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Swiss Re sieht 200-Milliarden-Markt durch KI-Rechenzentren

Der Rückversicherer Swiss Re beziffert das Industrieversicherungspotenzial durch den globalen Ausbau von KI-Rechenzentren und erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 auf rund 200 Milliarden US-Dollar. Laut einer am Samstag (06.09.2026) am Branchentreffen in Monte Carlo publizierten Sigma-Studie des Swiss Re Institutes treibt ein neuer Investitionssuperzyklus die Nachfrage nach Sach-, Betriebsunterbrechungs- und Haftpflichtdeckungen massiv nach oben.

Milliardenmarkt für Industrieversicherungen bis 2030

Die Weltwirtschaft steht vor einem umfassenden Wandel, der herkömmliche Investitionsmuster aufbricht. Nach Jahren steigender Investitionen in digitale Anwendungen und immaterielle Werte fließen zunehmend Kapital und globale Finanzströme auf physische Großinfrastrukturen wie Stromnetze, Batteriespeicher, Halbleiterfabriken, fortschrittliche Fertigungsaktivitäten und KI-Rechenzentren. Dieser sogenannte Capex-Superzyklus eröffnet der Versicherungsbranche ein enormes Wachstumspotenzial.

Das Swiss Re Institute schätzt in seiner Studie, dass allein die Errichtung und der Betrieb von KI-Rechenzentren bis zum Jahr 2030 kumulierte Prämieneinnahmen von rund 91 Milliarden US-Dollar generieren werden. Ergänzend dazu könnten Investitionen in erneuerbare Energien Einnahmen von rund 111 Milliarden US-Dollar auf der gleichen Zeitleiste hervorbringen, womit das Potenzial für die Industrieversicherung bei rund 200 Milliarden US-Dollar liegt. Die Versicherungsdeckung entsteht dabei bereits während der Bauphase, während die wichtigste und nachhaltigste Chance in den Betriebsrisiken liegt, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken.

Regionale Schwerpunkte und globale Investitionswelle

Die geografischen Schwerpunkte der Investitionen und die zugrunde liegenden Themen dringen je nach Region unterschiedlich vor: Die Vereinigten Staaten konzentrieren sich vor allem auf Rechenzentren, während Asien den Ausbau der Halbleiterfertigung vorantreibt und Europa schwerpunktmäßig in erneuerbare Energien sowie industrielle Lieferketten investiert.

Der finanzielle Rahmen dieser Entwicklung ist gewaltig. Allein für das Jahr 2026 werden weltweite Energieinvestitionen von rund 3,4 Billionen US-Dollar erwartet, wovon mehr als 2,2 Billionen US-Dollar in erneuerbare Energien, Kernkraft, Stromnetze, Speicher, emissionsarme Brennstoffe, Effizienz und Elektrifizierung fließen sollen. Im Technologiesektor stecken die fünf größten US-Technologiekonzerne annähernd 800 Mrd. USD in KI-bezogene Investitionen, während die weltweiten Investitionen in Rechenzentren die Marke von einer Billion US-Dollar übersteigen dürften.

«Wir erleben, wie die digitale Wirtschaft zur realen Wirtschaft wird. KI benötigt Rechenzentren, Stromnetze sowie zunehmend komplexe Infrastruktur – und all das muss versichert werden»

Gianfranco Lot, Chef Underwriting in der Sparte P&C Re bei der Swiss Re

Komplexe Risiken und drohende Kumulschäden

Mit dem physischen Aufbau wächst jedoch nicht nur das Prämienvolumen, sondern auch die Komplexität der abzusichernden Gefahren. Die Anlagen sind technologisch anspruchsvoll, teilweise mehrere Milliarden Dollar wert und vernetzt, wobei es noch kaum Erfahrung zu Schäden gibt. Mit dem Aufbau physischer Infrastruktur steigt je nach Sparte die Nachfrage nach Sach-, Betriebsunterbrechungs- und Haftpflichtdeckungen.

Swiss Re sieht 200 Mrd. USD Prämienpotenzial durch KI-Rechenzentren und Energiewende
Photo: goldesel.de

Vor allem bei KI-Rechenzentren entsteht ein neues Akkumulationsrisiko, da die Anlagen dort gebaut werden, wo Energie günstig ist, ausreichend Land und Wasser zur Verfügung stehen und die Anbindung gut ist. Einzelne KI-Rechenzentren können inklusive ihrer technischen Ausstattung Wiederbeschaffungswerte von bis zu 50 Milliarden US-Dollar erreichen. Zugleich verschärfen regionale Ballungen die Risikolage. So entfallen in den USA mehr als 40 Prozent der bestehenden und geplanten Rechenzentrumskapazität auf Texas und Virginia. Da diese Anlagen von gemeinsamen Stromnetzen, Telekommunikationssystemen, Cloud-Infrastruktur und Lieferketten abhängig sind, entstehen zusätzliche Risiken.

Swiss Re sieht 200-Milliarden-Markt durch KI-Rechenzentren
Photo: ch.zonebourse.com

Ein einzelner Ausfall kann laut den Experten gleichzeitig mehrere Versicherte, Branchen und Deckungen treffen. Auch externe Faktoren und Lieferketten spielen eine Rolle: So können sich Lieferzeiten bei Hochspannungstransformatoren über mehrere Jahre erstrecken, und in Taiwan liegen rund 88 Prozent der Halbleiterfertigungsanlagen in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Erdbebenrisiko. Grosse Einzelrisiken erhöhen die mögliche Schadenhöhe, geografische Ballungen begünstigen Kumulschäden durch Naturkatastrophen, und Lieferketten- sowie Netzabhängigkeiten können Betriebsunterbrechungen über mehrere Branchen hinweg auslösen, während indirekte finanzielle Schäden den eigentlichen Sachschaden übersteigen können.

Rolle der Rückversicherer und Analysten-Einordnung

Die Risiken gilt es, auf mehrere Schultern zu verteilen, wobei eine zentrale Rolle den Rückversicherern zukommt. Fortschritte im Underwriting sollen helfen, die neuartigen Risiken besser einzuschätzen, und die Frage der Versicherbarkeit besitzt angesichts der enormen Dimensionen grosse Bedeutung. Eine Analysteneinschätzung hob in diesem Zusammenhang das Kursziel für Swiss Re von 116 auf 123 CHF an, beliess die Einstufung jedoch bei Underweight. Der Bericht ist keine konkrete Umsatz- oder Gewinnprognose für Swiss Re, sondern beschreibt ein Marktpotenzial; dies deutet darauf hin, dass Swiss Re im Investitionssuperzyklus zwar ein strukturelles Prämienwachstum sieht, die Ertragsqualität aber von der Risikoselektion und der Preisgestaltung abhängt.

Min Suh on AI Data Centers, Canada’s Opportunity, and the Future of Infrastructure | Ep. 80
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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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