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Unternehmen

BioNTech schließt drei deutsche Standorte und streicht 1800 Jobs

BioNTech schließt drei deutsche Produktionsstätten in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein nach erfolgloser Käufersuche. Insgesamt 1.800 Arbeitsplätze fallen weg, wobei die Schließungen gestaffelt bis Ende 2028 erfolgen. Der Mainzer Pharmakonzern begründet den harten Schritt mit massiv sinkender Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen und gewaltigen Überkapazitäten.

Das Ende der Suche ohne Investoren in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen

Monatelang lief die Suche nach neuen Betreibern für die deutschen Werke auf Hochtouren, doch am Ende blieb der Erfolg aus. Das Mainzer Pharmaunternehmen teilte mit, dass kein Käufer für die Standorte gefunden werden konnte. Damit bestätigte sich das Aus für die Produktionsstätten in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen.

BioNTech schließt drei deutsche Standorte und streicht 1800 Jobs
Foto: SWR

Biontech hatte seit Anfang Mai intensiv nach Käufern für die drei Produktionsstandorte gesucht und dabei internationale, nationale sowie mittelständische Interessenten aus den Bereichen mRNA, Antikörper und Zelltherapie angesprochen. Nach Prüfungen und vertraulichen Gesprächen kam jedoch keine Übernahme zustande, weshalb das Unternehmen den Standort in Marburg Anfang 2028 endgültig schließen wird. Mit dem Betriebsrat seien sozialverträgliche Vereinbarungen getroffen worden, um den besonderen Belastungen einer solchen Schließung Rechnung zu tragen und den Angestellten bestmögliche Hilfe in dieser schwierigen Lage zu gewähren, äußerte ein Sprecher. Zuvor hatte der Betriebsrat einen Verkauf des Standorts gefordert und sich dafür eingesetzt, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Ein Betriebsratsmitglied erklärte gegenüber dem hr am Montag, der Prozess wirke undurchsichtig, da man den Eindruck gehabt habe, Biontech wolle den Standort Marburg gar nicht verkaufen, wodurch die Belegschaft massiv Vertrauen verloren habe. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) nannte die Nachricht am Montag bitter und erklärte, die Beschäftigten hätten über Jahre dazu beigetragen, am Standort Marburg wertvolles pharmazeutisches Know-how aufzubauen, während die Landesregierung nicht abschließend beurteilen könne, warum kein Käufer gefunden wurde.

Die Dimension des Umbaus trifft die Regionen hart. Insgesamt stehen 1.800 Arbeitsplätze vor dem Aus. In Marburg sind 540 Beschäftigte betroffen, in Idar-Oberstein 440 Mitarbeiter, und am Standort Tübingen verlieren rund 820 Menschen ihre Stellen. In Idar-Oberstein, wo Biontech den Standort im Jahr 2009 eröffnet hatte, beginnt nun die schwierige Abwicklung.

Drei deutsche Biontech-Standorte werden geschlossen

Gestaffelter Abbau und verletztes Vertrauen bei den Beschäftigten

Die Abwicklung der Werke erfolgt schrittweise. Tübingen schließt Ende 2027, gefolgt von Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. Für die Belegschaften ist dies ein schwerer Schlag.

„Für die Belegschaft was es natürlich ein Schock. Die haben bis zum letzten Moment gehofft, gebibbert und gebangt.“

Jacob Kaufmann, Betriebsratsvorsitzender Idar-Oberstein, via SWR

Kaufmann, der selbst seit 2021 im Unternehmen ist, äußerte sich tief enttäuscht und erklärte, dass sein Vertrauen auf dem Tiefpunkt sei. Er kritisierte zudem, dass die Konzernleitung den Mitarbeitern vor einem Jahr noch versprochen hatte, die Kapazitäten voll und ganz auf die mRNA-Forschung und -Produktion zu fokussieren, um das mRNA-Excellence-Center des Unternehmens zu werden. Seine aktuelle Aufgabe besteht nun darin, den Standort mit der Fairness und der Offenheit abzuwickeln, die dort immer gelebt wurde.

Beitragsbild zu BioNTech-Aktie: Radikal kürzen, Häuser schließen - Analysten und Investoren freuen sich
Foto: Börse Express

Politische Enttäuschung und scharfe Kritik an der Konzernstrategie

Aus der Kommunalpolitik kommt heftiger Gegenwind. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kritisierte das Vorgehen scharf. Er wies darauf hin, dass BioNTech erst am Ende des Jahres 2025 CureVac im Wert von ungefähr 1,25 Milliarden US-Dollar gekauft und zugleich den Erhalt des Standorts Tübingen fest zugesagt hatte. CureVac sei gekauft worden wegen der Patente, während die Mitarbeiter nun vor die Tür gesetzt würden. Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies nannte die Schließung eine ganz schwere Situation für die Beschäftigten und warnte zugleich vor gesundheitspolitischen Risiken durch den Wegfall wichtiger Impfstoff-Produktionskapazitäten in Deutschland, wobei er betonte, er könne sich nicht vorstellen, dass man ernsthaft davon abhängig sein wolle, ob Donald Trump einem bei der nächsten Pandemie Impfstoffe abgibt. Oberbürgermeister Boris Palmer verwies zudem darauf, dass für Tübingen mehr als nur einzelne Jobs auf dem Spiel stehen, da es um einen über Jahrzehnte gewachsenen Biotechnologie-Standort gehe, und warnte vor einer gefährlichen Lücke in der deutschen Gesundheitsversorgung, weil es falsch sei, die Pandemieversorgung komplett einzustellen und in Deutschland keinerlei RNA-Produktion mehr übrig zu lassen.

Finanzielle Neuausrichtung und der Fokus auf die Onkologie

Aus unternehmerischer Sicht zieht der Konzern damit einen radikalen Schlussstrich unter die pandemische Sonderkonjunktur. Wegen stark rückläufiger Nachfrage und gigantischer Überkapazitäten schrumpften die Erlöse im ersten Quartal 2026 auf 118,1 Millionen Euro, nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

BioNTech schließt drei deutsche Standorte und streicht 1800 Jobs
Foto: Business Insider Deutschland

Gleichzeitig treibt das Unternehmen seinen strategischen Umbau voran. Die verbleibende Covid-19-Impfstoffproduktion wird vollständig an den Partner Pfizer übergeben. Die frei werdenden Mittel sollen in die Entwicklung von Krebsmedikamenten, mRNA-Immuntherapien und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate fließen, während bis 2029 wiederkehrende jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro angestrebt werden und bis 2030 Zulassungsanträge für mehrere Onkologie-Kandidaten im Fokus stehen. An der Konzernspitze steht zudem ein Epochenwechsel bevor: Die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci ziehen sich spätestens Ende 2026 aus der operativen Führung zurück, um mit einem neuen Unternehmen namens Arife an der nächsten Generation von mRNA-Medikamenten zu forschen, bleiben BioNTech jedoch als Berater und Aktionäre erhalten, während Guido Oelkers spätestens zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz übernimmt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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