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Welt

Giulio Regeni: Gericht in Rom verurteilt drei ägyptische Beamte

Ein römisches Schwurgericht hat drei ägyptische Geheimdienstmitarbeiter wegen der schweren Entführung und Folterung des italienischen Doktoranden Giulio Regeni im Jahr 2016 in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil des Schwurgerichts in Rom gegen drei ägyptische Offiziere

Mehr als zehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod des 28-jährigen Forschers Giulio Regeni am Rand der ägyptischen Hauptstadt hat die italienische Justiz ein erstes Schuldsprechen ausgesprochen. Das Gericht in Rom sprach Major Magdi Ibrahim Abdelal Sharif vom ägyptischen Nachrichtendienst, Oberst Ather Kamal sowie Polizeioberst Hisham Helmy der erschwerten Entführung schuldig. Ein vierte Angeklagte, Generalmajor Tarek Sabir, wurde von den Vorwürfen freigesprochen. Die von der Staatsanwaltschaft ursprünglich geforderte Verurteilung wegen Mordes ließ das Gericht fallen, da die direkte Täterschaft an der Tötung den einzelnen Angeklagten nicht zweifelsfrei zugewiesen werden konnte.

Die drei Verurteilten erhielten jeweils Haftstrafen von zehn Jahren in Abwesenheit. Eine Anklage wegen Folter ließ das italienische Strafrecht zum Zeitpunkt der Tat im Jahr 2016 noch nicht als eigenständigen Tatbestand zu.

Giulio Regeni: Gericht in Rom verurteilt drei ägyptische Beamte
Foto: NZZ

Die Hintergründe der Entführung im Jahr 2016 und das Vorgehen der Ermittler

Giulio Regeni war als Doktorand der Universität Cambridge nach Kairo gezogen, um dort über unabhängige ägyptische Gewerkschaften zu recherchieren. Das Thema berührte sensible Interessen der ägyptischen Führung um Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Am Abend des 25. Januar 2016, dem fünften Jahrestag des Volksaufstands von 2011, verschwand der Wissenschaftler spurlos in der Kairoer Innenstadt. Sein Mobiltelefon wurde zuletzt an einer U-Bahn-Station nahe seiner Wohnung geortet.

Eine Woche nach seinem Verschwinden wurde Regenis lebloser Körper in einem Straßengraben an einer Schnellstraße am Stadtrand von Kairo entdeckt. Der Leichnam wies massive Folterspuren auf, darunter gebrochene Knochen, Schnittverletzungen, Brandwunden sowie fehlende Finger- und Fußnägel. Die ägyptischen Behörden präsentierten in den folgenden Jahren wechselnde Versionen zur Todesursache – von einem Autounfall über Raubkriminalität bis hin zu angeblichen Bandenkriegen. Italienische Staatsanwälte wiesen diese Darstellungen zurück und machten den ägyptischen Sicherheitsapparat für die Tat verantwortlich. Das Schwurgericht in Rom verurteilte die ägyptischen Offiziere Magdi Ibrahim Abdelal Sharif, Uhsam Helmi und Athar Kamel Mohamed Ibrahim zu langen Haftstrafen. Eine Verurteilung wegen Folter gab es hingegen nicht, da diese 2016 im italienischen Strafrecht noch nicht als eigener Straftatbestand verankert war. Regenis Familie und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International bewerteten das Urteil als historischen Sieg gegen die Straflosigkeit staatlicher Willkür. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Rom führten direkt in das Zentrum des ägyptischen Machtgefüges. Stephan Roll, Ägypten-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, erklärte hierzu im Gespräch, dass Folter, Polizeigewalt und das Verschwindenlassen von Personen in Ägypten nichts Aussergewöhnliches seien und bis heute anhalten. Der 28-jährige Giulio Regeni stammte aus Udine im Friaul und war am 25. Januar 2016 verschwunden. Alessandra Ballerini, die Anwältin der Familie Regeni, begrüßte das Urteil und äußerte, dass sich von heute an Menschen auf der ganzen Welt sicherer fühlen könnten, da Straflosigkeit besiegt werden und Demokratien der Willkür Grenzen setzen können. Die Pflichtverteidiger der Verurteilten kündigten an, das Urteil zu prüfen, bevor sie über eine mögliche Berufung entscheiden.

Giulio Regeni: Gericht in Rom verurteilt drei ägyptische Beamte
Foto: Unionesarda

Die diplomatische Zwickmühle zwischen Rom und Kairo

Das Urteil stellt die Regierung von Premierministerin Giorgia Meloni vor eine schwere diplomatische Probe. Ägypten lehnt die Auslieferung eigener Staatsbürger grundsätzlich ab, und die Verurteilten befinden sich weiterhin in ihrem Heimatland. Dennoch drängen die Familie und juristische Vertreter auf eine harte Haltung gegenüber der Regierung in Kairo. Gleichzeitig ist Kairo für Rom ein unverzichtbarer Partner in der Energie- und Migrationspolitik. Der italienische Energieriese Eni ist seit 1954 in Nordafrika tätig und fördert im östlichen Mittelmeer Erdgas, während Ägypten als wichtiger Transitpunkt zur Kontrolle der Fluchtbewegungen über das Mittelmeer dient. Außenminister Antonio Tajani betonte nach dem Urteil, dass lediglich drei Einzelpersonen und nicht der ägyptische Staat verurteilt worden seien. Diese Einordnung stieß in Italien bei der Opposition auf scharfe Kritik. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verteidigte ihre Entscheidung, die diplomatischen Kanäle offenzuhalten, und erklärte, dass es riskant sei, die Kommunikationskanäle nach Kairo zu schließen. Die Beziehungen zwischen Italien und Ägypten hatten sich nach der Tötung drastisch verschlechtert, und nach dem Vorfall im Jahr 2016 zogen die Italiener vorübergehend ihren Botschafter aus Kairo ab und stoppten die Ausfuhr von Teilen für F-16-Kampfjets, ehe nach einigen Monaten eine Wiederannäherung stattfand.

Das anstehende Berufungsverfahren und die offenen Rechtsfragen

Die Pflichtverteidiger der drei verurteilten ägyptischen Beamten haben bereits angekündigt, Rechtsmittel einzulegen. Ob die ägyptischen Behörden jemals kooperieren oder die Verurteilten ihre Haftstrafen in Italien antreten werden, bleibt angesichts der anhaltenden diplomatischen Spannungen unklar.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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