum Ende November bis Anfang Dezember geplant.

Im Zuge des Verfahrens legt das Unternehmen seine Finanzen offen. Im Antrag auf Gläubigerschutz werden Schulden und Vermögenswerte in ähnlicher Höhe von jeweils 50 bis 100 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Angeführt wird die Liste der 20 größten unbesicherten Gläubiger von Google mit rund 4,2 Millionen US-Dollar, gefolgt von offenen Anwaltsrechnungen sowie Forderungen des Cloud-Dienstes Digitalocean in Höhe von knapp zwei Millionen US-Dollar. Auch der Lieferdienst Doordash taucht mit rund 90.000 US-Dollar auf den vorderen Plätzen auf.

Character.ai meldet US-Insolvenz an und sucht Käufer
Foto: Business Insider Deutschland

Disney bietet 20 Millionen US-Dollar für Lizenzen

Die Walt Disney Company positioniert sich im laufenden Verfahren als Erstbietender. Über ihre Tochtergesellschaft Disney Worldwide Services hat der Medienkonzern ein Angebot von 20 Millionen US-Dollar für eine nicht-exklusive, unbefristete Lizenz an bestimmten geistigen Eigentumsrechten sowie ausgewählten Forderungen gegen Dritte abgegeben. Andere Interessenten haben die Möglichkeit, diese Offerte im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens zu überbieten.

Bereits im Vormonat heuerte das Unternehmen den bisherigen Character.ai-Chef Karandeep Anand als neuen Technikchef an, während ehemalige Mitarbeiter nun im Rahmen von Übergangsdienstleistungen unterstützen sollen. Parallel dazu kündigte das Startup an, den laufenden Vertrag mit dem Coworking-Anbieter WeWorks außerordentlich zu kündigen, um die Betriebskosten zu senken.

Klagen von Familien und US-Bundesstaaten

Hintergrund der Schieflage ist eine Gemengelage aus erheblichen rechtlichen, regulatorischen und operativen Belastungen. Mehrere Familien hatten das Unternehmen, die Gründer und Google verklagt, weil Jugendliche nach intensiven Chats Suizid begangen oder sich selbst verletzt hatten. Zwar konnte Character.ai Anfang des Jahres fünf Klagen aus Colorado, Florida, New York und Texas durch Vergleiche beenden, ohne ein Fehlverhalten anzuerkennen. Doch neue Verfahren belasten die Bilanz.

Character.ai meldet US-Insolvenz an und sucht Käufer
Foto: T Online

Neben einem kalifornischen Sammelverfahren (ChatGPT Product Liability Cases) führen die US-Bundesstaaten Kentucky und Pennsylvania eigene Verfahren gegen das Unternehmen. In Pennsylvania wird dem Chatbot vorgeworfen, sich als zugelassener Arzt ausgegeben und eine falsche Arztnummer verwendet zu haben. Hinzu kommt eine laufende Untersuchung der US-Handelsbehörde FTC wegen des Verdachts unlauterer Geschäftspraktiken. Als Reaktion auf den massiven Druck hatte das Unternehmen bereits Ende 2025 den Schutz für Minderjährige verschärft und offene Gespräche für Nutzer unter 18 Jahren untersagt.

Der Exodus der Gründer und das Google-Geld

Die Wurzeln des Start-ups reichen auf einen Google-Chatbot zurück, den der Datenkonzern 2021 als zu unsicher für den Markt einschätzte. Daraufhin machten sich die ehemaligen Google-Forscher Noam Shazeer und Daniel de Freitas selbstständig. Im Jahr 2024 floss erneuert Kapital: Medienberichten zufolge zahlte Google 2.7 Milliarden US-Dollar an Character Technologies, offiziell für eine Lizenz an der Technologie.

Wichtiger dürfte für den Tech-Giganten jedoch die Rückholaktion gewesen sein: Shazeer, de Freitas und rund 30 weitere KI-Experten wechselten im Rahmen der Vereinbarung zu Google DeepMind. Dieser personelle Aderlass entzog dem Start-up das Kernteam für die Entwicklung eigener großer Sprachmodelle. Die erhaltenen Mittel flossen zudem überwiegend an die Gründer und frühen Wagniskapitalgeber, während das Unternehmen im aktuellen Insolvenzverfahren nun ohne eigenes Entwicklerteam dasteht.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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