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Technik und Wissenschaft

Indonesische Korallenriffe zeigen überraschende Stabilität bei Erwärmung

Indonesiens Korallenriffe haben sich über 19 Jahre hinweg trotz steigender Meerestemperaturen weitgehend stabil gezeigt, wie eine Auswertung von fast 400 Riff-Standorten zwischen 2004 und 2023 belegt. Forscher warnen jedoch, dass diese Hitzetoleranz bei einer kumulierten Belastung von rund 12 Grad-Heizwochen an eine kritische Belastungsgrenze stößt.

Mit einer Ausdehnung von mehr als 32.000 Quadratkilometern beherbergt Indonesien das weltgrößte und artenreichste Korallensystem. Angesichts weltweit steigender Ozeantemperaturen stehen diese Lebensräume massiv unter Druck.

Langzeitdaten aus Indonesien dokumentieren überraschende Stabilität

Die Datenerhebung erfasste den Zeitraum von 2004 bis 2023 und umfasste 394 permanente Riff-Standorte in 32 Regionen des Archipels. Ermöglicht wurde diese breite Bestandsaufnahme durch die Zusammenarbeit mehrerer Organisationen, darunter das Nationale Forschungs- und Innovationszentrum BRIN, Yayasan Konservasi Alam Nusantara, das Wildlife Conservation Society Indonesia Program, WWF Indonesia sowie Operation Wallacea. Von den 32 untersuchten Standorten zeigten 26 keinerlei signifikante Gesamtveränderung bei harten Korallen, während an zwei Standorten ein Anstieg und an vier Standorten ein Rückgang verzeichnet wurde.

Diese Stabilität erwies sich als bemerkenswert, da die Meeresoberflächentemperaturen in allen Untersuchungsgebieten zwischen 1985 und 2023 kontinuierlich anstiegen; den schnellsten Temperaturanstieg verzeichneten dabei die Regionen im Osten des Landes. Deutliche Temperaturspitzen traten in den Jahren 1998, 2010 und 2016 auf, gefolgt von dauerhaft höheren Werten seit 2020.

Die kritische Grenze von zwölf Grad-Heizwochen

Trotz der positiven Langzeitbeobachtung mahnen Wissenschaftler zur Vorsicht. Stabilität bedeute nicht automatisch Sicherheit vor dem Klimawandel. Bei zu häufiger oder zu starker Hitzebelastung kann der Korallenverlust drastisch beschleunigt werden. Der Vergleich zwischen Korallenbedeckung und thermischem Stress ergab, dass die Riffe zwar mäßige Wärme verkraften, ab einer Schwelle von rund 12 Grad-Heizwochen (DHW) jedoch ein starker Rückgang einsetzt. Diese Metrik kombiniert das Ausmaß der Temperaturüberschreitung mit der Dauer der Hitzewelle.

Weltweit setzt sich der Trend extremer mariner Hitzewellen fort. Die US-Behörde NOAA bestätigte das vierte globale Korallenbleiche-Ereignis, bei dem zwischen Januar 2023 und September 2025 schätzungsweise 84,4 Prozent der weltweiten Riffe von hitzebedingter Bleiche betroffen waren. Auch in Indonesien kam es in diesem Zeitraum zu Bleiche-Vorfällen, unter anderem nördlich von Jakarta, in Karimunjawa sowie in der Dampier-Straße von Raja Ampat.

Schutzgebiete unterstützen die Erholung nach Hitzestress

Zwar können Meeresschutzgebiete den Temperaturanstieg im Ozean nicht verhindern, sie verbessern jedoch die Überlebenschancen der Riffe erheblich, indem sie lokalen Stress wie Verschmutzung und destruktive Fischerei verringern. Dennoch reagieren die Korallengemeinschaften unterschiedlich: Während einige Regionen nach Bleichen rasch nachwachsen, kämpfen andere stark mit den Folgen. Um die weltweite Schutzstrategie voranzutreiben, identifizierte eine weitere Untersuchung namens 50 Reefs Plus rund 165.000 Quadratkilometer Rifffläche mit besonders hohem Erholungspotenzial.

„We know where the hope is, and what we need now is political will. This science can be a catalyst, turning political commitments to the oceans into concrete action for coral reefs.“

Dr. Emily Darling, Director of Coral Conservation bei der Wildlife Conservation Society

Laut Dr. Emily Darling zeigt diese weltweite Kartierung klimaresistenter Riffe in 71 Ländern, dass Ökosysteme keineswegs universell dem Untergang geweiht sind. Bislang fallen allerdings nur rund 28 Prozent dieser widerstandsfähigen Riffe unter Schutzstatus. Die Wildlife Conservation Society hat auf Basis dieser Daten einen Plan für die Jahre 2025 bis 2030 entwickelt, um weltweit mehr als 100.000 Quadratkilometer Küstenökosysteme abzusichern.

Fokusverschiebung hin zu klimaresistenten Refugien

Auch in der Wissenschaft findet ein Umdenken statt, wie Dr. Joseph Maina, Korallenwissenschaftler an der Macquarie University, betont. Traditionelle Analysen konzentrierten sich vor allem auf den Verlust und den Zeitpunkt künftiger Riff-Sterben. Die neue Methode sucht stattdessen gezielt nach den Orten, an denen Riffe unter Klimaerwärmung fortbestehen können.

„This work changes the equation. Instead of asking only when reefs may be lost, it asks where reefs can persist and where action can make the greatest difference. That’s a far more practical question for governments.“

Dr. Joseph Maina, Korallenwissenschaftler an der Macquarie University

Regionale Initiativen wie das Nairobi-Abkommen nutzen diese Daten bereits, um im westlichen Indischen Ozean passgenaue räumliche Planungen für den Meeresschutz zu entwerfen. Die Analysen machen dabei deutliche Unterschiede zwischen den Anrainerstaaten sichtbar: In Tansania fallen etwa 45 Prozent der Riffe in die global widerstandsfähigste Kategorie, während der Wert in Mozambique bei 31 Prozent, in Madagaskar bei 27 Prozent und in Kenia bei 22 Prozent liegt. Solche Kennzahlen helfen Regierungen dabei, Schutzmittel gezielt dort einzusetzen, wo die Überlebenschancen der Riffe am höchsten sind.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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