Mit einer imposanten vertikalen Tiefe von 10.910 Metern hat das Großprojekt Shendi Take-1 neue Maßstäbe gesetzt.
Die von der China National Petroleum Corporation (CNPC) vorangetriebene Bohrung im selben Wüstengebiet wurde zur tiefsten Bohrung in ganz Asien und rangiert weltweit auf dem zweiten Platz der tiefsten Vertikalbohrungen der Erde. Lediglich von der historischen Kola-Bohrung in der damaligen Sowjetunion, die eine Tiefe von 12.262 Metern erreichte, wird dieser Rekord übertroffen.
Die Arbeiten an dem ambitionierten Vorhaben begannen am 30. Mai 2023 und wurden am 20. Februar 2025 erfolgreich abgeschlossen. Zu den herausragenden Besonderheiten des Projekts gehört der weltweit erste potenzielle Fund von Erdöl- und Erdgasvorkommen an Land in Tiefen von mehr als 10.000 Metern. Das Vorhaben verfolgt dabei einen doppelten Zweck: Neben der Exploration von fossilen Brennstoffen steht die wissenschaftliche Grundlagenforschung im Fokus.
Im Rahmen der Arbeiten durchquerte der Bohrkopf insgesamt 12 geologische Formationen, wodurch Gesteinsschichten erreicht wurden, deren Alter auf weit über 500 Millionen Jahre geschätzt wird. Das Projekt verschafft dem Land das technische Know-how zur Erschließung anspruchsvoller Lagerstätten. So lagern im Tarim-Becken mehr als 80 Prozent des Tiefenöls und rund 64 Prozent der Tiefengasreserven unterhalb einer Tiefe von 6.000 Metern.
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Vorhabens ist der hohe Grad an technologischer Autarkie. Rund 90 Prozent der für die Plattform verwendeten Komponenten stammen aus heimischer Fertigung. Dies ermöglicht eine problemlose Replizierbarkeit für künftige Vorhaben, ohne dass das Land auf kritische Importe angewiesen ist.
Die Leistungsfähigkeit dieses heimischen Systems zeigte sich im Oktober 2026 bei einer weiteren Bohrung namens Zhentan-1. Diese erreichte eine Tiefe von über 8.000 Metern und förderte einen Gesteinskern zutage, dessen Alter ebenfalls auf rund 500 Millionen Jahre geschätzt wird.
Während bei der historischen SG-3-Bohrung der Sowjetunion seinerzeit über einen Zeitraum von 19 Jahren rein wissenschaftliche Lithosphärenforschung im Vordergrund stand, zielt das Projekt im Wüstengebiet pragmatisch darauf ab, fossile Rohstoffe aus der Tiefe zu gewinnen.