Unterhändler haben in New York Reaktionen auf Irans jüngsten Vorschlag zur Beendigung des Konflikts ausgetauscht, während im Irak am Mittwoch der vollständige Abzug der letzten US-Truppen vollzogen und in Teheran als historischer Sieg gefeiert wurde.
Truppenabzug im Irak und Reaktion der Revolutionsgarden
Die letzten US-Streitkräfte haben am Mittwoch ihre verbliebenen Stützpunkte in Irak verlassen. Das Ende der militärischen Präsenz markiert den Schlusspunkt einer Stationierung, die mit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 begonnen hatte. In Bagdad begleiteten Sicherheitskräfte den Abzug mit Fahrzeugkonvois, nationalen Flaggen und Freudenkundgebungen.
Das US-Verteidigungsministerium erklärte den erfolgreichen Abschluss der zwölfjährigen Mission Operation Inherent Resolve
gegen die Terrororganisation ISIS im Irak.

Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) bezeichnete den Abzug der Koalitionskräfte als historischen Sieg und forderte, dass die Sicherheitsverantwortung vollständig den Völkern der Region überlassen werden müsse. Während die iranische Führung den Abzug begrüsste, zeigten sich insbesondere in der kurdischen Region des Iraks einige politische Beobachter und Bürger besorgt über die künftige Stabilität nach dem Weggang der US-Truppen, während Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte den Abzug mit nationalen Symbolen feierten.
Wirtschaftlicher Druck und das Erbe der Öl-Einnahmen
Trotz des militärischen Abzugs behält Washington über finanzielle Mechanismen weitreichenden Einfluss auf Bagdads politische und wirtschaftliche Stabilität. Seit dem Jahr 2003 fließen die irakischen Öleinnahmen über den Development Fund for Iraq (DFI) an der Federal Reserve Bank in New York, wodurch die Vereinigten Staaten erhebliche Hebel in der Hand behalten.
Um dem unerlaubten Abfluss von US-Dollar an sanktionierte Parteien wie Iran entgegenzuwirken, hatte das US-Finanzministerium in den vergangenen Jahren erheblichen Druck auf Bagdad ausgeübt. Dies führte unter anderem dazu, dass das traditionelle Auktionssystem für US-Dollar bei irakischen Banken und Wechselstuben zu Beginn des Jahres 2025 offiziell beendet wurde. Die bestehenden Finanzmechanismen dienen seither dazu, die Wechselkursstabilität zu unterstützen und das Vertrauen in die irakischen Finanzinstitutionen zu stärken.
Begleitend zu den geopolitischen Spannungen geriet die iranische Wirtschaft weiter unter Druck. Der offizielle Wechselkurs der Landeswährung fiel am Dienstag auf ein neues Rekordtief, wobei Händler in Teheran mehr als 2,5 Millionen Rial für einen US-Dollar tauschten. Dies geschah nur 27 Tage nachdem die Währung am 2. September die Marke von 2,2 Millionen Rial pro Dollar unterschritten hatte. Gleichzeitig verschärfte das US-Finanzministerium seine Massnahmen im Rahmen der Kampagne Operation Economic Outcast
und verhängte neue Sanktionen gegen Personen und Unternehmen in Iran, Hongkong und Pakistan, denen die Unterstützung der iranischen Rüstungsbeschaffung vorgeworfen wird.

Diplomatische Verhandlungen und Reaktionen auf den Friedensplan
Auf internationaler Ebene trafen sich Unterhändler in New York, um über einen Ausweg aus dem siebenmonatigen Konflikt zu beraten. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte zuvor einen Plan vorgelegt, der unter anderem eine siebentägige Feuerpause, die Freigabe von mindestens 12 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern sowie das Ende der US-Seeblockade vorsah, um die Straße von Hormus innerhalb einer Woche wieder zu öffnen. Berichten zufolge umfasste ein weitergehendes Verhandlungsdokument sogar einen regionalen Waffenstillstand von bis zu 60 Tagen und die Freigabe von rund 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen Geldern.
US-Präsident Donald Trump wies den Vorschlag umgehend zurück und begründete dies mit der mangelnden Ernsthaftigkeit der Gegenseite. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, erklärte in der Sendung State of the Union auf CNN, dass die iranische Delegation alles auf einmal im Voraus
gefordert habe, während die Regierung in Washington keine ausreichende Zuversicht bezüglich des iranischen Atomprogramms sehe. Trump selbst bezeichnete Irans Vorstoß als einen Verzweiflungsschritt, der angesichts der wirtschaftlichen Krise des Landes unternommen worden sei.

Dennoch gaben iranische Regierungssprecher am Mittwoch bekannt, dass Teheran eine offizielle Antwort der Vereinigten Staaten auf den jüngsten Vorschlag erhalten habe. Außenminister Araghchi informierte das Kabinett unter der Leitung von Präsident Masoud Pezeshkian in Teheran über die Ergebnisse seiner Gespräche in New York. Während die iranische Führung betonte, an Verhandlungen über ihr Atomprogramm und weitere Fragen unter Wahrung der nationalen Souveränität interessiert zu sein, warnte das US-Außenministerium vor den anhaltenden destabilisierenden Aktivitäten der iranischen Revolutionsgarden im Nahen Osten und darüber hinaus.