Ende Oktober 2026 waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) insgesamt 389.941 Personen arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Damit steigt die Arbeitslosigkeit in Österreich den 43. Monat in fortlaufender Serie an. Dies entspricht einem Anstieg von 0,5 Prozent beziehungsweise 1.823 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Frauen und ältere Arbeitnehmer
Die Arbeitslosigkeit bei Frauen nahm im Jahresvergleich um 3,8 Prozent zu. Bei Männern ging sie um 2,6 Prozent zurück, wie aus den Zahlen hervorgeht. Einen starken Zuwachs verzeichnete das AMS zudem bei Personen im Alter von über 50 Jahren mit einem Plus von 4,4 Prozent. Demgegenüber sank die Arbeitslosigkeit bei den Unter-50-Jährigen um 0,8 Prozent und bei Jugendlichen unter 25 Jahren um 1,4 Prozent.

Nach Branchen betrachtet gab es den kräftigsten Zuwachs im stark von Frauen geprägten Gesundheitswesen mit 10,1 Prozent. Im Handel waren es 4 Prozent und in der Warenherstellung beziehungsweise Industrie 2,3 Prozent. Eine positive Entwicklung meldeten dagegen der Bau mit einem Minus von 1,3 Prozent sowie die Sparte Tourismus und Gastronomie mit einem Rückgang von 1,9 Prozent.
Regionale Unterschiede und Stellenmarkt
Den höchsten Zuwachs verzeichnete Niederösterreich mit 5,2 Prozent. In Wien und Kärnten gab es rückläufige Zahlen bei den Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern von beziehungsweise 2,8 Prozent und 1,1 Prozent. In allen anderen Bundesländern stieg die Zahl an: In der Steiermark um 4,5 Prozent, in Tirol um 2,3 Prozent, im Burgenland um 2,2 Prozent und in Vorarlberg um 1,8 Prozent. Geringere Anstiege zeigten sich in Salzburg mit 1,2 Prozent und Oberösterreich mit 1,1 Prozent.
Beim AMS sanken die sofort verfügbaren offenen Stellen um 3,4 Prozent auf rund 73.800. Für nicht sofort verfügbare Stellen wurde ein Plus von 6,4 Prozent auf 20.000 verzeichnet. Das Angebot an Lehrstellen ging ebenfalls zurück: Sofort verfügbare Ausbildungsplätze fielen um 2,8 Prozent auf rund 6.700, nicht sofort verfügbare sanken um 8,6 Prozent auf 6.200.
Wirtschaft und politische Debatte
AMS-Vorständin Petra Draxl erklärte zu den aktuellen Daten: Der Trend, der sich schon in den letzten Monaten abzeichnete, scheint sich zu verfestigen: Der leichte Konjunkturaufschwung macht sich in einzelnen Gruppen bemerkbar, aber nicht bei allen
. Ergänzend fügte sie hinzu: In Branchen mit höherem Frauenanteil (Handel und Gesundheit) sehen wir Steigerungen und in Branchen mit höherem Männeranteil einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Zusammenfassend kann man sagen: Noch ist der Konjunkturaufschwung nicht stark genug, um die Arbeitslosigkeit in Österreich zu senken
.

Die Arbeiterkammer (AK) und der Gewerkschaftsbund (ÖGB) stellten ein neues Bonus-Malus-Modell vor, um die Beschäftigung Älterer zu fördern. Betriebe, die überdurchschnittlich viele 60- bis 64-Jährige beschäftigen, sollen demnach einen Bonus erhalten. Unternehmen, die eine Zielquote verfehlen, müssten einen monatlichen Malus von rund 615 Euro pro Fehlstelle zahlen. Das gesamte Malus-Aufkommen wurde auf Basis von Daten für 2026 mit 266,4 Millionen Euro beziffert, wobei die Hälfte als Bonus an Unternehmen zurückfließen und die andere Hälfte in AMS-Beschäftigungsmaßnahmen investiert werden soll. Das Modell stößt bei der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung sowie bei Teilen der Regierungsparteien auf Widerstand und Kritik wegen zusätzlicher Belastungen. Arbeitsministerin Korinna Schumann erklärte, sie sehe in den Zahlen leicht positive Signale
, betonte jedoch, dass man noch nicht von einer Trendwende sprechen könne. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch fand die Daten besorgniserregend, während der Sozialsprecher der Grünen, Markus Koza, die Zahlen als alarmierend bezeichnete.
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