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Welt

Putin kämpft um sein Überleben“: Kreml-Chef im Ukraine-Krieg immer mehr unter Druck

Estlands Außenminister Margus Tsahkna erklärte am 27. Juni 2026, dass Wladimir Putin angesichts hoher Frontverluste und wirtschaftlicher Probleme zunehmend um sein politisches Überleben kämpfe. Während die Ukraine Drohnenangriffe bis nach Moskau ausweitet, signalisieren die G-7-Staaten weiterhin Unterstützung für Kiew, was den Druck auf den Kreml-Chef massiv erhöht.

Margus Tsahkna und die Analyse der russischen Schwäche

Margus Tsahkna und die Analyse der russischen Schwäche
Photo: SZ.de
Die russische Führung hat laut dem estnischen Außenminister Margus Tsahkna ihre einstige Souveränität eingebüßt. In einem Gespräch mit DIE ZEIT legte Tsahkna dar, dass Russland zum ersten Mal in einer schwächeren Position sei. Diese Schwäche manifestiere sich nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern in einer Kombination aus wirtschaftlichen Problemen und innenpolitischen Spannungen. Besonders die personellen Verluste drücken auf die Bilanz des Kremls. Laut Tsahkna gibt es monatlich etwa 35.000 Tote und Verwundete, während die Rekrutierung nicht mehr das Niveau früherer Phasen erreiche. Selbst innerhalb der Moskauer Machtelite sei der Diskurs über einen Sieg weitgehend verschwunden. Margus Tsahkna, Außenminister Estlands, via DIE ZEIT Ein deutliches Signal an die eigene Bevölkerung war laut Tsahkna die Siegesparade am 9. Mai. Erstmals fehlten zentrale Teile des Militärs, da diese an der Front gebunden waren. Der Außenminister warnt jedoch davor, Moskau aufgrund dieser sichtbaren Schwäche zu unterschätzen. Er sieht die Gefahr, dass Putin versucht, die NATO durch Provokationen zu testen, auch wenn ein direkter Angriff derzeit unwahrscheinlich sei, da Russland nicht die Kraft für einen weiteren Konflikt besitze.

Drohnenangriffe auf Moskau und das Ende der Immunzone

Drohnenangriffe auf Moskau und das Ende der Immunzone
Photo: T-Online
Die militärische Strategie der Ukraine hat sich verschoben. Wiederholte Drohnenangriffe auf die russische Hauptstadt haben laut dem Militärexperten Gustav Gressel Putins verwundbarste Stelle getroffen. Die Ukraine habe damit bewiesen, dass es für den Kreml-Chef keine Immunzone mehr gibt. Die psychologische Wirkung dieser Angriffe ist erheblich. Wenn Drohnen das dichte Luftabwehrnetz von Moskau durchbrechen, wird das Bild des fernen Krieges zerstört. Gressel betont, dass brennende Raffinerien im Stadtbild und erstmalige Treibstoffrationierungen in Moskau der Erzählung widersprechen, die Spezialoperation verlaufe nach Plan. Die Intensität der Luftangriffe erreichte kürzlich einen neuen Höhepunkt. Laut MDR gab Moskau an, insgesamt 660 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben, darunter Angriffe auf die Region Moskau und die annektierte Krim. Dies stellt eine der höchsten Zahlen seit Beginn des Konflikts dar.

Der bröckelnde Mythos des starken Anführers

Parallel zur strategischen Lage erodiert das Image Putins als unbezwingbarer Anführer. Der Schriftsteller und Kolumnist Wladimir Kaminer beschreibt in einer Analyse für T-Online einen Präsidenten, der zunehmend überfordert wirkt. Ein Beispiel hierfür war der Nationalfeiertag am 12. Juni. Bei einem Treffen im Kreml mit sogenannten Veteranen der Spezialoperation – von denen einige direkt aus dem Gefängnis rekrutiert wurden und vorbestraft sind – wirkte der Präsident physisch angeschlagen. Beobachter berichteten, dass er während seiner Rede nuschelte, die Laute in die Länge zog und den Hals verdrehte.

Die-da-oben kaufen sich Soldatenleben, die immer rarer und teurer werden; sie versuchen damit, ihren Krieg weiter anzuheizen, der mehr qualmt als brennt.

UKRAINE-KRIEG: "Putin hat sich übrigens geäußert" – So reagiert der Kremlchef auf die US-Gespräche
Wladimir Kaminer, Schriftsteller, via T-Online Kaminer kontrastiert dieses aktuelle Bild mit den Inszenierungen der Vergangenheit, in denen Putin als muskulöser Anführer auf Pferden oder in Taucheranzügen auftrat. Heute müsse der Kreml-Chef auf geheim gehaltene Waffen und Satelliten verweisen, um die Lage an der Front dramatisch verändern zu wollen, während die Bevölkerung den Krieg zunehmend als das Problem der Führungselite wahrnimmt.

Diplomatische Weichenstellungen und Friedensvorschläge

Diplomatische Weichenstellungen und Friedensvorschläge
Photo: DIE ZEIT
Auf internationaler Ebene scheint sich die Dynamik zu verschieben. Beim G-7-Gipfel in Frankreich versicherten alle Mitgliedstaaten, einschließlich der USA unter Präsident Trump, der Ukraine stetige Unterstützung. Laut SZ.de gibt es Hinweise darauf, dass selbst Trump inzwischen die Ukrainer als Sieger und Putin als Verlierer betrachtet. Diese Einschätzung korrespondiert mit neuen diplomatischen Bewegungen. Die Ukraine hat Russland Vorschläge für Verhandlungen und eine mögliche Friedenslösung übermittelt. Präsident Wolodymyr Selenskyj gab bekannt, dass Vertraute Putins darüber informiert wurden, dass ein Ende des Krieges möglich sei. Gleichzeitig verschärfen sich die internen Anforderungen der Ukraine an die EU. Die EU-Kommission prüft auf Bitte Kiews, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter (23 bis 60 Jahre), die gegen das Ausreiseverbot verstoßen haben, von einem automatischen Anspruch auf Schutz in der EU auszuschließen. Die aktuelle Lage lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
  • Militärischer Druck: Massive Drohnenoffensive (660 Abschüsse laut Russland) und hohe monatliche Verluste (~35.000).
  • Psychologische Wirkung: Durchbruch der ukrainischen Waffen in die russischen Großstädte und Rationierungen in Moskau.
  • Diplomatische Lage: Fortgesetzte G-7-Unterstützung und erste konkrete Friedensvorschläge der Ukraine.
  • Innenpolitische Erosion: Verlust des Unangreifbarkeits-Images Putins und zunehmende Distanz der Bevölkerung zum Krieg.
Während die Ukraine versucht, Putin durch eine Kombination aus militärischem Druck und diplomatischen Angeboten zu Kompromissen zu zwingen, bleibt die Situation volatil. Die Frage bleibt, ob der Kreml-Chef, der laut Tsahkna um sein Überleben kämpft, aus einer Position der Schwäche verhandeln wird oder durch Provokationen versucht, die westliche Geschlossenheit zu untergraben.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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